Jochen Roller

'picture writing', © Jochen Roller
'picture writing', © Jochen Roller


Zurzeit erarbeitet Jochen Roller eine Quadrologie mit dem Titel finding Germany elsewhere. Der erste Teil Trachtenbummler, eine Re-Interpretation deutscher Volkstänze, hatte 2013 beim Festival TANZ IM AUGUST Premiere. Der zweite Teil Them and Us, eine Fusion samoanischer und bayerischer Folklore, hatte 2015 in den Sophiensælen Premiere. Der dritte Teil Blutsbrüder, eine Arbeit über deutsch-ethnisches Crossdressing, wird 2017 in Kooperation mit dem Goethe-Institut Montréal und dem Kunstzentrum Aanischaaukamikw der Cree Nation/Eeyou Istchee erstaufgeführt. Der vierte Teil Hiwwe wie driwwe über Kunst und Religion entsteht in Zusammenarbeit mit einer Amischen Gemeinde in Intercourse, Pennsylvania.
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Kurzporträt

Jochen Roller tanzt gern audiovisuelle Vorträge und hinterfragt, was wir unter Tanz verstehen. Er hat den Blick eines Fremden, er war in Singapur, Sydney, der Südsee, aber nie ist er der heilige Samariter der Aufklärung, sondern der aufmerksame Sammler herrlicher Meriten hier- wie dortzulande. An die Europäer adressiert, sagt er gern Sätze wie „Dance is far too precious to throw it away only to please”.
Seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus dem Pazifikraum lädt er umgekehrt ein, deutsche Sitten kennen zu lernen – eine Eulenspiegelei, denn unsere Tänze muss man erst einmal (er-)finden.

Zu seinem Trachtenbummler (2013) lud er alle Welt ein, bei einer Freiburger Folkloregruppe unsere heimischen Tänze zu studieren. Zu seinem jüngsten Werk, Them and us, schickte er die sonst aus Rugby-Spielen berüchtigten Haka-Tänzer aus Samoa in die Alpen (und ins Tropical Island bei Berlin), um zu zeigen, wie unsere Tanzkulturen mehr einer heilen Postkartenwelt entsprechen als einer gelebten Tradition.
Sein ethnografischer Blick ist präzise und bös, wenn bei ihm die Bayern den samoanischen Fa’ataupati in Lederhosen tanzen – und er uns zeigt, wie sehr Traditionen vor allem von Widersprüchen leben. Asiatinnen und Asiaten vermeiden es strikt, andere Menschen zu imitieren. Und doch geben sie ihre Tänze stur im Copy-and-paste- Verfahren weiter. Wir hingegen finden Volkstänze ziemlich fossil, machen aber nirgendwo mehr Geld für den Tanz locker, als für deren Erbe. Ohne Jochen Roller wäre das keinem aufgefallen.
Arnd Wesemann

Produktionen seit 2014

The Source Code (2014)

1893: Ich bin die Oberfläche meines eigenen Erscheinens (2015)
Co-choreographer: Thomas Meinecke

Hotzenplotz – forsicht gollt! (2015)
Co-choreographer: Stella Konstantinou

(picture writing) (2015)

Them and Us (2015)
Co-choreographer: Yuki Kihara

Carla del Ponte trinkt in Pristina einen Vanilla Chai Latte (2016)