Riki von Falken

Foto: Sabine Brinker
Foto: Sabine Brinker
Foto: Sabine Brinker


Video: „The Geometry of Separation“

Riki von Falken, geboren 1954 in Hohenlimburg, kam Anfang der 80er Jahre nach Berlin mit einem Studium der Sozialpädagogik und einer Vergangenheit beim Ballett als Schülerin. Sie begann bald an der Tanzfabrik, die damals ein wichtiges Zentrum für den zeitgenössischen Tanz in Berlin war und den Blick auf die amerikanische Moderne richtete, als Tänzerin. Sie trat zunächst in vielen Stücken von Dieter Heitkamp und Jacleyn Carley auf, die neue Wege in den Bewegungsformen und der Tanzerzählung suchten. Zehn Jahre später schlug auch Riki von Falken ihren eigenen Weg ein: In einer Reihe von Soloabenden, die auf besondere architektonische Räume bezogen waren, entwickelte sie ab 1990 eine klare und konstruktive Formensprache.

In den neunziger Jahre lebte Riki von Falken mit dem Bildhauer Günter Anlauf zusammen. Eine schwere Krankheit ihres Partners und die Monate, die sie im Krankenhaus neben dem Bett des Komapatienten verbrachte, bildeten einen großen Einschnitt in ihrem Leben. Mit dieser Erfahrung veränderte sich, wie sie mit ihrem Körper kommunizieren und was sie mitteilen wollte. In ihren Stücken „White Linen“ (2000) und „Wach“ (2001) wurde ihre Arbeit persönlicher und essentieller.

Neben ihren choreografischen Projekten war Riki von Falken immer auch als Lehrerin beschäftigt, an der Tanzfabrik und dem Dock 11 in Berlin, der Weber-Schule in Düsseldorf und in Workshops für Profis und Amateure. Sie ist eine genau beobachtende und fordernde Lehrerin, der das Bewusstsein von der Bewegung, wie sie sich zusammensetzt, ebenso wichtig ist, wie diese selbst. 2010 wird sie auf Einladung des Goethe-Instituts drei Monate in Malaysien unterrichten.
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Kurzporträt

Foto: Sabine BrinkerDieser Körper hält an sich. Sie macht sich schmal, nimmt die kurzen, geraden Wege, hält die Arme eng an den Rippen. So betritt Riki von Falken in ihrem jüngsten Stück, „The Geometry of Separation“ das Bild, mit einer zusammengeschnürten und dichtgepressten Energie. Um dann mit spitzen und kurzen Bewegungen, klar und aufgeräumt, ökonomisch und präzise ihre Position zu behaupten.

Nicht nur der Titel, den Riki von Falken und die Filmkünstlerin Mareike Engelhardt ihrem gemeinsamen Stück „The Geometry of Separation“ gaben, betont die Bedeutung der Geometrie. Die Aufteilung in Flächen, das Denken in grafischen Linien, das Raumbilden zwischen den Elementen, es steckt in jedem Detail des Bühnenbildes, der Bewegungen auf der Bühne und im Film. In ihm sehen wir eine junge Frau, deren Unruhe und tastende Suche nach der eigenen Identität mit den Zuständen der Tänzerin auf der Bühne korrespondiert. Sie könnten die Verkörperung einer Figur zu unterschiedlichen Zeiten sein. Beide sind an unsichtbare Grenzen gekommen, beide leiden an dem Gefühl, von ihrer Umgebung abgeschnitten zu sein.

Mit „The Geometry of Separation“ ist Riki von Falken ein ungewöhnlich ehrliches und strenges Selbstporträt gelungen, das auch den Blick auf das Älterwerden nicht scheut. Dennoch ist das Thema, das Zurückgeworfensein auf sich selbst und die Fremdheit im eigenen Leben mehr, als nur eine Nabelschau: Sie beschreibt vielmehr die Aggregatzustände jeder Identität, die nicht in einem marktkonformen Zuschnitt aufgeht. Ihre Bewegungssprache hat trotzdem nichts Schweres, sondern zeichnet sich, wie von jeher, durch Leichtigkeit, Transparenz und auch Eleganz aus. Das liegt an der präzisen Transformation jeder inneren Bewegung in eine äußere Form.

Was die heute 55jährige Choreografin auf ihrem Weg an Erfahrungen gesammelt hat und in bisher rund 10 Produktionen weitergegeben hat, ist selten in der Welt des zeitgenössischen Tanzes. Dessen ökonomische Bedingungen gestehen Tänzern und Choreografen eben oft nicht zu, so viel Lebenszeit in ihre Stücke zu packen. Auch Riki von Falken musste um ihre Produktionsetats immer wieder hart kämpfen; dass es sich lohnt, zeigen ihre Stücke.
Katrin Bettina Müller

Tourneefähige Produktionen

Foto: Sabine BrinkerThe Geometry of Separation (2009)
stage 14 x 14 m, 55 min

One more than one (2003)
solo, stage 12 x 10 m, 45 min

White Linen (2000)
solo, stage 12 x 10 m, 45 min