Angela Schubot / Jared Gradinger

'I hope you die soon', (c) Dieter Hartwig
"I hope you die soon", (c) Dieter Hartwig

Jared Gradingers und Angela Schubots Thema ist die Entgrenzung des Körpers. Ihr Ausgangspunkt ist die Suche nach einem bedingungslosen Zusammensein, um der eigenen Identität zu entkommen. Seit 2009 haben sie vier abendfüllende Arbeiten geschaffen, die sich um die Auflösung des Ichs drehen und sich auf die Suche nach anderen Formen der Koexistenz begeben.

Die Stücke scheinen fließend ineinander überzugehen: Die unerbittliche Erschöpfung des Ichs in »what they are instead of« mit dem Ziel, es zum Verschwinden zu bringen, wird zu dem symbiotischen gesichtslosen Hybridwesen von »is maybe«, wird zu dem gemeinsamen Sterben als ultimative Unmöglichkeit des Zusammenseins in »i hope you die soon« und wird zu dem Doppelwesen, das in »all my holes are theirs« für ein Drittes stirbt. Ihre Arbeiten sind in vielen unterschiedlichen Kontexten in ganz Europa, Südamerika und Australien gezeigt worden, oft in Verbindung mit Unterricht und Forschung.

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Kurzporträt

Jared Gradinger / Angela Schubot

Unvergesslich bleibt das Duett »what they are instead of« von Angela Schubot und Jared Gradinger. Schwere Atemzüge, Keuchen, Hecheln. Alle denkbaren Posen und Positionen durchlaufen die beiden, bewegen sich wie zwangsgesteuert, verwringen sich, reiben, schlagen, pressen ihre Körper aneinander. Das konsequente schwere Atmen evoziert vor allem sexuelle, aber auch zärtliche, latent gewalttätige und in jedem Fall komische Momente. Die Nachfolgeproduktionen geben sich dezenter: nur langsam regen sich da die Muskeln, tasten die Hände, nähern sich kriechende Körper einander. Doch auch hier bekommt der Atem eine zentrale Funktion. Um das Überleben ringen, dem sich auflösenden Körper Widerstand geben, das Sterben überwinden. Nur wird der Zuschauer nicht mehr so arg überwältigt und zur Assimilation gezwungen.

Doch was für alle Arbeiten der beiden Tänzer-Choreografen gilt: Der Körper ist aus Fleisch und Blut, Schweiß, Tränen und allen möglichen anderen Sekreten – kein Kulturprodukt, sondern Naturereignis. Nicht Schönheit, Form, Eleganz, Eloquenz, Eitelkeit sind hier zu beobachten, sondern die Antithese jenes Zustandes, zu dem der Tanz im konventionellen Sinne zu streben hat: weg vom Boden, der Erde, dem Schmutz, der unschönen Leiblichkeit, dem Animalischen. Wo der klassische Tanz an einem Ende der Skala seinen körperlichen Ursprung am liebsten verbergen möchte, stellen Schubot und Gradinger am anderen Ende gerade diesen aus: Ihre künstlich hergestellte Erschöpfung will in jedem Moment die eigene Physis als Herkunft, als Anfang und Ende sichtbar und im besten Falle spürbar machen.
Elisabeth Nehring


Wir probieren oft das Unmögliche und schauen sich an, was dabei herauskommt. Anschließend machen wir Stücke, die einen Zustand des permanenten Werdens anstreben.
Angela Schubot und Jared Gradinger

Tourneefähige Produktionen

»i hope you die soon« (2013)
2 Performer, Bühne 5 x 4 m, 60 min

»all my holes are theirs« (2013)
3 Performer, Bühne 6 x 8 m, 70 min

»is maybe« (2011)
2 Performer, Bühne 8 x 8 m, 55 min

»what they are instead of« (2009)
2 Performer, Bühne 6 x 6 m, 55 min or 25 min (short version)