Christian Spuck

Foto: Regina BrockeFoto: Regina Brocke
„Poppea, Poppea" Foto: Regina Brocke“

Christian Spuck, geboren 1969 in Marburg, wurde an der Stuttgarter John Cranko Schule ausgebildet. Ab 1993 gehörte er als Tänzer zunächst Jan Lauwers’ Needcompany, danach dem Ensemble von Anne Teresa de Keersmaeker an.
1995 trat er ins Stuttgart Ballett ein, wo er nach Assistenz-Tätigkeiten bald selbst zu choreografieren begann und 2001 zum Hauschoreografen ernannt wurde.
Spuck erwarb sich vor allem mit phantasievollen Handlungsballetten internationales Renommee.
Jenseits seines Stuttgarter Engagements arbeitete er für Auftraggeber im In- und Ausland, darunter die Königlichen Kompanien von Flandern und Stockholm, das New York City Ballet, das finnische Nationalballett sowie die Theater von Saarbrücken, Karlsruhe, Essen, Wiesbaden und trat auch als Opernregisseur in Erscheinung. 2011 erhielt er den deutschen Theaterpreis „Faust“ für „Poppea/Poppea“ (Gauthier Dance, Stuttgart). Zur Saison 2012/2013 übernahm Christian Spuck die Leitung des Zürcher Balletts.
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Kurzporträt

Foto: Regina BrockeChristian Spuck ist, soweit es die Tradition des Handlungsballetts betrifft, wohl der produktivste deutschsprachige Choreograf seiner Generation. Produktiv einerseits, weil sein Oeuvre bereits drei Dutzend Werke umfasst; produktiv andererseits, weil er das ballet dʼaction ganz radikal als heutige Kunst versteht und interpretiert. Seine Uraufführungen und Literaturadaptionen – etwa „Lulu.
Eine Monstretragödie“ (2003), „Der Sandmann“ (2006), „Leonce und Lena“ (2008), „Das Fräulein von S.“ (2012) – zeichnen sich durch eine ebenso kluge wie eigenständige Dramaturgie aus, die ihr Sujet jeweils passgenau zuschneidet und ins Tanzsprachliche übersetzt.

Tanztechnisch betrachtet, steht Christian Spuck auf dem Boden der klassischen und neoklassischen Tradition, deren Muster er mit zeitgenössischen Bewegungsmarkern durchsetzt. Als selbstbewusster auteur präsentiert er ein Ballett-Theater der Gegenwart, das Einflüsse des Modern Dance und noch jüngerer Stilrichtungen mühelos aufsaugt. So zeigen auch seine jenseits des Erzählens angesiedelten Stücke nicht nur außergewöhnliches Formbewusstsein, sondern betonen die Qualität des Ausdrucks.
Mimik, Gestik und dramatischer Formenreichtum fusionieren zu einer Tanzsprache, deren Schwingung expressive Bewegungsbögen formuliert und in satten Kontrasten schwelgt. Auch im Abstrakten versteht es Spuck Figuren zu schaffen, die aufeinander, den Raum, die Musik so eng bezogen sind, dass sie den Betrachter als Dritten im Bund gleichsam magisch eingemeinden. Ob „Chaconne“ (2001) oder „Sleepers Chamber“ (2007) – wer Spucks Tänzern zuschaut, wird adhoc von der Lust überfallen, es ihnen gleichzutun.
Dorion Weickmann