Demis Volpi

'Krabat' (nach Otfried Preußler),Choreografie: Demis Volpi, Tänzer: David Moore (Krabat), Marijn Rademaker (Meister)  © Stuttgarter Ballett
'Krabat' (nach Otfried Preußler),Choreografie: Demis Volpi, Tänzer: David Moore (Krabat), Marijn Rademaker (Meister) © Stuttgarter Ballett


Demis Volpi wurde in Buenos Aires geboren und begann bereits im Alter von vier eine klassische Tanzausbildung, die er in Kanada fortsetzte und an der John Cranko Schule in Stuttgart abschloss. Seit 2004 gehört er dem Corps des Stuttgart Ballett an, zwei Jahre später debütierte er als Choreograf. Nach ersten Arbeiten im Rahmen von Nachwuchsprogrammen gelang Volpi rasch der Sprung auf größere Bühnen. So hat er für die Stuttgarter Kompanie in schneller Folge kleinere Auftragswerke entwickelt und war daneben in Karlsruhe und Augsburg tätig. 2007 wurde Volpi in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „tanz“ zum „bemerkenswertesten Nachwuchschoreografen“ gekürt, 2011 gelang ihm mit „Private Light“, einer Kreation für die Saisoneröffnung des American Ballet Theatre in New York, der Sprung in die internationale Szene. Außerdem erhielt er für „Little Monsters“ (2011) den Preis für die beste Choreografie beim Erik-Bruhn-Wettbewerb in Toronto. Im März 2013 benannte ihn der Stuttgarter Ballettdirektor Reid Anderson zum Hauschoreografen.

    Porträt

    Demis Volpis Arbeiten sind zumeist einer nicht-narrativen Dramaturgie verpflichtet und zeichnen sich vor allem durch packende Relektüre der klassischen Tanzsprache aus. Der Argentinier vollbringt das Paradox, die kanonisierte Form zu zitieren und sie zugleich durch gezielte Auswahl einzelner Elemente und scharfe Akzentverschiebungen neu zu formatieren. An die Stelle des traditionellen Schwerelosigkeitskults rückt eine forcierte Körperlichkeit, die bar aller Symbolismen Tanz als physisches Ereignis und hochkonzentrierte Energie beschreibt. Schon „on and on and on“ (2006), Volpis erste Choreografie, spielte virtuos auf der Klaviatur der danse dʼécole, über „Big Blur“ (2010) bis hin zu „Little Monsters“ (2011) und „Hypnotic Poison“ (2012) hat sich seine Handschrift weiter verfeinert, sein Idiom verdichtet: Kraftvolle, genau synkopierte Arien der Arme geben eine Linie vor, die rasante und ebenso üppig dimensionierte wie kristallklare Bewegungen der Beine einerseits abrunden, andererseits brechen. Tänzerinnen wandern von einem Arm in den nächsten, ohne dazwischen je den Boden zu berühren, und überführen so die vertrauten Ballettsilben in ein ironisch verzerrtes Sprachspiel. Vor allem in den pas de deux und Soli treibt Volpi die Spitzentechnik zu einer Art Hyperventilation, indem er die Ballerinen beim Springen, Gehen und Stehen phasenweise dauerhaft sur la pointe hält und außerdem über das scheinbare Limit der Balance hinaus schiebt. Nicht zuletzt besticht die makellose Phrasierung, die den Werken vor allem eins verleiht: den Drive des 21. Jahrhunderts.
    Dorion Weickmann