Christoph Winkler

'Hauptrolle', © Heiko Marquardt
'Hauptrolle', © Heiko Marquardt


Christoph Winkler gilt als einer der vielseitigsten Choreografen Deutschlands. Seine Arbeit umfasst ein weites Spektrum von Formaten und reicht von sehr persönlichen bis hin zu politischen Themen. Geboren wurde er in Torgau in der ehemaligen DDR und war als Jugendlicher zunächst mehrfach Spartakiadesieger im Gewichtheben und Judo, trainierte außerdem Kampfsport und Breakdance bevor er zur Ausbildung an die Staatliche Ballettschule Berlin ging. Danach studierte er vier Jahre Choreografie an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und gründete Klangkrieg Produktionen, eine Plattform für experimentelle Musik. Seit 1998 arbeitet er freischaffend in Berlin. Mit seinen Arbeiten schafft er es immer wieder Themen zu finden, die ganz innerhalb seiner Kunstform stehen, aber darüber hinaus auch auf momentan in der Gesellschaft stattfindende Diskurse hinweisen.

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Kurzporträt

Was ist nicht alles gesagt und geschrieben worden über diesen Mann: Oberbrutalinski einer Terrorbande und „premier charmeur“, dessen Halbstarkenhabitus selbst emanzipierteste Genossinnen betörte. Dann das: Ein sehniger Typ windet sich auf der Bühne, tausend Volt scheinen durch seinen Körper zu zucken, bevor er ihn zur Muskelwaffe schmiedet. Der Andreas Baader, den der Choreograf Christoph Winkler 2011 von den Toten auferstehen und ins Theater einmarschieren lässt, ist ein so kaputter wie verbissener Typ. Ein gnadenloser Wüterich gegen sich selbst wie gegen die Bonner Republik. Winkler und sein genialer Tänzer Martin Hansen erzählen die Geschichte der Roten Armee Fraktion als Solo-Performance, mit unglaublicher Wucht und bis an den Rand der Zerstörung.

Winkler tut das, was seit den Zeiten Egon Erwin Kischs mit dem Etikett des „rasenden Reporters“ belegt ist: Mit atemberaubendem Produktionstempo spießt er heikle Themen auf, filtert die Essenz heraus und verwandelt sie in theatrales Material. Vom Intifada-Essay Jerusalem (2002) über Homo Sacer (2004) und das Beate-Zschäpe-Omen RechtsRadikal (2013) zieht sich Winklers Reporterspur bis zur Vermessung Europas (Golden Stars on Blue, 2015). Immer mal wieder legt er einen Abstecher ins Feuilletonistische ein, so etwa mit Dance!Copy!Right? (2012). Zuletzt hat der Wahlberliner ein biografisches und autobiografisches Debüt gewagt: La Fille, Porträt der eigenen Pflegetochter, zieht Beziehungs- und Erziehungsnotstand zusammen, verknüpft das Allerprivateste mit dem Alleröffentlichsten. Solche Schnittstellen kenntlich zu machen, ist Christoph Winklers Mission.
Dorion Weickmann

Produktionen seit 2014

Hauptrolle (2014) Christoph Winkler & Ahmed Soura

La Fille – Portrait eines Kindes (2015)

Christoph Winkler & Emma Daniel Studies in Postcolonialism (2016)

Urban Soul Café (2016) Christoph Winkler & Aloalii Tapu