
Jugendliche haben ein ganz eigenes Lernverhalten, welches sich vom Lernverhalten Erwachsener und dem von Kindern in vielen Bereichen unterscheidet.
Laut einer Studie des Goethe-Instituts, bei der über 500 Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer aus verschiedenen Ländern weltweit befragt wurden, empfinden es über die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer schwierig, Jugendliche zu unterrichten. Als besondere Schwierigkeit erleben die Lehrenden dabei die fehlende Motivation ihrer jugendlichen Schülerinnen und Schüler. Weiterhin stellen Disziplinprobleme und mangelnde Aufmerksamkeit der Lernenden häufig eine große Herausforderung für Deutschlehrende dar.Auch wenn das Verhalten der Jugendlichen im Unterricht manchmal schwierig ist, so ist es doch nicht unbegründet. Jugendliche durchlaufen die Phase der Adoleszenz (des Erwachsenwerdens), in der sie sich von einem abhängigen Kind zu einem selbständigen Erwachsenen entwickeln. Diese Entwicklungsphase setzt im Alter zwischen 10 und 12 Jahren ein und dauert bis mindestens Anfang 20 an. Während dieser Zeit müssen erhebliche Veränderungen der körperlichen, kognitiven und sozialen Entwicklung bewältigt werden, die sich unweigerlich auch auf das Lernverhalten auswirken.
Jugendliche befinden sich jedoch gleichzeitig auch in einer Phase, in der sie besonders schnell und effektiv lernen können. Da das Gehirn der Jugendlichen noch einmal eine plastische Phase durchläuft, wirken sich Umwelteinflüsse in besonderer Weise auf das Lernverhalten aus. So lernen Jugendliche beispielsweise das Spielen eines Musikinstruments, Skifahren oder eine Fremdsprache deutlich müheloser und oft auch vollkommener als erwachsene Lerner.
Jugendliche lernen also insgesamt auf eine andere Art und Weise als Kinder und Erwachsene, da ihr Lernverhalten durch zahlreiche Faktoren beeinflusst wird, die in der Kindheit und im Erwachsenenalter keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Für Deutschlehrerinnen und –lehrer in der Sekundarstufe ist es bedeutend zu wissen, in welcher Entwicklungsphase des Lebens sich ihre Schülerinnen und Schüler befinden und wie dadurch ihr Lernverhalten beeinflusst wird. Erst wenn Lehrkräfte erkennen und verstehen, wie Jugendliche lernen und warum sie anders lernen als Kinder und Erwachsene, können sie ihren Unterricht zielgruppengerecht gestalten.





