Wirtschaft und Sprache

Karriere mit Deutsch

Welche beruflichen Vorteile bringen Deutschkenntnisse?  Foto: Kai Koehler © iStockphotoWelche beruflichen Vorteile bringen Deutschkenntnisse?  Foto: Kai Koehler © iStockphotoDie deutsche Sprache soll in Europa wichtiger werden. Darum bietet das Goethe-Institut spezielle Sprachkurse für höhere Beamte aus europäischen Ländern. Wie sehen die Karrieren mit Deutsch aus? Ein Alumni-Treffen gibt Einblicke.

Eine Gruppe folgt einem Stadtführer mit einer Schirmmütze und einem Aktenordner unterm Arm über den Berliner Alexanderplatz. Er spricht über die mittelalterliche Stadt, die hier einst stand. Das tut er auf die trocken-ironische Art, die für Berliner so typisch ist. Für seine Zuhörer ist diese allerdings nicht einfach zu verstehen. Denn sie sind keine deutschen Muttersprachler, sondern kommen aus unterschiedlichen Ländern Europas. In Berlin sind sie zu einem dreitägigen Alumni-Treffen des Stipendienprogrammes DeutschLand. Sie haben bereits das Bundeskanzleramt besucht, das Auswärtige Amt, Museen und die Philharmonie. An diesem letzten Tag machen sie einen Stadtspaziergang. Die Alumni hören interessiert zu, nicken hin und wieder mit dem Kopf, gelegentlich blättert jemand in einem Wörterbuch.

Mehr Deutsch in Europa

Inwiefern sind Deutschkenntnisse bei der beruflichen Weiterentwicklung relevant?  Foto: Markus Lambrecht © iStockphotoDie Besucher sind alle höhere Bedienstete in EU-Institutionen oder Ministerialbeamte aus EU-Mitgliedsstaaten und assoziierten Ländern. An deutschen Goethe-Instituten haben sie ein- oder zweiwöchige EU-Kurse besucht – besondere Intensivsprachkurse zu politischen und wirtschaftlichen Themen. Das war vor drei Jahren. „Das Treffen in Berlin dient dazu, mit den ehemaligen Teilnehmern wieder ins Gespräch kommen“, sagt Barbara Thiel, die bis April für die Kurse verantwortlich war. Außerdem wolle man erfahren, ob und inwiefern die erworbenen Deutschkenntnisse bei der beruflichen Weiterentwicklung relevant waren.

Für den Juristen Henry Abbott hat sich nicht viel geändert. Seit fünf Jahren ist der Ire Assistent eines Richters am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Seine Arbeitssprache ist Französisch. Da aber viele Anträge aus Deutschland und Österreich eingingen, sagt er, müsse er manchmal Texte auf Deutsch lesen und mit deutschen Kollegen telefonieren. Aber auch ohne Deutschkenntnisse könnte er diese Arbeit machen. Dass Deutsch in EU-Institutionen so wenig präsent ist, bedauert der 34-Jährige, der die deutsche Sprache während zwei Semestern als ERASMUS-Stipendiat in Hannover gelernt hat. „Die deutsche Regierung sollte in den EU-Institutionen viel mehr auf Deutsch bestehen.“

Deutsch zwischen nicht-deutschen Partnern

Eine Gruppe des Alumnitreffens im Kanzleramt  Foto: Anita BoomgardenDass Deutsch nicht nur im Kontakt mit Deutschen gesprochen wird, wird oft vergessen. 40 Prozent von 1.500 befragten ehemaligen Teilnehmern der EU-Kurse gaben in einer Befragung an, Deutsch im beruflichen Kontext auch mit nicht-deutschen Partnern zu benutzen.

So braucht Zlatko Kafel, der im slowenischen Landwirtschaftsministerium für Tierkennzeichnung und -registrierung zuständig ist, Deutsch nicht nur im Kontakt mit österreichischen Schlachthöfen sondern auch bei Telefonaten mit Kollegen in Rumänien, Ungarn und Bulgarien. „Dort sprechen sie Deutsch als erste Fremdsprache, nicht Englisch“, sagt Kafel, der als einziger seiner Abteilung Deutsch beherrscht. Das erleichtere die Arbeit und habe ihm schon viel Anerkennung eingebracht. „Wenn ich kein Deutsch könnte, würden die ungarischen oder rumänischen Kollegen vielleicht nur sagen: ‚Sorry, I don’t understand‘ und schnell auflegen“, sagt der 47-Jährige. Direkt positiv beeinflusst hätten die Deutschkenntnisse seine Karriere aber nicht.

Berufliche Vorteile durch Mehrsprachigkeit

Kanzlerin Angela Merkel beim Europaforum des WDR im Auswärtigen Amt  Foto: Anita BoomgardenDeutsch ist also nützlich aber nicht unbedingt karrierefördernd? So könne man das nicht sagen, sagt Barbara Thiel. Entscheidend sei Mehrsprachigkeit. „Nur mehrsprachig kann man in Europa Karriere machen“, sagt sie. „Und das Goethe-Institut setzt sich dafür ein, dass eine der Sprachen Deutsch ist.“ Gründe, sie zu lernen, gibt es gute: Deutsch ist die am meisten gesprochene Sprache in Europa und zudem die einer großen Handelsnation. Die meisten Lerner agieren allerdings zielorientiert. „Sie lernen Deutsch, weil der Vorgesetzte oder ihre Geschäftspartner deutschsprachig sind“, sagt Thiel. „Und, weil sie sich für die Arbeit in der EU mit Deutsch als zweiter Fremdsprache eine gute Ausgangsbasis schaffen wollen.“ Ob das gut für die Karriere ist, zeigt sich dann später.

In vielen Fällen ist es das: Laut einer Befragung in Berlin führen rund 50 Prozent der Alumni, deren berufliche Situation sich in den vergangenen drei Jahren verbessert hat, dies auf ihre guten Deutschkenntnisse zurück. Eine von ihnen ist Magda Rembiesa. Seit drei Jahren arbeitet die Polin in der Direktion für handelspolitische Schutzinstrumente der EU. Teil ihrer Arbeit ist es, Unternehmen in der EU zu besuchen und Beschwerden wegen billiger Exporte aus Drittländen nachzugehen. In der Industrienation Deutschland habe sie oft zu tun. Deutsch sei dabei unentbehrlich. „Die Arbeiter in den Fabriken sprechen nichts anderes“, sagt die 29-Jährige und erinnert sich, dass das Bewerbungsgespräch für diese Stelle teilweise auf Deutsch war. Deutsch hat sie auf dem Gymnasium gelernt und war während des Studiums für zwei Semester in Österreich. Als sie später im Wirtschaftsministerium in Warschau arbeitete, besuchte sie privat einen Deutschkurs am Goethe-Institut. „Deutsch hat in meinem Leben immer existiert“, sagt sie. Und letztendlich hat die Sprache ihr zu einer erfolgreichen Karriere verholfen.

Katja Hanke
ist Sprachwissenschaftlerin und freie Journalistin.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Juni 2010

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