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© ZDF Aspekte
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Wie steht es um die deutsche Sprache in Zeiten der Globalisierung? Wie groß ist der Einfluss von Anglizismen tatsächlich? Greifen die Klageschriften über einen angeblichen Verfall der deutschen Sprache schlicht zu kurz?
Zusammen mit dem Goethe-Institut beschäftigte sich das Magazin ZDF aspekte am 28. März mit diesen und anderen Fragen rund um die deutsche Sprache. Für DEUTSCH 3.0 Grund genug, sich den Zustand der deutschen Sprache in einigen Bereichen etwas genauer anzuschauen.



Moderator Jo Schück in der Sprach-Sprech-Fragen-Box von DEUTSCH 3.0

Wenn es um das oft diskutierte Thema Fremdwörter geht, hilft ein Blick auf die Zahlen: Dass Fremdwörter, besonders Anglizismen, die deutsche Sprache überschwemmen, stimmt so nicht, wie man den Zahlenverhältnissen beispielsweise im Rechtschreibduden entnehmen kann. Der Gesamtanteil der Fremdwörter aus dem Englischen liegt in der 26. Auflage dieses Standardwörterbuchs bei ca. 3,7 %. Das ist annähernd derselbe Wert wie schon in der 23. Auflage von 2004. Nach wie vor kommen die meisten Fremdwörter im Rechtschreibduden aus dem Lateinischen (5,6 %) und Griechischen (4,2 %). Gleichauf mit dem Englischen liegt das Französische mit ebenfalls rund 3,7  %. Auch 2013 machen die Fremdwörter insgesamt gegenüber den einheimischen Wörtern nur etwa ein Fünftel (21,3 %) der Gesamtmenge der Wörterbucheinträge aus. Auch ein Verweis auf das Deutsche Fremdwörterbuch (Schulz/Basler; Neubearbeitung) bietet sich an: Danach sind die meisten Fremdwörter erstens nicht englischen, sondern lateinischen Ursprungs (oft vermittelt übers Französische, vielfach dann relatinisiert). Und zweitens sind die meisten Fremdwörter Neubildungen des Deutschen. Ähnliches zeigt auch das Neologismenwörterbuch (http://www.owid.de/wb/neo/start.html).
 
Sprachverfall und Sprachverarmung?

Auch der vielfach beklagte Sprachverfall erweist sich bei näherem Hinsehen eher als ein gefühltes denn als ein reales Problem. Veränderungen resultieren häufig aus Sprachwandelprozessen, die es schon immer gegeben hat und die normal sind. Als Beispiele können Angleichungen in der Flexion wie „diesen Jahres“ statt „dieses Jahres“, „gewunken“ statt „gewinkt“ und Ähnliches dienen. Und von Verarmung des Wortschatzes kann erst recht nicht die Rede sein. Dieser wächst nämlich kontinuierlich. Nach unlängst von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften erhobenen Zahlen betrug der Umfang des Wortschatzes der deutschen Sprache im Zeitraum 1905-1914 etwa 5,3 Millionen Wortformen, im Zeitraum 1995-2004 schon 7,6 Millionen Wortformen. Und es gibt nicht nur mehr Wörter, es gibt – vor allem – mehr gebildete Sprecher. Differenziertes Sprechen (und Denken) ist kein Eliteprojekt von ein paar schreibkundigen Mönchen mehr. Im Gegenteil, es wird sogar viel mehr geschrieben als in früheren Jahrhunderten. Es sind technische Innovationen (Buchdruck, billiges Papier, Computer) und die Demokratisierung von Bildung (allgemeine Schulpflicht, Zugang von Frauen zu höherer Bildung, Bildungsexpansion ab den 1960er-Jahren), die die Schreibproduktion massiv beschleunigt haben. Facebook und Twitter sind das, was Briefe im 19. Jahrhundert waren. Dabei gibt es viele neue Textsorten, und das Gewicht zwischen den Textsorten verschiebt sich. Wichtig ist aber zu sehen, dass üblicherweise bei den Benutzern sehr wohl ein Bewusstsein für Textsorten besteht: Nur eine SMS schreibt man wie eine SMS.

Deutsch als Wissenschaftssprache gestern und heute

Ein Bereich, in dem man die Auswirkungen der Globalisierung sehr deutlich spürt, ist die Rolle von Deutsch als internationale Wissenschaftssprache. Deutsch hat hier nicht mehr den Rang, den es vor hundert Jahren hatte, und es wird ihn absehbar auch nicht wieder haben. Allerdings ist Deutsch nach wie vor eine ausgebaute Wissenschaftssprache, mit der man (noch) (fast) alles sagen kann, und die Sprachgemeinschaft ist doch so groß, dass zumindest kurzfristig nicht mit dem völligen Tauglichkeitsverlust des Deutschen zu rechnen ist. Als mittelgroße Sprache mit einem hinreichend relevanten, also attraktiven Markt hat das Deutsche auch hier gute Überlebenschancen.

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