Dokumentation der bisherigen Veranstaltungen


Sprache fördern in allen Fächern
Wie geht das?

Sprache spielt bei der Aneignung von Wissen eine zentrale Rolle. Wo Sprache nicht ausreichend gelernt wird, können auch die Inhalte nicht ausreichend verstanden und wiedergegeben werden. Aufgabe der Schule ist es, den Lernenden nicht nur die fachlichen, sondern auch die sprachlichen Werkzeuge an die Hand zu geben, um ihren Lernerfolg zu dokumentieren.



Welche Kenntnisse aber braucht ein Fachlehrer, wenn er in seinem Unterricht neben den fachlichen auch die sprachlichen Kompetenzen seiner Schülerinnen und Schüler fördern will? Was haben Lehrbuchtexte mit Bildungserfolg und Sprachelernen zu tun? Wie wirkt sich Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer auf das Sprachelernen aus? Diese und andere Fragen wurden im Rahmen der Podiumsdiskussion „Sprache fördern in allen Fächern“ auf der größten Bildungsmesse Europas, der 2014 in Stuttgart stattfindenden didacta, gestellt und beantwortet.

Expertinnen und Experten aus den Bereichen Sprachförderung und Mehrsprachigkeit diskutierten auf dem Forum didacta aktuell vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Schülerschaft dringliche Fragen zu Sprachförderungskonzepten und deren Umsetzung im Schulalltag.

„Sprachelehren ist nicht nur die Aufgabe eines einzelnen Faches oder des Förderunterrichts Deutsch, sondern muss als Querschnittsaufgabe verstanden werden, in die alle Fächer und Schultypen eingebunden sind“, stellte Sylvia Brandt, Referentin für Sprache und Integration am Goethe-Institut in München, fest. „In der bisherigen Lehrerfortbildung bleibt dieser Aspekt des Sprachelernens, insbesondere auch das Sprachelernen von mehrsprachigen Kindern, weitgehend unberücksichtigt“, erklärte sie weiter. An diesem Bedarf setzt der Band Sprachbildung in allen Fächern an, der von Wissenschaftlern der Universität Duisburg-Essen und dem Goethe-Institut entwickelt wurde. Der Band ist Teil der neuen Lehrerfortbildungsreihe DLL (Deutsch Lehren Lernen), mit der das Goethe-Institut in enger Zusammenarbeit mit namhaften DaZ-Lehrstühlen in Deutschland auf die veränderten Anforderungen der Lehrerfortbildung reagiert. Eine Besonderheit der neuen Reihe ist es, dass die Erfahrungen der Lehrenden von Anfang an kontinuierlich in die Fortbildung einfließen. (Erscheinungsdatum: Juni 2014)

Vielfalt ist ein hohes Gut

„Wir können stolz darauf sein, dass bereits in den sechziger Jahren Gastarbeiter zu uns kamen.“ Für Hubert Truckenbrodt, Sprachwissenschaftler am Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft Berlin (ZAS), ist die Weiterentwicklung der Willkommenskultur in Deutschland ein zentraler Aspekt. Hubert Truckenbrodt setzt sich für die Wertschätzung aller Sprachen und die Vielfalt in unserer Gesellschaft ein. Jede weitere Sprache eröffnet uns einen anderen, neuen Blick auf die Welt – und ist ein Gewinn für den Unterricht, ganz unabhängig von der jeweiligen Muttersprache der Schülerinnen und Schüler.
Die ZAS-Publikation Das mehrsprachige Klassenzimmer gibt Lehrerinnen und Lehrern aufschlussreiche Informationen zu den unterschiedlichen Herkunftssprachen im Unterricht.

Die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer

Veränderte gesellschaftliche Bedingungen erfordern neue Konzepte – so Sven Oleschko, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt ProDaZ an der Universität Duisburg-Essen und Mitautor von Sprachbildung in allen Fächern. An der Nahtstelle von Wissen und Praxis beschäftigt er sich mit Sprachbildungskonzepten, die die Integration von fachlichem und sprachlichem Lernen im Fachunterricht berücksichtigen. Für viele Kinder und Jugendliche ist mangelnde sprachliche Förderung ein Grund für Störungen des Lernerfolgs. Grund für den mangelhaften Input kann sein, dass Kinder mit mehreren Sprachen aufwachsen oder dass im Elternhaus – auch bei einsprachigen Kindern – wenig für die Sprachkompetenz getan wird. Sven Oleschko hinterfragt, wie die Lehrenden die Schülerinnen und Schüler unterstützen können, damit sie das geforderte Sprachniveau erreichen. Er untersucht dabei unter anderem die Rolle von Schaubildern und Texten im Fachunterricht. Erst wenn Lehrerinnen und Lehrer genau verstehen, welche Anforderungen der Fachtext an die Schüler stellt, kann der Text gezielt vorentlastet und die Anforderung trainiert werden.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Benjamin Weinkauf, Lehrer für Gesellschaftslehre und Physik an der Gesamtschule Walsum, berichtete anhand von anschaulichen Praxisbeispielen über die konkrete Entstehung und Umsetzung von Sprachbildungskonzepten an seiner Schule. Wichtig sei vor allem, bei den Kollegen Sensibilität für das Thema Sprachförderung herzustellen und zunächst mit Fachkollegen zusammenzuarbeiten, um Fragen zu den sprachlichen Anforderungen des eigenen Fachunterrichts zu beantworten. Als Beispiel nannte er das Konzept der Fachsprachentage an seiner Schule, bei der alle Fachbereiche einen Tag lang fachübergreifend zu ausgewählten sprachlichen Anforderungen arbeiten.

Auch Sven Oleschko bestätigte, dass Schulbuchmaterialien den Sprachbildungsaspekt bisher nicht aufnähmen. Hier müsste viel mehr getan werden. Es gehe aber nicht darum, einen Text zu vereinfachen oder durch Bilder zu ersetzen. Das hätte den gegenteiligen Effekt auf die Sprachentwicklung der Schüler. Es gehe vielmehr darum, den Text zum Beispiel durch Bilder zu entlasten und die sprachlichen Anforderungen dann durch kleinschrittige Aufgaben Stück für Stück zusammen zu erarbeiten.

Das Publikum diskutiert mit

Interessante Beiträge aus dem Publikum ergänzten und bestätigten die Bemerkungen der Expertinnen und Experten. Die Lehrerin einer Gesamtschule berichtete, dass die von ihr unterrichteten Kinder und Jugendlichen häufig nicht die geforderten sprachlichen Fähigkeiten mitbringen, die im Fachunterricht vorausgesetzt werden. Für Kinder mit der Zweitsprache Deutsch sind zunächst zusätzliche sprachliche Hürden zu überwinden, bevor sie sich mit dem Fachinhalt auseinandersetzen können. Darauf solle Rücksicht genommen werden.


Projektschreiberin: Sigrid Mahn-Hutta
Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin

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