Dokumentation der bisherigen Veranstaltungen


Rhetorikseminar „Menschen bewegen oder Die Macht der Sprache“

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe DEUTSCH 3.0 schrieb das Goethe-Institut im Juli dieses Jahres den Wettbewerb „Menschen bewegen oder Die Macht der Sprache“ aus. Zu gewinnen gab es einen Platz im exklusiven Rhetorikseminar des renommierten Kommunikationscoaches Reinhard Philippi. Hierfür galt es die Jury davon zu überzeugen, der richtige Kandidat für eine Teilnahme zu sein.

Rhetorikseminar Staffstabübergabe

Am 26. August 2014 fanden sich die Gewinnerinnen und Gewinner des Wettbewerbs schließlich zum Seminar in der Berliner Stratum Lounge ein. Die Vielfalt der Teilnehmenden reichte von der Diplom-Übersetzerin über die Lehrerin bis hin zu einem angehenden Arzt. Dementsprechend unterschiedlich waren auch die Erwartungen an das Seminar.

Der großen Heterogenität innerhalb der Gruppe vorgreifend hatte Reinhard Philippi die Teilnehmenden gebeten, ihm vorab einen kurze Rede oder Präsentation per Mail zuzusenden. Diese sollten eben jenem mündlichen Beitrag entsprechen, dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihrem Berufs-, Studenten- oder Privatleben für gewöhnlich leisten müssen, oder auf dessen Darbietung sie sich derzeit konkret vorbereiteten. Die folgenden vier Stunden gestaltete Reinhard Phillippi ganz im Zeichen der „Präsenturgie“, der Kunst, Botschaften zu inszenieren, und bezog sich dabei auf die jeweiligen Texte und die individuellen Fragestellungen, die die Teilnehmer mitgebracht hatten.

Die Rolle des Vortragenden

„Wer überzeugend reden will, muss seinen eigenen Standpunkt kennen.“, fasst die Teilnehmerin Norma Keßler die erste wichtige Erkenntnis des Seminars zusammen. „Danach kann der Vortragende sich Gedanken über die Rolle machen, in der er etwas präsentieren möchte. Diese Rolle manifestiert sich nicht nur in den Worten, sondern auch in der Körperhaltung: Wer wie seine Zuhörer sitzt, ist eher ein Gleicher unter Gleichen; wer vor der Gruppe steht, ist eher der Lehrer, und wer sich zwischen seine Zuhörer platziert, wird eher zum Mittler zwischen Positionen. In einem abwechslungsreichen Vortrag kann der Redner durchaus zwischen diesen Rollen wechseln.“

Die richtige Ebene finden

„Lebendigkeit in einem Vortrag stellt sich auch durch den Wechsel zwischen unterschiedlichen Ebenen ein“, gibt Norma Keßler wieder. „Die Bildebene, die ein Bild vor dem geistigen Auge der Zuhörer malt, die Erzählebene, die die Inhalte in eine Geschichte packt, und die Inhaltsebene, die mit Zahlen und Fakten arbeitet. Auch hier sorgt ein geschickter Mix für die anhaltende Aufmerksamkeit der Zuhörer.“

Spannung – aber wie?

Schließlich, so die Diplom-Übersetzerin Keßler, zähle laut Philippi der Spannungsbogen. Warum fällt es manchmal leicht, einer langen Rede zuzuhören? Und warum ist manchmal schon eine kurze Rede eine Qual? Der richtige Spannungsbogen macht’s: Er bietet dem Zuhörer Spannendes zu Einstieg, gönnt ihm dann eine entspannende Phase, packt ihn an einem Wendepunkt mit Betroffenheit und nimmt ihn dann mit auf eine spannende Reise durch das Thema, an deren Ende ein Appell oder eine wichtige Erkenntnis steht.

Resümee des Seminars

Der Fachübersetzerin zufolge boten die vier Stunden Seminar genau diesen Spannungsbogen: interessante Gedanken zum Einstieg – die Anliegen, wo jeder Teilnehmer rhetorische Mittel einsetzen möchte – faszinierende Umsetzungsmöglichkeiten von Rhetorik – und am Ende die Erkenntnis, mit diesem Wissen jetzt weiter an sich arbeiten zu können.

Einige Teilnehmende wünschten sich für das nächste Mal mehr Zeit, um jedem, der einen Vortrag vorbereitet hatte, gerecht zu werden. Darüber hinaus hätte manch eine Teilnehmerin gerne mehr über die theoretischen Grundlagen der Rhetorik erfahren.

Mehr als nur Blabla

Insgesamt fiel das Urteil jedoch positiv aus. „Häufig wird Rhetorik nur als die Fähigkeit verstanden und gelehrt, überhaupt vor einer Gruppe sprechen zu können. Das ist schade und wird der Breite und dem Potential des Themas meiner Meinung nach nicht gerecht.“, so die Konferenzdolmetscherin Jil Richter nach dem Seminar. „Unser Workshopleiter allerdings hat uns nicht enttäuscht. Mit sinnvollen Theorieeinheiten und praktischen Anwendungsbeispielen gingen wir durch die vier Stunden und Herr Philippi dirigierte mit Leichtigkeit die Balance zwischen Konzentration und Auflockerung.“

Das Team von DEUTSCH 3.0 dankt allen TeilnehmerInnen herzlich für ihre Rückmeldungen. Weitere Einblicke in den Workshop bietet die Teilnehmerin Norma Keßler in ihrem Blog: http://uebersetzer-blog.wieser-kessler.de/2014/08/ideen-mit-worten-kleiden/.


    PROJEKTSCHREIBER



    Die Projektschreiber bereiten die einzelnen Live-Veranstaltungen journalistisch auf und geben atmosphärische Einblicke.
    MEHR ...

    SPRACH-SPRECH-FRAGEN-BOX

    Welche Fragen und Ideen zur Zukunft der deutschen Sprache haben Sie?

    Zeichnen Sie Ihre ganz persönliche Videobotschaft auf. In unserer Sprach-Sprech-Fragen-Box in einer von sechs Städten.
    MEHR ...