Ethnizität
Dem Begriff „Ethnizität“ unterliegt die Vorstellung einer Analogie zwischen Raum, Gruppe und Kultur. Mit der Zuordnung von Menschen zu ethnischen Gruppen ist daher zumeist auch eine implizite Charakterisierung verbunden. Im Kontext politischer und gesellschaftlicher Diskurse entstehen durch ethnische Zuschreibungen oft folgenreiche Segregationsdiskurse, die in Medien beispielsweise durch Begriffe wie „Parallelgesellschaft“ zum Ausdruck kommen. Durch den Rekurs auf Herkunft und Kultur ist Ethnizität stets mit spezifischen Vorstellungen verbunden und wirkt stark vereinheitlichend und reduzierend. Bei dem Modell des „Multikulturalismus“ wird „kulturelle Vielfalt“ zwar positiv gedeutet, bleibt aber ebenfalls an ethnische Kategorien gebunden, so dass die Unterscheidung und Zuordnung in „eigen“ und „fremd“ aufrecht erhalten bleibt.
Gerade in supranationalen Zusammenhängen sind häufig Ethnisierungsprozesse als politische Projekte beobachtbar, die der Anerkennung des nationalen Status gegenüber anderen Nationen dienen und durch territoriale Grenzziehungen zum Ausdruck kommen sollen.
„Selbstethnisierungen“ sind meist mit dem Anspruch auf eine eigene Geschichte, Werte und Traditionen verbunden; Kultur wird dabei als Erbe von Generation zu Generation gedacht, so dass Ethnizität wie eine natürlich gegebene Tatsache erscheint und heterogene, hybride Wirklichkeitsbezüge ausgeblendet werden. Ethnisierungsprozesse sind aber nie abgeschlossen, klar oder eindeutig, sondern in dynamische Prozesse eingebunden und beeinflusst von lokalen und globalen Einflüssen.
Die Aufrechterhaltung ethnischer Identifikation trotz räumlicher Entfernung und veränderter Lebensbezüge steht häufig in Zusammenhang mit transnationalen Netzwerkpraktiken, was z.B. Arjun Apparudai mit dem Begriff „Ethnoscape“ bezeichnet. In jüngerer Zeit sind auch Re-Ethnisierungsprozesse beobachtbar, die z.B. in Zusammenhang mit Jugendkultur häufig auf Selbstermächtigungsstrategien verweisen.











