Assemgul & Alexey

Assemgul & Alexy (Hannover)


Ein Anruf bei der Familienkasse. Die Sachbearbeiterin am anderen Ende versteht nicht, worum es geht, legt einfach auf. Weinend ruft Assemgul ihre Mutter in Kasachstan an, sie will wieder zurück. Die Menschen hier in Deutschland verstehen sie nicht und sie versteht die Menschen nicht. Ihr Mann Alexy kann sie schließlich überzeugen zu bleiben.

Assemgul und Alexy – für beide ist es die erste, die ganz große Liebe. Sie stammen aus dem Dorf Petrovka nahe der Stadt Karaganda. Er war 17, sie 18 Jahre alt, als sie sich verliebten. Zwei Jahre später ließen sie sich auf dem Standesamt trauen. Heimlich, denn sie fürchteten, dass ihre Familien diese Verbindung nicht akzeptieren würden. Assemgul ist Muslimin, Alexy russisch-orthodox. Die Mutter der jungen Braut weinte, als sie von der Heirat erfuhr. Ihr Vater war schockiert. Alexys Mutter ist bis heute gegen die Beziehung. Wenig romantisch war die Hochzeit, für Ringe und ein weißes Kleid fehlte ihnen das Geld. Und der Kampf um ihre Liebe fing gerade erst an.

Ein Jahr danach ging Alexy als Spätaussiedler nach Deutschland, nach Hannover, wo sein Vater lebt. Die Zeit der Trennung war für das junge Paar sehr schwer. »Es waren Gefühle, die ich nicht mehr erleben möchte«, sagt Assemgul und ihr steigen Tränen in die Augen. Zweimal verkündete Alexy seiner Frau, dass er zurückkommen werde. Aber er hielt durch, hatte einen Ein-Euro-Job, machte einen Integrationskurs, fand Arbeit bei einer Firma für Autoreifen. Endlich, neun Monate später, kam Assemgul nach bestandener »Start Deutsch 1« Prüfung zu ihm. Aber sie hat Heimweh, täglich telefoniert sie mit ihrer Familie in Kasachstan. Auch jetzt ist die Zeit der Trennung nicht vorbei: Damit Assemgul mithilfe der Otto Benecke Stiftung an einem Sprachkurs des Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands in Hamburg teilnehmen kann, führen die beiden nun eine Wochenendbeziehung. Und eventuell wird die zielstrebige junge Frau anschließend in Hamburg das Studienkolleg besuchen. In Kasachstan hatte sie zwei Jahre lang Jura belegt. Jetzt ist es ihr Traum, Tourismus zu studieren. Und in einem weißen Kleid zu heiraten. Und Kinder zu bekommen. »Fünf Kinder«, ergänzt Alexy.

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