Francine* (Yaoundé)


Seit ihre Cousine einen deutschen Mann kennengelernt und ins ferne Dresden geheiratet hatte, träumte Francine davon, eines Tages auch nach Deutschland zu gehen.

Francine stammt aus dem Tschad. Dort besuchte sie eine französische Schule und machte das Technische Abitur, bevor sie im benachbarten Kamerun an der FH in Yaoundé Internationalen Handel studierte. Bereits während ihres Studiums bewarb sie sich als Au-pair in Deutschland. Im dritten Anlauf bestand sie die Deutschprüfung, aus der heiß ersehnten Au-pair-Stelle wurde trotzdem nichts.

Ihre Cousine in Deutschland studierte ebenfalls. Als sich einer ihrer Kommilitonen in sie verliebte, gab sie ihm kurzerhand Francines E-Mail-Adresse. Wenig begeistert von der fremden Cousine in Afrika reichte der Student die Adresse an seinen Freund Gerald weiter. Im Februar 2009 erhielt Francine die erste Nachricht von Gerald. Zwischen den beiden entwickelte sich ein reger Austausch und aus Vertrautheit wurde Zuneigung.

Am frühen Morgen des 25. Februar 2011 sitzen Francine und Gerald in einem Hotelzimmer. Es ist noch dunkel in Yaoundé, noch eine Stunde, ehe die Stadt erwacht und sich die Autos hupend über die Hügel schieben. Als Gerald in schlechtem Französisch um ihre Hand anhält, versteht Francine ihn erst nicht …

Die traditionelle Hochzeit fand im März 2011 in Kamerun statt. Vorher konvertierte Gerald zum Islam, die Mitgift kann er nach und nach abzahlen. Francine legte die Sprachprüfung erneut ab und bestand nach dem Kursbesuch diesmal auf Anhieb. Die 29-Jährige genießt es, dass ihre Landsleute sie bewundern, wenn sie Deutsch spricht, und sieht ihren Erfolg auch als Erfolg für ihr Land, den Tschad.

* Name auf Wunsch von der Redaktion geändert

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