Mia* (Sarajevo)
„Von der Prüfung hängt momentan mein ganzes Leben ab“, sagt Mia traurig. Das Scheitern beim ersten Versuch hat sie sehr getroffen, da sie so schnell wie möglich zu ihrem Mann Faruk nach Deutschland wollte. Um ihre Sehnsucht etwas zu lindern, fuhr sie trotzdem zu ihm nach Stuttgart – mit einem Touristenvisum – und blieb zwei Monate.
An ihren Sprachkenntnissen kann es nicht liegen, dass sie die Prüfung nicht geschafft hat. Mia spricht relativ gut Deutsch, sie hat die Sprache bereits in der Grundschule und weitere vier Jahre auf dem Gymnasium gelernt. Deshalb hat sie auch auf den vorbereitenden Kurs verzichtet. Aber während der Prüfung war sie so nervös, dass sie beim Hörverstehen die Sprecher nicht verstand. Für ihren zweiten Versuch besucht sie jetzt den Kurs am Goethe-Institut und findet, er sei „wunderschön“.
Bevor sie Faruk traf, hatte Mia sich ganz gut eingerichtet in ihrem Leben. Nach dem Jurastudium arbeitete sie zunächst beim Staat als Juristin und ging dann zu einer Pharmafirma. Es fällt ihr schwer, ihren Beruf und die gut bezahlte Stelle aufzugeben. Faruk arbeitet in Deutschland bei einer Versicherung und ihre Idee ist, in dieselbe Branche zu wechseln.
Seit 18 Jahren lebt Faruk nun schon in Deutschland und kommt nur noch im Urlaub nach Bosnien-Herzegowina. Seine Familie verließ das Land 1992, als der Krieg begann. Aber bereits während der Unruhen kehrten seine Angehörigen in ihre Heimat zurück. Die deutsche Kultur war ihnen zu fremd, sie konnten sich nicht einleben. Mia glaubt, dass sie sich leichter an das Leben in Deutschland gewöhnen wird, denn sie und Faruk gehören einer anderen Generation an. Die Unterschiede zwischen den Kulturen seien längst nicht mehr so groß wie früher, meint sie.
Das einzige Problem sieht sie im Moment in der Frage, ob sie bei der Prüfung die Nerven behält. Alle ihre Sachen sind bereits in Deutschland. „Alles ist schon dort, nur das, was da sein soll, ich selbst, nicht.“
* Name auf Wunsch von der Redaktion geändert







