Muamer (Sarajevo)
„Alles ist geordnet und an seinem Platz“, sagt Muamer über Österreich, seine künftige Heimat. Regelmäßig besucht er seine Frau Anela in Klagenfurt. Vorerst wird es jedoch bei Besuchen bleiben, denn einen Antrag auf einen unbefristeten Aufenthaltstitel kann man in Österreich erst ab 21 Jahren stellen. Muamer ist 20. Immerhin kommt Anela ein-, zweimal im Monat auch nach Sarajevo.
Ursprünglich stammen beide aus einer Kleinstadt im Nordwesten Bosnien-Herzegowinas. Als Muamer Anela auf der Hochzeit seines Cousins das erste Mal sah, wollte er sie gleich küssen, Anela wies ihn zurück. Sie kommt aus einer strengen, konservativen Familie und teilt die traditionellen Werte ihrer Eltern, Muamer hingegen lebte frei und unbekümmert. Anela zu erobern, stellte ihn vor ganz neue Herausforderungen. Nach ihrer Rückkehr nach Österreich gab die junge Frau das Tempo an, in dem sich die Beziehung entwickelte – für Muamer viel zu langsam. Nach fünf Monaten war Schluss. Aber da merkte Muamer, dass er Anela wirklich wollte. Er lernte zu warten und wurde schließlich mit einem ersten Kuss belohnt. Muamers Familie hielt es für einen Witz, als er sie über seine Heiratspläne informierte, schließlich kannten sie ihn als etwas sprunghaften Lebemann. Er hielt deshalb vor ihren Augen erneut um Anelas Hand an. „Anela ist besonders“, sagt Muamer und ist stolz darauf, dass er inzwischen auch den Respekt und die Anerkennung ihres Vaters genießt.
Anela und ihre Familie unterstützen ihn bei der Finanzierung des Deutschkurses und der eigens angemieteten Wohnung. Muamer spricht Bosnisch, Serbisch, Kroatisch, Slowenisch, etwas Englisch und – seit wenigen Tagen – Deutsch. Der Gedanke an die Prüfung macht aber selbst einen wie ihn nervös.







