Nadia (Casablanca)


Die Sprache der Berber gehört, wie das Ägyptische, zu den afroasiatischen Sprachen, ist vor allem in Nordafrika verbreitet und wird von 30 Millionen Menschen gesprochen. Zwar gibt es Bestrebungen, die Berbersprachen zu alphabetisieren, aber noch immer werden sie traditionell mündlich weitergegeben. Auf diese Weise hätte Nadia auch gern das Deutsche gelernt – durch den Austausch mit der Familie und durch alltägliche soziale Kontakte. In der Realschule lernte sie zusätzlich Arabisch und etwas Französisch, musste die Schule aber wegen der Erkrankung ihrer Schwester vorzeitig abbrechen. Trotzdem hat sie eine Stelle als Erzieherin in einem Kindergarten gefunden. Das Lernen fällt der 24-Jährigen schwer, sie kämpft regelrecht mit dem Deutschen. Ohne das Gesetz zum Ehegattennachzug würde sie jetzt keinen Deutschkurs besuchen, da ist sie sich sicher.

Ihren Ehemann Brahim kennt Nadia bereits aus Kindertagen, sie sind entfernte Verwandte. Brahim war zum Studium nach Deutschland gegangen und geblieben. Er war bereits einmal verheiratet, mit einer Deutschen. Nadia verstand sich schon immer gut mit seiner Mutter und seiner Schwester. Ob Brahim in ihren Plan eingeweiht war, sie zu heiraten, weiß Nadia bis heute nicht. Als Brahim wieder einmal nach Marokko kam, sorgte seine Familie dafür, dass auch Nadia zu Besuch da war. Die beiden unterhielten sich ganz unverfänglich. Am darauffolgenden Tag gab seine Familie die Verlobung bekannt.

Nadia war noch nie außerhalb von Marokko. Der Gedanke an Deutschland macht ihr etwas Angst. Sie glaubt, dass die Deutschen nur ihre Arbeit kennen und sich nicht genug Zeit füreinander nehmen. In der Kultur der Berber ist das Gemeinschaftsgefühl tief verankert und auch Nadia ist davon geprägt. Vielleicht kann sie sich davon auch etwas in Deutschland bewahren.

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