Taner (Izmir)


Am Hafen von Bodrum drängen sich die Touristen vor den weiß, braun und rot bemalten Booten, die dort vor Anker liegen. Es riecht nach Fisch, Salz und Teer, Leinen werden eingeholt, Segel gesetzt, Schiffsmotoren angelassen. Zehn Jahre lang war das Taners Welt.

Seine Kindheit verbrachte er in Buharkent, nahe der Stadt Aydın. Mit 16 Jahren ging er nach Bodrum, um dort nach seiner Ausbildung als Kapitänsgehilfe zu arbeiten. Eines Tages, im September 2008, fuhr auf seinem Boot auch Mehtap mit. Sie fiel ihm sofort auf. Er schenkte ihr Muscheln, die er während der Bootstour gesammelt hatte, die Verabredung am Abend verschlief er jedoch. Ohne ein weiteres Treffen flog Mehtap zurück nach Deutschland. Trotzdem blieben die beiden in Kontakt. Sechs Monate später fand Mehtap Arbeit bei einem türkischen Reiseunternehmen in Bodrum. Schon kurz nach ihrer Rückkehr wurden Taner und sie ein Paar.

Mehtaps Familie allerdings war anfangs mit der Beziehung nicht einverstanden. Doch bald schon konnte Taner seine ehrlichen Absichten unter Beweis stellen. Als Mehtap zunächst nach Antalya und dann nach Zypern versetzt wurde, gab er seinen geliebten Beruf auf und folgte ihr. Für ihn bedeutete das, von nun an Arbeiten anzunehmen, die ihn wenig erfüllten, und an Orten zu leben, an denen er sich nicht wohlfühlte. Auch die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, traf er Mehtap zuliebe, denn sie wollte wieder mit ihrer Familie zusammenleben.

Für den Sprachkurs ging das Paar nach Izmir, eine weitere Station in Taners Leben. Und nun steuert er den nächsten Hafen an, der nicht der letzte sein wird, da ist er sich sicher.

Jetzt hofft er erst einmal, dass ihm die Menschen in Deutschland tolerant gegenübertreten werden. Das ist seine größte Sorge. Über seine berufliche Zukunft hat er sich auch schon Gedanken gemacht: Rettungsschwimmer oder Kapitänsgehilfe auf der Spree, das wäre schön. Doch erst einmal möchte er Deutschland erkunden. Na, dann, Leinen los!

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