Umut (Izmir)


Umut ist ein Charmeur, offen und direkt. Bis vor Kurzem betrieb er ein Internet- und ein Strandcafé und genoss sein freies Leben. Mit Frauen hatte er es immer leicht. Bis er Begüm kennenlernte.

Vor ihrem Weggang nach Deutschland lebte Begüms Familie in Seferihisar, einem Außenbezirk von Izmir, wo auch Umut wohnt. Die Familien der beiden kannten sich, doch Begüm und Umut waren sich nie begegnet. Via Internet verliebten sie sich ineinander. Aber dann begannen die Schwierigkeiten.

Erst musste Umut zum Militär. Dort herrschte strenges Handyverbot. Vor dem Telefon, dem einzigen für 300 Soldaten, stand er einmal sechs Stunden lang an. Dann begann Begüm, ihren Internetfreund in der Türkei zu besuchen. Ein schwerer Fehler, denn Umut hätte vor dem ersten Treffen die Erlaubnis ihres Vaters einholen müssen. Beim zweiten Besuch folgte dieser seiner Tochter und verbot ihr, alleine das Haus zu verlassen. Begüm bat daraufhin eine Freundin, in die Türkei zu kommen und ihr zu helfen. Prompt erschien die Freundin und holte sie zu einem Besuch bei Bekannten ab. Als der Vater dahinterkam, dass sie bei Umut gewesen waren, tobte er. Umut nahm all seinen Mut zusammen und hielt um Begüms Hand an. Der Vater lehnte den Antrag ab. Zwei Jahre sollte es dauern, ehe die so hartnäckig Verliebten endlich seinen Segen erhielten und heiraten konnten. Auch wenn Begüms Vater ihn fast zur Verzweiflung getrieben hat, sagt Umut: „Hier in der Türkei muss man, anders als in Deutschland, für seine Liebe kämpfen. Deshalb ist sie mehr wert.“

Wenn sie sich auf Deutsch unterhalten, geraten die frischgebackenen Eheleute allerdings jedes Mal in Streit. Begüm spreche zu schnell und undeutlich, findet er. Und er antworte zu langsam, entgegnet Begüm. Sie korrigiere ihn zu oft, moniert Umut. Zu Recht, sagt Begüm.

Ein deutsches Wort mag Umut im Übrigen besonders: „Schatz.“

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