Bildung und Sprache

„Die Chancen sind groß“ – ausländische Ausbildungsabschlüsse

Karriere in Deutschland | © anerkennung-in-deutschland.de
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Karriere in Deutschland: Michelle-Ange Monteu aus Kamerun arbeitet als Ärztin in Baden-Württemberg; © anerkennung-in-deutschland.de


Wer aus dem Ausland nach Deutschland kommt und hier arbeiten möchte, steht vor einigen Hürden. Bei der Frage, ob in der Heimat erworbene Abschlüsse anerkannt werden, helfen jedoch immer mehr Anlaufstellen und Programme, erläutert Expertin Ariane Baderschneider.

Frau Baderschneider, Sie sind Projektleiterin beim Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) in Nürnberg. In der dortigen Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ begleiten Sie unter anderem Beratungseinrichtungen, die Personen mit einem im Ausland erworbenen Abschluss bei der Anerkennung des Abschlusses unterstützen. Bei welchen Berufsgruppen klappt die Anerkennung weitestgehend problemlos, wo ist es eher schwierig?

Generell kann man sagen, dass die Anerkennung in vielen Branchen gut funktioniert. Mit dem seit April 2012 geltenden Anerkennungsgesetz des Bundes haben wesentlich mehr zuwandernde Fachkräfte die Möglichkeit, ihre beruflichen Qualifikationen bewerten zu lassen. Denn für alle sogenannten reglementierten Berufe gibt es nun möglichst einheitliche und transparente Verfahren. Reglementiert bedeutet, dass die Berufsausübung an den Nachweis einer bestimmten Qualifikation gebunden oder die Berufsbezeichnung gesetzlich geschützt ist, etwa bei medizinischen Berufen wie Ärzten und Gesundheits- und Krankenpflegern oder Rechtsberufen. In den vergangenen Jahren wurde bei fast 96 Prozent aller Verfahren der ausländische Berufsabschluss als voll oder teilweise gleichwertig anerkannt. Je nach Herkunftsland, Behörde oder Berufsgruppe gibt es aber Unterschiede. Die Verfahren bei EU-Qualifikationen laufen beispielsweise schneller und tendenziell einfacher ab als bei Abschlüssen aus Drittstaaten. Bei landesrechtlich reglementierten Berufen wie Lehrern an staatlichen Schulen oder Erziehern ist die Anerkennung von nicht in der EU erworbenen Qualifikationen in manchen Bundesländern gar nicht möglich.

In Deutschland gibt es mehr als 350 anerkannte Ausbildungsberufe. Wer genau ist für die einzelnen Berufsgruppen zuständig?

Bei Ausbildungsberufen, für die die Industrie- und Handelskammern (IHK) zuständig sind – also etwa Anlagenmechaniker oder Bürokaufleute –, muss der Anerkennungsantrag an die IHK FOSA gehen, die bundesweit zuständige Stelle der deutschen Industrie- und Handelskammern. Für die Berufe im Handwerk sind die örtlichen Handwerkskammern, für reglementierte Berufe die entsprechenden Behörden und Einrichtungen in den Bundesländern zuständig. Die Chancen auf den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt sind inzwischen groß. Bei reglementierten Berufen benötigt man eine Anerkennung des Abschlusses, um im erlernten Beruf arbeiten zu können. In einem nicht reglementierten Beruf kann man auch ohne Anerkennung arbeiten.

In einigen Berufsgruppen, etwa im Pflegebereich, sind die Regelungen besonders komplex – obwohl gerade in dieser Gruppe Fachkräftemangel herrscht. Woran liegt das?

In Gesundheitsberufen werden die Verfahren in den entsprechenden Behörden der Bundesländer durchgeführt. Aufgrund eines gewissen Interpretationsspielraums der gesetzlichen Regelungen gibt es in den Bundesländern eine unterschiedliche Anerkennungspraxis. Außerdem muss die Zahl der Anträge erst einmal bewältigt werden – 63 Prozent der Berufe im reglementierten Bereich fallen auf Ärzte und Krankenpfleger. Eine Herausforderung bestand hier lange darin, entsprechende Ausgleichsmaßnahmen – also Prüfungen und Lehrgänge – zu finden. Hier hilft das Förderprogramm IQ seit Anfang 2015, indem es über Angebote informiert und Ausgleichsmaßnahmen entwickelt sowie erprobt.

Auch für internationale Absolventen deutscher Hochschulen ist der Berufseinstieg oft noch schwer. Was sind die Gründe?

Fehlende Sprachkenntnisse, mangelndes Wissen in der Berufssprache, ein ungewohnter Ablauf von Vorstellungsgesprächen, unterschiedliche Arbeitskulturen und vieles mehr tragen dazu bei, dass eine Integration in den deutschen Arbeitsmarkt nicht immer gelingt. Obwohl die Absolventen also fachlich fit sind, fehlen oft Soft Skills. Für Fachkräfte, die einen anerkannten nicht reglementierten akademischen Abschluss haben – zum Beispiel in Betriebswirtschaftslehre –, bietet IQ Brückenmaßnahmen in den Arbeitsmarkt an.

Eine große Herausforderung bei der Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen liegt nach wie vor in der Vereinheitlichung des Gesetzesvollzugs durch die Bundesländer. Was wird hier getan?

Das Anerkennungsgesetz ist nunmehr seit drei Jahren in Kraft und hat sich bewährt. Mehr als 26.000 Anträge bis Ende 2013 – das ist eine enorme Leistung. Zudem werden die Informations- und Beratungsangebote oft in Anspruch genommen. Auch die zuständigen Stellen können einen Kompetenzzuwachs aufweisen. Trotzdem gibt es noch Herausforderungen, die im Gesetzesvollzug gelöst werden müssen. Dazu zählt etwa, dass es bei Anträgen aus dem Ausland manchmal noch vorkommt, dass zuständige Stellen eine Wohnortbescheinigung verlangen. Dies entspricht aber nicht dem Gesetz. Außerdem sind die Gebühren uneinheitlich und im Vorfeld intransparent. Im Kammerbereich stellen wir einen Korridor zwischen 100 und 600 Euro fest, im Schnitt sind es 420 Euro. Bei reglementierten Berufen oder bei landesrechtlich geregelten Berufen ist dies bisher nicht geschehen. Bei den landesrechtlichen Berufen wäre es außerdem wünschenswert, wenn gesetzliche Regelungen dort überarbeitet werden könnten, wo derzeit keine Anerkennung möglich ist. Bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) ist schon seit längerem eine zentrale Gutachterstelle für Gesundheitsberufe geplant. Es fehlen aber noch eine Finanzierungsgrundlage, eine Einigung über die personelle Ausstattung et cetera. Diese Gutachterstelle könnte einige Herausforderungen bei der Bearbeitung von Anträgen in Gesundheitsberufen lösen. Vielfach wird außerdem genannt, dass die Bescheide verständlicher formuliert und die Ergebnisse transparenter dargestellt werden sollten. Dies würde die Lesbarkeit deutlich verbessern. Wir sind zwar auf einem guten Weg, aber es bleibt eben auch noch einiges zu tun.

Anerkennung von Abschlüssen – wichtige Adressen

Das Anerkennungsportal Anerkennung-in-deutschland.de bietet viele Informationen und ermöglicht durch den „Anerkennungsfinder“ eine gezielte Suche nach der zuständigen Stelle. Zudem gibt es eine Hotline „Arbeiten und Leben in Deutschland“: Unter der Telefonnummer +49 30 18151111 kann man sich auf Deutsch und Englisch über Jobsuche, Arbeit und Beruf, Anerkennung, Einreise und Aufenthalt sowie Deutschlernen erkundigen. Informationen über Anträge und Abschlüsse gibt es unter Anabin.de für akademische Abschlüsse und unter Bq-portal.de für Ausbildungsberufe. Das bundesweite Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ arbeitet seit 2005 daran, Arbeitsmarktchancen für Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern. IQ hat in jedem Bundesland Beratungsstellen, die über Voraussetzungen zur Anerkennung, zuständige Stellen, nötige Unterlagen und vieles mehr informieren. Die wichtigsten Adressen und Internetportale führt darüber hinaus die kostenfreie und auf Deutsch sowie Englisch verfügbare App „Karriere-Kompass Deutschland“ auf. Rund 200 Verlinkungen lotsen User zu den wichtigsten Ansprechpartnern und Angeboten.
Nicole Sagener
führte das Gespräch. Sie arbeitet als freie Journalistin in Berlin und schreibt unter anderem für „Zeit Online“ und den „Tagesspiegel“.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
August 2015

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