Bildung und Sprache

Bewerbung – Deutsche Sprachkenntnisse im Lebenslauf

Häufig werden Sprachkenntnisse für eine Stelle verlangt. | © Photographee.eu – Fotolia.com

Die einen schreiben von „verhandlungssicheren Kenntnissen“, sobald sie einen Kaffee bestellen können. Andere notieren „Deutsch: C2“ ohne weitere Erklärungen. Natürlich gehören die eigenen Sprachkenntnisse in jede Bewerbung. Doch wie beschreibt man sie korrekt?

Bewerberinnen und Bewerber aus dem Ausland, die in einem deutschen Unternehmen arbeiten wollen, sollten in ihren Unterlagen unbedingt angeben, wie gut sie Deutsch können, was ihre Muttersprache ist und welche Fremdsprachen sie vielleicht außerdem beherrschen. Doch wie schätzt man das eigene Sprachniveau realistisch ein? Und wie beschreibt man es dann korrekt im Lebenslauf? In gängigen Bewerbungsratgebern ist die Unterscheidung zwischen Grundkenntnissen, guten, sehr guten, fließenden und verhandlungssicheren Kenntnissen verbreitet, wobei die einzelnen Stufen nicht immer definiert sind. Differenziertere Einstufungskriterien bieten die Niveaus A1 bis C2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER), der bis 2001 vom Europarat entwickelt wurde. An ihm orientieren sich heute die meisten Sprachlehrinstitute. Bewerber haben also die Wahl, ob sie im Lebenslauf die althergebrachten Bezeichnungen verwenden oder auf die Stufen des GER zurückgreifen.

Kennen Arbeitgeber den Referenzrahmen?

Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit vermutet, dass einige Arbeitgeber in Deutschland mit dem GER noch nicht vertraut sind. Denn in den Anforderungsprofilen der Stellenausschreibungen findet man selten Angaben, die sich darauf beziehen. „In den meisten Stellenausschreibungen werden „gute Deutschkenntnisse“ verlangt. Manchmal sind auch nur Grundkenntnisse gefordert. Dann reicht es sicherlich, wenn man den Besuch eines Deutschkurses nachweisen kann. Und da wir es immer häufiger mit Asylbewerbern zu tun haben, geben sich inzwischen auch mehr Betriebe in Deutschland mit guten Englischkenntnissen zufrieden“, sagt Ebsen.

Nadja Fügert, ist seit zwanzig Jahren als Dozentin für für Deutsch als Fremdsprache (DaF) tätig und hat ein Bewerbungstraining für Personen, die Deutsch als Zweitsprache (DaZ) lernen, herausgegeben. Sie empfiehlt vielen Bewerbern, bei der Beschreibung ihrer Sprachkenntnisse im Lebenslauf auf die Niveaustufen des GER zurückzugreifen: „In kleineren oder mittelständischen Unternehmen, die etwa im IT-Bereich tätig sind und wenig mit Sprache zu tun haben, kann es natürlich passieren, dass der Chef die Bewerbungen liest und mit A1 oder B2 nichts anfangen kann. Doch wenn es zum Beispiel um Büroarbeit geht oder wenn es einen Personalverantwortlichen gibt, dann kann man schon davon ausgehen, dass diese differenzierten Begrifflichkeiten bekannt sind.“

Werden Sprachkenntnisse für eine Stelle explizit verlangt, sollten die Bewerber sie nicht nur im Lebenslauf, sondern auch im Motivationsschreiben erwähnen. Zeugnisse und Zertifikate machen natürlich einen guten Eindruck, sofern sie zu den Anforderungen und den Kompetenzen des Bewerbers passen. „Wer Deutsch bereits auf C1-Niveau spricht, aber nur ein Zertifikat Deutsch vorweisen kann, sollte dies der Bewerbung dagegen nicht unbedingt beilegen, weil es von der eigentlichen Qualifikation ablenken würde“, sagt Nadja Fügert. Sie rät Bewerbern stattdessen, zu beschreiben, welche Kenntnisse sie mitbringen und wo sie sie erworben haben. Dabei gilt: Je konkreter die Angaben sind, desto besser kann sich der Arbeitgeber ein Bild vom Niveau der Sprachkompetenz machen.

Weder tief- noch hochstapeln

Bei der Beurteilung der eigenen Kenntnisse ist es besonders wichtig, sich selbst nicht zu kritisch zu sehen, erklärt Nadja Fügert. Denn als Dozentin hat sie häufig die Erfahrung gemacht, dass Bewerber ihre Kompetenzen zu negativ einschätzen: „Immer wieder erklären mir Lerner in fließendem Deutsch, dass sie fast gar nichts können. Wer zum Tiefstapeln neigt, sollte sich deshalb eine zweite Meinung von einem Sprachlehrer oder zumindest von einem Freund einholen“. Um später im Interview keine peinlichen Momente zu erleben, sollte man in den Bewerbungsunterlagen aber auch nicht hochstapeln, sondern so ehrlich wie möglich sein. „Wenn Arbeitgeber in der Stellenausschreibung ‚fließende Deutschkenntnisse‘ verlangen oder wenn Bewerber behaupten, diese mitzubringen, wird die Vorstellungsrunde wahrscheinlich auf Deutsch ablaufen“, sagt Ebsen.

Um dann nicht nervös zu werden, sollten Bewerber sich vorab passende Antworten auf gängige Fragen überlegen. Im Gespräch heißt es dann vor allem, Ruhe zu bewahren. „Viele Nicht-Muttersprachler denken, wenn sie mal eine falsche Adjektivendung gebrauchen, sei die Bewerbungsrunde gelaufen. Aber das stimmt natürlich nicht. Denn die kommunikative Kompetenz und die Fachkenntnisse sind im Zweifelsfall wichtiger“, sagt Nadja Fügert. Auch wenn im Vorstellungsgespräch die Rede auf Sprachkenntnisse kommt, sollten Bewerberinnen und Bewerber das Thema deshalb offensiv angehen und sagen, wie sie mit eventuellen sprachlichen Schwierigkeiten am Arbeitsplatz umgehen würden, und warum die betrieblichen Abläufe dadurch nicht beeinträchtigt sind. Verschiedene Institute bieten zudem spezielle Bewerbertrainings für Nicht-Muttersprachler an, die eine große Hilfe sein können, und die teilweise von der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden.

Literatur

Nadja Fügert / Ulrike Richter: Bewerbungstraining: Kursmaterial Deutsch als Zweitsprache. Niveau A2-B1. Stuttgart, 2009

Jasmin Hagmann / Christoph Hagmann: Erfolgreich bewerben mit Migrationshintergrund. Freiburg, 2012.
Janna Degener
arbeitet als freie Journalistin in Königs Wusterhausen bei Berlin.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Oktober 2015

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