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Projekte für Geflüchtete
Die Flüchtlingskrise ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Das Goethe-Institut leistet einen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge in Deutschland und organisiert seit 2013 in den Herkunftsregionen gemeinsam mit Partnern verschiedene Kultur- und Bildungsprogramme, zum Beispiel im Zaatari Camp in Jordanien, in der libanesischen Bekaa-Ebene oder in mehreren Städten der Türkei. Hier werden die unterschiedlichen Projekte in Reportagen und Interviews vorgestellt.

Hilfe für Sprachhelfer, digital

Foto: Bettina Siegwart
Foto: Bettina Siegwart


Vom Goethe-Institut produzierte Webinare für ehrenamtliche Flüchtlingssprachbegleiterinnen und –begleiter bieten Tipps und Tricks, wie Sprachvermittlung selbst unter widrigen Umständen klappen kann. Jetzt sind die Aufnahmen der Internet-Seminare auch online abrufbar.

Die Lösung der Herkulesaufgabe der Integration von mehreren hunderttausend Flüchtlingen in Deutschland hängt von einer zweiten, nicht minder herkulischen Aufgabe ab: Dem Erlernen der deutschen Sprache durch die nun hier lebenden Flüchtlinge.

Ganz unabhängig von Ministerien und Ämtern haben dies tausende von Freiwilligen schon längst erkannt: Sie sind als ehrenamtliche Sprachlotsinnen und –lotsen im Einsatz und begleiten Flüchtlinge bei ihren ersten sprachlichen Versuchen auf Deutsch.

Solchen Deutsch-Spracherwerb muss man sich als komplexe Herausforderung vorstellen: Es gilt, mit Lernenden ganz unterschiedlicher Bildungsstufen, von Analphabeten bis zu Akademikern, erste Schritte auf dem Feld der deutschen Sprache zu unternehmen. Und dies häufig fast ohne Hilfsmittel, Lehrwerke oder Klassenzimmer. Dazu kommt, dass viele Flüchtlinge über wenig Ruhe und Muße zum Lernen verfügen, sie haben oft Schreckliches durchgestanden und leben jetzt in wenig komfortablen Unterkünften.

Die Webinar-Teilnehmer hören Vorträge von erfahrenen Praktikern und haben die Möglichkeit, Fragen im Chat zu stellen

Eine der Hilfestellungen, mit denen das Goethe-Institut die Sprachhelferinnen und Sprachhelfer für Flüchtlinge unterstützt, besteht aus einer Serie von Webinaren, also Internet-Vorträgen oder Seminaren, die Tipps und Tricks zur Sprachunterstützung von Flüchtlingen geben.

Über die Webseite des Goethe-Instituts können Teilnehmer in ganz Deutschland Vorträge von erfahrenen Deutsch-als-Fremdsprache-Praktikerinnen und Praktikern hören und sich anschließend im Chat mit Lernenden und Lehrenden austauschen. Für all jene, die die Webinare verpasst haben oder keinen Platz mehr gefunden haben, stehen die Audioaufnahmen jetzt hier zum Herunterladen bereit:
Link Symbolgoethe.de/de/spr/flu/esd.html

Die Webinare sind nicht zu verwechseln mit den Präsenzkursen in den zwölf Goethe-Instituten, die ebenfalls ehrenamtliche Sprachbegleiterinnen und Sprachbegleiter unterstützen sollen. Matthias Jakus, Referent für Multimedia und Fernlehre beim Goethe-Institut hat die Webinar-Reihe konzipiert: „Die Webinare zielen darauf ab, Ehrenamtlichen, die sich als Sprachbegleiter engagieren wollen, konkrete Tipps zu geben: Wie man im Klassenzimmer vorgeht, welche Übungen sich anbieten, welche Materialien man benutzen kann, wie man das Lernen abwechslungsreich gestaltet, wie man damit umgeht, dass da jetzt Leute mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen sitzen ...“

Die Webinare sollen motivieren und die Brücke schlagen zum digitalen Übungsangebot des Goethe-Instituts

Die fünf Onlinetermine stehen unter den Überschriften: 1) Welche Art von Aufgaben und Lernaktivitäten sind für meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer geeignet?, 2) Welche Lernmaterialien bieten sich an?, 3) Wie kann ich meinen Unterricht abwechslungsreich gestalten?, 4) Wie kann ich Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Vorkenntnissen betreuen? und 5) Wie motiviere ich zum eigenständigen Lernen?

Die Webinare seien keine Ausbildung zum Lehrerberuf für Deutsch-als-Fremdsprache, so Jakus weiter. Eine solche Ausbildung dauere mindestens drei Jahre und „das können wir ja gar nicht leisten. Aber es sollen Dinge angerissen werden, sie sollen Mut machen, inspirieren. Dazu gibt es Handreichungen zum Weiterlesen, die die Brücke schlagen zum kostenlosen Übungsangebot, die das Goethe-Institut online zur Verfügung stellt.“

Dieses digitale Angebot des Goethe-Instituts gab es schon vor dem Anstieg der Flüchtlingszahlen im Sommer 2015; jetzt wurde es aber speziell für diese Zielgruppe aufgearbeitet und zugeschnitten. So ist etwa die Wortschatzapp „Stadt der Wörter“, mit der spielerisch Vokabular erworben werden kann, jetzt auch mit der Programmsprache Arabisch erhältlich. Diese und ähnliche Angebote finden sich auf der Seite goethe.de/willkommen. Das Angebot umfasst auch einen Online-Vokabeltrainer sowie das Übungspaket „Mein Weg nach Deutschland“.

Die Nachfrage nach den Webinaren des Goethe-Instituts ist erfreulich hoch. Aus logistischen Gründen konnten bisher allerdings erst 335 von 1.100 Interessenten das Angebot wahrnehmen. Ein Online-Kursraum stellt die Web-Vorträge daher jetzt zur Verfügung und bietet die Möglichkeit, sich über einen Blog mit Experten auszutauschen:
Link Symbolgoethe.de/de/spr/flu/esd.html
November 2015
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Was tun angesichts der Probleme, die die Flucht von Hunderttausenden in Richtung Europa mit sich bringt? Wie weit, für wen und für wie lange sollen die europäischen Nationen ihre Grenzen öffnen? Darüber debattieren der indische Journalist Aman Sethi und der deutsche Journalist Georg Diez regelmäßig auf der Seite des Goethe-Instituts Indien.

Lern-App „Stadt der Wörter“ auf Arabisch


Die „Stadt der Wörter“ auf Arabisch spielen! Seit heute kann man die Lern-App in arabischer Sprachfassung im App-Store herunterladen. Sie hilft euch vor allem beim Meistern von Alltagssituationen auf Deutsch.