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Projekte für Geflüchtete
Die Flüchtlingskrise ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Das Goethe-Institut leistet einen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge in Deutschland und organisiert seit 2013 in den Herkunftsregionen gemeinsam mit Partnern verschiedene Kultur- und Bildungsprogramme, zum Beispiel im Zaatari Camp in Jordanien, in der libanesischen Bekaa-Ebene oder in mehreren Städten der Türkei. Hier werden die unterschiedlichen Projekte in Reportagen und Interviews vorgestellt.

Cinemanya – Ein Filmkoffer für Flüchtlinge

Gustav Wallgren, Shuntaro Soeda und Zorba Khalil sind begeistert von den Filmkoffern, die für geflüchtete Kinder und Jugendliche zusammengestellt wurden. | Foto: Bernhard Ludewig
Gustav Wallgren, Shuntaro Soeda und Zorba Khalil sind begeistert von den Filmkoffern, die für geflüchtete Kinder und Jugendliche zusammengestellt wurden. | Foto: Bernhard Ludewig


Die Präsentation eines Filmkoffers für geflüchtete Kinder und Jugendliche als Kinoerlebnis: Das Goethe-Institut stellte sein Projekt „Cinemanya“ in der ASTOR Film Lounge in Berlin vor und gab Jugendlichen die Möglichkeit, mit Generalsekretär Johannes Ebert zu diskutieren.

Jeder einzelne der gemütlichen braunen Ledersessel im Saal des Premierenkinos ist besetzt. Knapp 200 Jugendliche zwischen neun und 14 Jahren aus Berliner Schul- und Willkommensklassen sind am Vormittag des 21. Dezember 2015 in die ASTOR Film Lounge in Berlin gekommen, um die Inhalte des Filmkoffers kennenzulernen. Konzipiert wurde die Veranstaltung des Goethe-Instituts zusammen mit der LiteraturInitiative Berlin und dem Landesverband Kinder- und Jugendfilm.

Wie Schatzkisten stehen die Filmkoffer auf der Bühne vor dem vergoldeten Vorhang. Von außen sind sie unscheinbare Alukoffer, im Inneren aber befinden sich DVDs von 18 deutschen Langfilmen mit arabischen Untertiteln oder Sprachfassungen, zwei Animations- und Kurzfilmprogramme sowie ein pädagogisch aufbereitetes Filmhandbuch, in dem Zusammenfassungen und Diskussionsanregungen für die Arbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen enthalten sind.

Vor der Leinwand sitzen unter anderem Gustav Wallgren (14) aus Deutschland, Shuntaro Soeda (14) aus Japan und Zorba Khalil (13) aus Syrien. Mit dem Generalsekretär des Goethe-Instituts, Johannes Ebert, diskutieren sie über Fragen zu den Themen Film, Integration und kulturelle Unterschiede: Was sind die Besonderheiten des Mediums Film? Welche Emotionen können Filme hervorrufen? Und wie tragen Filme dazu bei, etwas über andere Kulturen zu lernen? Damit sich auch jeder am Gespräch beteiligen kann und Sprachhürden überwunden werden, findet die gesamte Veranstaltung in deutscher, englischer und arabischer Sprache statt.

Gebannt verfolgen die Schüler im Publikum im Anschluss an die einführende Diskussion eine Szene aus den Vorstadtkrokodilen, in der ein Junge als Teil einer Mutprobe auf ein Dach klettert. Fast alle Jugendlichen in Deutschland kennen die Verfilmung des Romanklassikers von Max von der Grün. Der Roman ist aus dem Schulunterricht nicht wegzudenken. Und die Geschichte spricht nicht nur deutsche Jugendliche an. Auch Zorba und Shuntaro haben mitgefiebert. Zwar sieht in ihren Heimatländern vieles anders aus als in Deutschland; die Probleme, Erlebnisse und relevanten Themen der Jugendlichen im Film kennen sie aber auch.

Der zweite Filmausschnitt aus dem österreichischen Film Deine Schönheit ist nichts wert dreht sich um Veysel, der mit seiner Familie nach Wien geflohen ist und aufgrund fehlender Sprachkenntnisse nicht integriert wird. Alle sind sich einig, dass dieser Film die Probleme gut darstellt, mit denen sich Geflüchtete nach ihrer Ankunft in Deutschland konfrontiert sehen. Und so klingt in der Diskussion auch deutlich durch, dass die Jugendlichen die Auswahl für den Filmkoffer gutheißen.

Die ersten der insgesamt 15 Koffer befinden sich bereits auf dem Weg zu ihren Paten, die sie zu Flüchtlingsunterkünften, Schulen und Kulturzentren bringen. Und so heißt es schon bald an verschiedenen Orten in ganz Deutschland: Film ab für gegenseitiges Verständnis und Miteinander.
Theresa Feldhaus

Dezember 2015

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