Vorintegration – ein Projekt des Goethe-Instituts

Der Liebe oder der Karriere wegen in die Fremde – Wie die Goethe-Institute in Südostasien Zuwandernde auf das Leben in Deutschland vorbereiten

© Goethe-Institut

Nicht erst im Integrationskurs beginnen Migrantinnen und Migranten, sich mit dem Leben in Deutschland zu beschäftigen. Die Goethe-Institute in den Herkunftsländern bereiten sie schon lange vorher auf diesen Schritt vor – beispielsweise im Projekt „Vorintegration in der Region Südostasien“, das Ende 2017 ausläuft.

Als die Thailänderin Siriwimon Wannakham ihren deutschen Mann kennenlernte, war ihr schnell klar, dass sie mit ihm zusammen leben wollte. Sie besuchte Sprachkurse am Goethe-Institut, um ein Visum für Deutschland zu bekommen, und zog dann zu ihm in die bayrische Gemeinde Unterwössen. Anfangs empfand Siriwimon die Menschen in Deutschland als kalt und auch die Worte ihres Ehemannes kamen ihr manchmal sehr hart vor. Heute hat sie gelernt, mit den kulturellen Unterschieden zu leben. Doch nach wie vor vermisst sie ihre Kinder, die bei der Großfamilie in Thailand geblieben sind.

Auch Nguyen Thi Thu konnte noch kein Deutsch und wusste wenig über das Leben hier, als sie mit dem Gedanken spielte, nach Deutschland auszuwandern. Sie hatte als Krankenschwester in ihrer Heimat Vietnam keine Stelle als Krankenschwester gefunden und über das Internet erfahren, dass hierzulande Altenpflegerinnen gesucht werden. Also zog sie nach Berlin, um sich dort zur Altenpflegerin ausbilden zu lassen. Jetzt lebt und arbeitet sie dort schon seit drei Jahren.

Informationsangebote für Zuwandernde

Wer mehr darüber wissen möchte, wie Siriwimon und Nguyen in Deutschland leben, wird auf den Internetportalen des Goethe-Instituts fündig. In Videoporträts sprechen sie und weitere Migrantinnen und Migranten aus Südostasien über ihren Alltag – über die Arbeit sowie den Umgang mit Partnern, Freunden und Nachbarn, über das Wetter, das Essen und die Feste, die im Laufe des Jahres gefeiert werden. Erstellt wurde dieses Informationsangebot insbesondere für Menschen aus Südostasien, die sich auf ihre eigene Migration nach Deutschland vorbereiten. Auch andere virtuelle Angebote wie facebook-Seiten, Blogs, Apps und Webinare hat das Goethe-Institut im Rahmen des Projekts „Vorintegration in der Region Südostasien“ entwickelt, um Migranten und Migrantinnen auf niederschwellige Art und Weise eine realistische Vorstellung von dem Leben in Deutschland zu vermitteln.

Darüber hinaus bietet das Projekt diesen Menschen die Möglichkeit, kostenfreie Beratungen, Informationsveranstaltungen sowie Seminare über das Alltags- und Berufsleben in Deutschland in Anspruch zu nehmen – und zwar unabhängig davon, ob sie am Goethe-Institut einen Sprachkurs absolvieren oder sich für eine Prüfung angemeldet haben. „Viele Migranten und Migrantinnen aus Südostasien haben keine Vorstellung von dem Leben in Deutschland. Manche fragen uns in den Beratungen ganz allgemein, was sie in diesem fremden Land erwartet. Andere kommen mit konkreten Anliegen und möchten zum Beispiel wissen, wie sie sich auf die A1-Prüfung vorbereiten können, wie lange sie dann mit dem Visum in Deutschland bleiben dürfen oder mit welchen Berufen man in Deutschland eine Arbeitsstelle findet. Nicht alle Teilnehmenden sind mit dem Internet vertraut, viele verstehen die Informationen nicht, die sie zum Beispiel auf den Seiten der Botschaft finden. Und einige haben auch individuelle Fragen, die dort nicht beantwortet werden“, erzählt Thanh Huong Nguyen, die das Projekt am Goethe-Institut Hanoi koordiniert und die Beratungen persönlich, telefonisch oder per E-Mail durchführt. In Seminaren lernen Zuwandernde darüber hinaus beispielsweise, wie sie mit interkulturellen Missverständnissen umgehen oder schwierige Situationen in Deutschland gut meistern können.

Vorintegration als Aufgabe des Goethe-Instituts

Seitdem nachziehende Ehegatten aus Nicht-EU-Ländern nach einer gesetzlichen Neuregelung im Jahr 2007 vor ihrer Einreise nach Deutschland Sprachkenntnisse auf A1-Niveau nachweisen müssen, bilden sie für die Goethe-Institute in den Herkunftsländern eine neue Zielgruppe, die insgesamt wenig Lernerfahrung und Vorwissen mitbringt. Neben Sprachkursen und Prüfungen finden seit 2008 in Südostasien, aber auch in der Türkei sowie in anderen Ländern in Südosteuropa Projekte zur Vorintegration sowie zur Harmonisierung des Übergangs von der Vorintegration in den Integrationskurs statt, die zunächst durch den Europäischen Integrationsfonds (EIF) und seit 2014 durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) gefördert werden. „Unser Anliegen ist es, die Teilnehmenden idealerweise so lange zu betreuen, bis sie die Angebote für Migrantinnen und Migranten in Deutschland in Anspruch nehmen können“, erklärt Andrea Hammann, Projektreferentin für Vorintegration in der Zentrale des Goethe-Instituts. Seit 2013 sind auch Pflegekräfte sowie Akademikerinnen und Akademiker mit medizinischem und technischem Profil, die in Deutschland arbeiten wollen, in den Fokus dieser Angebote gerückt.

Das aktuelle Projekt „Vorintegration in der Region Südostasien“ wurde durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds von 2014-2017 kofinanziert. Das Projekt richtet sich gezielt an Zuwandernde, die aus beruflichen Gründen oder im Rahmen des Ehegattennachzugs aus Indonesien, Thailand, Vietnam, den Philippinen, Myanmar und Kambodscha nach Deutschland migrieren möchten. An den Präsenzangeboten des Projekts haben im letzten Jahr rund 7.500 Menschen teilgenommen, die zur Kernzielgruppe gehören und – so das Ergebnis einer aktuellen Publikation – das Projekt als große Bereicherung wahrnehmen. Bei den virtuellen Angeboten werden jährlich insgesamt ca. 700.000 Nutzer gezählt.

Begeisterte Rückmeldungen von Projektteilnehmenden und Mitarbeitenden

In einer quantitativen Befragung gab die überwältigende Mehrheit der Teilnehmenden an diesen Angeboten des Goethe-Instituts (96 Prozent) an, sich vor ihrer Ausreise auf Deutschland sehr gut oder gut vorbereitet zu fühlen. Die Angebote des Goethe-Instituts wurden von 63 Prozent der Teilnehmenden als sehr hilfreich sowie von weiteren 37 Prozent als eher hilfreich bewertet und dienten ihnen neben allgemeinen Internetrecherchen als wichtigste Informationsquelle. Auch in qualitativen Interviews äußerten die Befragten (ehemalige Teilnehmende an diesen Angeboten des Goethe-Instituts), dass sie ihr Wissen über Deutschland vor allem über das Goethe-Institut bezogen haben und insbesondere die landeskundlichen Seminare als hilfreich für die Phase des Einlebens empfinden. Felix Warneke koordiniert das Projekt am Goethe-Institut Bangkok und fühlt sich durch diese Ergebnisse in seiner Wahrnehmung bestätigt: „Gerade für Menschen aus dem ländlichen Raum ist es ein enormer Schritt, zunächst für einen Deutschkurs in die Hauptstadt und dann weiter nach Deutschland zu reisen. Viele von ihnen können sich nicht ausmalen, dass ein deutscher Supermarkt nur zu bestimmten Zeiten geöffnet hat oder dass die Sonne im deutschen Winter nur selten scheint. Die Bedeutung unserer Arbeit zur Vorintegration kann deshalb nicht groß genug eingeschätzt werden. Die Angebote vermitteln den Teilnehmenden nicht nur Wissen, sondern auch ein Gefühl dafür, dass sie noch viel mehr lernen müssen.“ In Folgeprojekten möchte das Goethe-Institut nun unter anderem seine Projektmitarbeitenden idealerweise in Kooperation mit den Migrationserstberatungen und den Jugendmigrationsdiensten in Deutschland weiterbilden und die Angebote noch stärker in die ländlichen Regionen bringen.

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Janna Degener-Storr
freie Journalistin, für das Goethe-Institut, Abteilung Sprache, Projekt Sprache und Integration
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