

Derzeit sind zwölf junge Sprachassistenten in Russland tätig. Ihre Einsatzorte reichen von der Wolga bis Sibirien und umfassen Städte wie Samara, Wolgograd, Nowosibirsk und Omsk. Die Sprachassistenten unterrichten an Sprachlernzentren und unterstützen Projekte der russlanddeutschen Minderheit vor Ort. Auch in den russlanddeutschen Begegnungszentren beteiligen sie sich bei Bedarf am Unterricht sowie an Veranstaltungen und bereichern diese durch aktuelle Informationen aus Deutschland. Das gibt den Lernenden die Gelegenheit, ihre Sprachkenntnisse in der Kommunikation mit deutschen Muttersprachlern zu erproben und auszubauen.
Pro Jahr werden im Rahmen der Minderheitenförderung ca. 20 Sprachkursstipendien in Deutschland und an den Sprachlernzentren in Russland ausgeschrieben. Bewerben können sich Lehrkräfte und Mitarbeiter von russlanddeutschen Begegnungszentren. Die sprachliche und landeskundliche Fortbildung von Deutschlehrern, die in Sprachkursen an den Begegnungszentren unterrichten, dient vor allem der qualitativen Verbesserung des Deutschunterrichts für Russlanddeutsche. Das gleiche Ziel verfolgen die Fördermaßnahmen für russlanddeutsche Sprachkursanbieter, denen Praktika und Hospitationen an den Sprachlernzentren des Goethe-Instituts vermittelt werden.
Im Jahr 2009 hatten russische Schulen und Jugendzentren wieder die Gelegenheit, sich für die Teilnahme am Jugendaustausch zu bewerben. Unter dem Motto "Mein Freund ist russlanddeutsch“ haben die Teilnehmer Text- und Bildbeiträge eingereicht, die ihre Freundschaft mit einem Mädchen oder einem Jungen dokumentieren, dessen Mutter und/oder Vater deutscher Herkunft sind oder deren Vorfahren vor über 200 Jahren nach Russland kamen, um dort ihr Glück zu machen. Unter den Beiträgen waren Essays, Familiengeschichten, Präsentationen und auch Gedichte. Die Siegergruppen aus Syktywkar, Magnitogorsk und Barnaul fahren 2010 nach Deutschland und haben zudem die Möglichkeit, im darauf folgenden Jahr die deutschen Partner in ihre eigenen Städte einzuladen.
Im Laufe des Jahres 2006 werden die Siegergruppen aus Nishnij Tagil/ Ural, Kemerowo/ Sibirien und Wolgograd/ Wolga für jeweils zwei Wochen nach Deutschland reisen, um im folgenden Jahr dann deutsche Partner in ihre eigenen Städte einzuladen.
Die Einrichtung autonomer Republiken und Gebiete war ein typisches Merkmal stalinistischer Politik, um die Ethnien des Reiches besser kontrollieren zu können. Die Republik der Wolgadeutschen wurde 1941 – nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion – aufgelöst. Die Russlanddeutschen wurden kollektiv der Kooperation mit Hitler-Deutschland beschuldigt, verfolgt oder nach Sibirien und Zentralasien deportiert. Ihre Rehabilitation in der Sowjetunion nahm mehrere Jahrzehnte in Anspruch; erst 1964 wurden die Russlanddeutschen offiziell vom Vorwurf der Kollaboration entlastet. Obwohl sie meist innerhalb der sowjetischen Gesellschaft assimiliert waren, machte ein großer Teil von ihnen zu Beginn der 90er Jahre von der Möglichkeit Gebrauch, nach Deutschland zu emigrieren. Für die wachsenden Beziehungen zwischen Deutschland und Russland stellen diejenigen, die geblieben sind, ein wichtiges Bindeglied dar. In Moskau befindet sich heute ein großes Deutsch-Russisches Haus – das Zentrum der russlanddeutschen Gemeinde. Es beherbergt Seminarräume, eine Bibliothek, ein Bistro, Zeitungsräume und außerdem die Büros zahlreicher russlanddeutscher Organisationen.
Dyck, Larissa und Mehl, Heinrich (Hg.): Mein Herz blieb in Russland. Russlanddeutsche erzählen aus ihrem Leben. Berlin: Zeitgut Verlag, 2008
Heinen, Ute: Die Situation in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS),Informationen zur politischen Bildung Heft 267,
Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung bpb (Hg.), 2000
www.bpb.de/publikationen
Kurilo, Olga: Die lutherische Gemeinde der Russlanddeutschen zwischen Tradition und Modernität. Vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, Marburg: Elwert, 2005
Schmidt, Ute: Bessarabien. Deutsche Kolonisten am Schwarzen Meer. Potsdam: Deutsches Kulturforum östliches Europa e.V., 2008
Wiebe, P. (Hg.): Die Geschichte und Ethnographie der Deutschen in Sibirien. Omsk: Wissenschaftliche Nachrichtenagentur „Das Erbe Sibiriens“, 2009
Dr. Maria Lukjantschikowa
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Deutsch-russisches Haus Moskau
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