Die Jury

Mitglieder der Jury:

Anna Gripp Chefredakteurin der Zeitschrift Photonews
Annette Kulenkampff Verlegerin, Hatje Cantz Verlag
Ulrich Pohlmann Sammlungsleiter Fotomuseum im Stadtmuseum München
Bernhard Prinz Professor für visuelle Kommunikation, Kunsthochschule Kassel
Thomas Seelig Sammlungskurator Fotomuseum Winterthur


Das Statement der Jury:

Die Aufgabe, sich fotographisch mit dem geschriebenen oder gesprochenen Wort auseinander zu setzen, ist eine große Herausforderung. Dem Fotografen stehen nicht die Möglichkeiten eines Literaten zur Verfügung, Gedanken schriftlich auszudrücken. Die Auseinandersetzung mit Sprache in einem Bild einzufangen, ist daher ein ambitioniertes Vorhaben.

Mit strengem Auge bewertete die Jury Fotografien, die zu plakativ mit dem geschriebenen Wort umgingen. Der Betrachter wird durch die Lektüre von Text vom eigentlichen Bild abgelenkt und so empfand die Jury die Konzentration auf das Visuelle als ansprechender. Auch die sehr häufige Darstellung von Blindenschrift wurde von der Jury als Umweg zur Abbildung von Sprache bewertet. Körpersprache, nonverbale Kommunikation und die Darstellung des sinnästhetischen Erlebens von Sprache kristallisierten sich als die bevorzugten Bildmotive heraus.

Ganz neue Facetten wurden durch den zum Teil unkonventionellen Ansatz der über 3000 Einsendungen hervorgehoben. Trotz eines sehr unterschiedlichen Niveaus, war es auch für die Jury nicht einfach die Bilder Profi- oder Amateurfotografen zuzuordnen.

Die Fotografen fanden ihren Zugang zum Motiv überwiegend über individuelle Situationen und private Szenarien. Bilder die mit Zeichen- und Körpersprache arbeiten oder Sprechsituationen und Sprachrituale im zwischenmenschlichen Umgang. Aber auch Rhetorik und Macht, Buch und Schrift sowie Sprache im öffentlichen Raum bestimmten so manche Bildsituation.

„Die Macht der Sprache“ wurde von den Teilnehmern des Wettbewerbs eher als eine Möglichkeit der Ermächtigung interpretiert und weniger als ein Instrument der Machtausübung und Unterdrückung. Eben gerade die fehlende Darstellung von der Macht der Sprache als Unterdrückungsinstrument, eine vielleicht typisch deutsche Assoziation so die Jury, zeigt einen alternativen Zugang zum Thema. Die Jury-Mitglieder vermuteten, dass der Wettbewerb anders ausgegangen wäre, hätte er sich auf Deutschland begrenzt.

Trotz der Internationalität des Wettbewerbs kam es zu zahlreichen Überschneidungen in den Thematiken. Es ließen sich kaum regionale Besonderheiten herauskristallisieren. Ein Zeichen von Globalisierung?

Sprache prägt von Kindesbeinen an unsere Gefühle, unsere Wahrnehmung und unsere Erinnerung. Familien verständigen sich mit eigenen, ganz intimen „Codes“. Sprache schlägt Brücken zu anderen Kulturen, kann aber auch ein Hindernis sein. Sprache ist ein Ausdruck unserer Kultur.

Goethe-Institute weltweit beweisen, dass Sprache als verbindendes Element eine starke Anziehungskraft ausübt. Die Bilder zeigen, dass Sprache und Sprechen etwas Lebensnotwendiges ist.
Anna Gripp, Annette Kulenkampff, Ulrich Pohlmann, Bernhard Prinz und Thomas Seelig