Veranstaltungen weltweit

"Neues Lernen" - Wie wird heute - unter dem Vorzeichen von Referenzrahmen und Portfolio - Deutsch gelernt?

Dokumentation
2006 und 2007
Oslo, Norwegen
+47 22057880
sprakleder@oslo.goethe.org

Der spannendste, aktuellste und politisch folgenreichste Machtkampf auf dem Feld der Sprache(n) wird eben jetzt in Europa geführt. Sowohl die EU als auch der Europarat haben unter fleißiger Zustimmung fast aller Regierungen vollmundig verkündet, dass sie die europäische Sprachenvielfalt erhalten und pflegen wollen. Da politische Integrationsprozesse in der Regel aus sich selbst heraus eher dahin tendieren, eine gemeinsame Kommunikationssprache zu etablieren - wobei Englisch zweifellos als Gewinner prädestiniert wäre - ist diese Absichtserklärung keineswegs eine bescheidene. Wenn die europäische Mehrsprachigkeit gesichert werden soll, wird es klare sprachenpolitische Entscheidungen brauchen, und darüber hinaus einen energischen und praktischen Reformwillen, der bis an die Basis des Fremdsprachenlernens in den Schulsystemen durchdringt. Was gebraucht wird, ist erstens ein klares bildungspolitisches Bekenntnis zur Minimalforderung „zwei Fremdsprachen für jeden europäischen Bürger“ und zweitens eine Reform des Fremdsprachenunterrichts, der die Erzeugung/Erlangung kommunikativer Fertigkeiten zum Maßstab aller Lern- und Unterrichtsinhalte /leistungen macht.

Die Nagelprobe auf das Gelingen oder Misslingen dieser Vorhaben ist längst angelaufen. Nicht gerade stürmisch war – ungeachtet aller Lippenbekenntnisse – das Andrängen der europäischer Regierungen bzw. Bildungsministerien zu den erforderlichen Weichenstellungen in der Sprachenpolitik. Während sich die großen europäischen Länder eher zögerlich und unbestimmt (wie Deutschland) oder offen restriktiv (wie England) verhielten, sind einige kleinere Länder mutig in die Offensive gegangen, haben aber oft (wie Norwegen) dann wieder Angst vor der eigenen Courage bekommen. Will man eine Bilanz wagen, wird sie unentschieden ausfallen müssen: Es steht im Moment noch offen, ob die europäischen Bildungspolitiker genug Mut und Durchsetzungswillen aufbringen werden, um die europäische Mehrsprachigkeit zu sichern.

Wie sieht es an der Basis aus? Der Europarat hat zu einer generellen Aufwertung des Fremdsprachenlernens aufgerufen und hat auch kontinuierlich seit den sechziger Jahren inhaltlich dafür gearbeitet. Er hat konkret vorgeschlagen, eine gemeinsame Skala, den „Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen (CEF)“ zu etablieren und allen Lernern (Schülern) ein Fremdsprachen-Portfolio (ELP) in die Hand zu geben, das sie als Lernbegleiter unterstützen und ihre Fortschritte dokumentieren kann. Von diesen Portfolios gibt es in der Tat mittlerweile ein ganze Menge. Zu fragen ist, ob sie an der Basis (in den Schulen und Sprachkursen) angenommen werden und ob sie tatsächlich die Realität des Fremdsprachenlernens werden verändern können.

Unser Projekt läuft darauf hinaus, erste perspektivische Antworten auf diese Fragen zu liefern: Wie sieht das Fremdsprachenlernen (Deutschlernen) in Skandinavien aus, nachdem die Reformstrategien des Europarats zu greifen beginnen?

Wir haben Schulen in Finnland und Norwegen ausgewählt, die sich bei der Erarbeitung und Erprobung von Fremdsprachenportfolien engagiert haben und wollen eine Videodokumentation erstellen, welche diese Lernergruppen in typischen Lernsituationen nach neuen Konzepten zeigt.

Das Projekt "Neues Lernen" findet in Kooperation mit Utdanningsdirektoratet Oslo, Kastellet skole Oslo, Kongsberg videregående skole und Telemarksforsking Notodden statt.

http://www.goethe.de/oslo

Publikation zu „Die Macht der Sprache“

Eine multimediale Publikation reflektiert die Rolle von Sprache in einer globalisierten Welt.

Online-Publikationen zu „Die Macht der Sprache“

ergänzend zu der im Langenscheidt Verlag erschienenen Buchpublikation „Die Macht der Sprache“.