Veranstaltungen weltweit

"Vaterland und Muttersprache"
Auswirkungen der Divergenz auf Literatur, Presse und Wissenschaftssprache

Veranstaltungsreihe
2007
Warschau, Minsk, Kiew
Podium Berlin, 15. Juni 2007
089/15921-876
hoesch@goethe.de

„Sprache bedeutet nicht nur Wieder-Geburt“, wie der rumänische Schriftsteller Norman Manea schreibt, „sondern auch Legitimation, wirkliche Bürgerschaft und Zugehörigkeit“. Unterschiedliche Erfahrungen stehen hinter einer Sprache, die unter Druck steht: räumliche Distanz vom Vaterland, von Gruppen oder Einzelnen, denen Sprache vor dem Hintergrund von Flucht und Exil zur weltbildenden Kraft wird.

Die totalitäre Herrschaft erweist sich auch darin als beispiellos, dass sie eine totalitäre Sprache hervorbrachte, die den Menschen und seine Hervorbringungen im Wort auf bislang unbekannte Weise veränderte. „…denn nirgendwo ist so offenkundig, dass die Sprache‚ nicht für dich gedacht ist und nicht für mich’, wie im totalitären Staat, wo das Ich und das Du nicht existieren und das beliebteste Personalpronomen das bedrohliche „wir“ ist, bei dem man nicht weiß, wer oder was sich dahinter verbirgt“ (Imre Kertész, ungarischer Schriftsteller, Nobelpreisträger). Oder wie Dieter Schlesak, deutschsprachiger Schriftsteller in Rumänien anmerkt, „besteht nicht nur für den Schriftsteller, sondern für jeden Menschen, der sein Selbst wiederzugewinnen trachtet, die Notwendigkeit und Aufgabe darin, sich aus der geltenden Sprache, aus den herrschenden Sprachregeln herauszulösen.

Das Projekt „Mutterland und Vaterland“ dient als Forum für Schriftsteller, Journalisten und Wissenschaftler, die einer solchen, nämlich Differenz zwischen eigener Sprache, öffentlicher Sprachsituation und Sprachpolitik ausgesetzt sind. Das Projekt findet in den Goethe-Instituten Warschau (Polen), Minsk (Belarus) und Kiew (Ukraine) statt. Die dortigen Institute bilden mit ihren Veranstaltungen Gesprächs-Plattformen für ihre Partner und ihr Publikum. Je einer der Autoren bzw. Autorinnen aus Polen, Belarus und der Ukraine, dazu aus Litauen, wird zum Festival „Die Macht der Sprache“ im Juni 2007 in Berlin eingeladen, wo sie in einer von Martin Pollack, einem der renommiertesten Kenner der jungen osteuropäischen Literaturszene, moderierten Diskussion ihre Situation unter heutigen Bedingungen öffentlich reflektieren.

Das Projekt findet in Kooperation mit der Allianz Kulturstiftung statt.






"Nationalsprachen, Verkehrssprachen und Muttersprachen" Ein Informations- und Erfahrungsaustausch ukrainischer und deutscher Autoren

Literaturdiskussion
20. März 2007, 19.00 Uhr
Goethe-Institut Kiew
Tel. +380 44 4969785

Mit der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 wurde Ukrainisch zur Amtssprache des neuen Staates. Aber schon bei der Gründung einer ukrainischen Volksrepublik 1918 wurde Ukrainisch erstmalig zur Staatssprache, später auch in der Ukrainischen Sowjetrepublik. Während der Sowjetzeit war Ukrainisch also nicht verboten, jedoch dominierte die russische Sprache als Verkehrssprache alle wissenschaftlichen und literarischen Arbeiten sowie die Medien. Deshalb unterliegt die Umgangssprache bis heute starken russischen Einflüssen.

Nach der Erhebung des Ukrainischen zur Amtssprache gab es hierüber heftige Debatten, da auf dem Staatsgebiet der Ukraine einerseits nach verschiedenen Angaben ca. 22-40% Prozent der Bevölkerung Russen sind, andererseits auch viele Ukrainer, besonders im Osten des Landes, ausschließlich Russisch sprechen. Aufgrund dieser historischen Entwicklung ist das Thema Sprache für viele Ukrainer bis heute ein hochpolitisches Thema.

Ukrainische Autoren schreiben auf Russisch (überwiegend im Osten, Kiew und auf der Krim) wie z.B. Andrij Kurkow, oder auf Ukrainisch (überwiegend im Westen), wie z.B. Yurij Andruchowitsch.. Im Laufe der Zeit dürfte die Anzahl der Autoren, die auf Russisch schreiben, vor allem Vertreter der jüngeren Generationen, geringer werden, aber bisher liegen dazu noch keine wissenschaftlichen Auswertungen vor.

Wie gehen ukrainischen Autoren mit dieser sprachpolitischen Situation um? Wie schlägt sich das in der literarischen Verarbeitung ihrer Sujets und ihrer eigenen literarischen Sprache nieder, welche Perspektive hat das literarische Russisch in der Ukraine, gerade auch in Verbindung mit dem literarischen Erbe?

In Deutschland verarbeiten deutsche Autoren türkischer Herkunft häufig Migrationserfahrungen und das Wandern zwischen beiden Kulturen wie z.B. Emine Sevgi Özdamar und Zafer Senocak. Aber sie schreiben auf Deutsch und verstehen sich als Deutsche. Dennoch hat sich das Genre der deutsch-türkischen Literatur im Laufe der Jahre entwickelt und nimmt einen festen Platz im kulturellen Schaffen ein. Was bedeutet diese Entwicklung für die literarische Produktion in Deutschland? In welcher Form haben diese und vergleichbare Literaturen in Deutschland Einfluss auf Entwicklungsprozesse nationaler Identität? Welche vergleichbaren Prozesse sind in beiden Ländern zu beobachten?

Teilnehmer:
Andrij Kurkow schreibt auf Russisch.
Andrij Kokotjucha schreibt auf Ukrainisch und Russisch.
Eleonora Hummel, aufgewachsen in Kasachstan, schreibt auf Deutsch.
Moderation: Iryna Kutschma
Deutsch, Russisch und Ukrainisch mit Simultanübersetzung

Zielgruppe:
Verleger, Journalisten, Übersetzer, öffentliches, an Literatur interessiertes Publikum

Goethe Institut Kiew

    Publikation zu „Die Macht der Sprache“

    Eine multimediale Publikation reflektiert die Rolle von Sprache in einer globalisierten Welt.

    Online-Publikationen zu „Die Macht der Sprache“

    ergänzend zu der im Langenscheidt Verlag erschienenen Buchpublikation „Die Macht der Sprache“.