Forschung

Frühes Deutsch - Heft 2 - Forschung

Diese Ausgabe ist die Antwort auf einen Wunsch, der in den letzten Jahren häufig bei Fortbildungstagen zu hören war: informiert zu werden über neuere Forschungsprojekte und -ergebnisse zum Fremdsprachenlernen von Kindern. 

Die Beiträge befassen sich mit der vollen Breite des Themas Frühes Fremdsprachenlernen, u.a.

  • Erwerb von sprachlicher Kompetenz und Lernverhalten,
  • Lernsituationen in grenznahen Räumen
  • Erfassung von Offenheit gegenüber dem Anderen
  • Sprachstandstests

Wir glauben, dass die Beiträge so viele Informationen und Denkanstöße liefern, dass sie für jeden Praktiker wichtig sind. Dabei stellen die Artikel nur einen kleinen Ausschnitt aus dem faszinierenden Arbeitsfeld der Forschung zum Frühbeginn dar. Da die Fragestellungen sprachübergreifend sind, wurden nicht nur Beiträge zu DaF aufgenommen.

    Fremdsprachen-Frühbeginn: auf der Spur von einigen neuen Entwicklungen in Europa

    Peter Edelenbos / Angelika Kubanek-German

    Die Entwicklungen im Fremdsprachen-Frühbeginn zu beschreiben, ist so, als ob man an einem windigen Tag im Spätherbst Laub zusammenrecht. Man kann ein paar Spuren mit der Harke ziehen, ein paar Wege freilegen, aber mehr auch nicht. Die Fülle der Entwicklungen ist überwältigend. Ein klares und deutliches Bild dessen, was sich in Europa in den letzten Jahren getan hat, auf einigen wenigen Seiten zeichnen zu wollen, wäre Hochmut. Bescheidenheit ist am Platz, ja sogar eine absolute Notwendigkeit. In diesem Artikel werden nur die neuesten Entwicklungen referiert, wobei sich am Schluss die Aufmerksamkeit auf einige wünschenswerte Verbesserungen richtet.

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      Lernverhalten von Kindern im offenen Fremdsprachenunterricht mit Multimedia und Lernsoftware

      Katja Waschk

      Die noch nicht abgeschlossene Mikrostudie befasst sich damit, wie im frühen Fremdsprachenunterricht offene Lernformen eingesetzt werden können, und insbesondere was geschieht, wenn die Lehrkraft durch multimediale Angebote von ihrer Aufgabe als Inputgeber, Wissensquelle und Tutor entlastet wird. Neben dieser didaktischen Ebene wird das Lernverhalten der Schüler untersucht. Organisationsform des untersuchten Unterrichts war zunächst die halboffene Form des Stationenlaufs (siehe Bauer, 1997). Durch den Einsatz von Multimedia-Nachschlagewerken, von Lernsoftware, Video- und Audiosequenzen herrschte in dem Unterricht eine weitgehende Mündlichkeit, die im Frühbeginn ein wesentliches Prinzip ist.

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        Frühfranzösisch im Saarland

        Frühfranzösisch im Saarland ab Klassenstufe 1 – Perspektiven der wissenschaftlichen Begleitung

        Gudrun Ziegler / Judith Dauster

        Im Saarland wurde Anfang der 90er Jahre Französisch als Grundschulfremdsprache ab Klasse 3 verbindlich eingeführt. Ausschlaggebend bei der Wahl der Fremdsprache war die besondere historische Beziehung zu Frankreich.
        Ende der 90er Jahre erfolgte eine weitere Vorverlegung in Klasse 1 zunächst im Rahmen eines Modellversuchs. Die wissenschaftliche Begleitung (ab 2000/2001) konzentriert sich auf die Untersuchung von Relevanz und Effizienz der fremdsprachlichen Unterrichtskommunikation für den gelenkten Erwerb der Fremdsprache. Aus der longitudinalen Beobachtung und linguistischen Analyse der Unterrichtskommunikation werden die Spezifika der Lernenden (Gelenkter früher Französischerwerb (GeFFE) erfasst und Folgerungen für die Weiterbildung der Unterrichtenden sowie die Gestaltung des institutionellen Umfeldes des frühen Fremdsprachenunterrichts abgeleitet.

        Lernstrategien bei der Aneignung von deutscher Lexik im frühen Schulalter

        Ewa Andrzejewska

        Das Projekt „Aneignung von deutscher Lexik im frühen Schulalter“ verlief in den Jahren 1996 bis 1999 und 2002/2003 bis 2004 (insgesamt 16 Klassen und 217 Kinder).

        Eines der Ziele meiner Untersuchung war es, die Lernstrategien der Kinder bei der Wortschatzaneignung zu beobachten und zu beschreiben, Lernstrategien individueller Schüler zu erkennen und über die Lernstrategien von den Kindern selbst Auskunft zu erhalten. Auch bei der Untersuchung zum Zuwachs des Wortschatzes und bei der Analyse der von den Kindern vorgelegten Produkte gab es neue Erkenntnisse zu Lernstrategien der Kinder.

        Eine Untersuchung zu den Lernergebnissen im Fach Englisch am Ende der 4. Klasse

        Ursula Bader / Ursula Schaer

        Seit Schuljahresbeginn 2001/02 wird an allen Appenzeller Primarschulen ab der 3. Klasse Englisch unterrichtet. Vor den Sommerferien 2003 wurde das Projekt in allen 4. Klassen, die seit 2 Jahren Unterricht haben, evaluiert. Die Evaluation sollte nicht nur zur reinen Leistungsbemessung dienen, sondern gleichzeitig zur Selbstreflexion anregen. Es wurden daher nicht nur Tests durchgeführt, um den Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler zu messen, sondern auch Fragebögen für Lehrkräfte und Lernende eingesetzt. Damit sich die Lehrkräfte nicht nur als „Fremdbeurteilte“, sondern auch als aktiv an der Evaluation Beteiligte erlebten, erhielten sie die Möglichkeit, gewissen Einfluss auf einige der zu evaluierenden Aspekte zu nehmen. Die evaluierten Klassen arbeiteten mit einem Lehrwerk.

        „… könnt ich jetzt ja schon mal versuchen, was da steht zu lesen …“

        Eine Studie zum Umgang mit Schrift im Englischunterricht Klasse 3

        Maike Reichart-Wallrabenstein

        Der Englischunterricht in der deutschen Grundschule steht bisher unter dem Primat der Mündlichkeit, die Haltung zum Schrifteinbezug kann als eher vorsichtig gekennzeichnet werden. Die Kontroverse um die Integration von Schriftlichkeit wird vor dem Hintergrund ungesicherter Erkenntnisse geführt und ist weitgehend von vermeintlichen Gewissheiten bestimmt. Vorbehalte gegen den Schrifteinbezug wurden vielfach zu unhinterfragten Glaubenssätzen. Der Blick ist eher defizitorientiert, es werden Interferenzen und die Überforderung der Kinder befürchtet. In der Unterrichtspraxis spielt(e) Schrift dementsprechend eine geringe Rolle: Ein Schrifteinbezug sollte, so der Grundsatz, nur nach vorhergehender mündlicher Absicherung und unter starker Lenkung des Lehrenden (Stichworte: Reduktion, Stufung, Fehlervermeidung) erfolgen.

        Holländisch? – nee, Nederlands!

        Oder: Sprachbewusstsein im bilingualen Kindergarten

        Veronika Wenzel

        Wissen über Sprache(n) bezeichnet man oft mit Begriffen wie „metalinguistisches“ oder „metasprachliches Bewusstsein“ (Bialystok 2001). Vor allem im schulischen Lernkontext kommt dem eine zentrale Rolle zu. Aber was wissen jüngere Kinder über Sprache? Kindergärten, die Mehrsprachigkeit in ihr Bildungsprogramm aufnehmen, erhoffen sich davon, dass die Kinder „ein Sprachgefühl entwickeln“ und „leichter andere Sprachen lernen“. Das hier dargestellte Forschungsprojekt geht der Frage nach, ob junge Kinder, die mit einer verwandten Fremdsprache in Kontakt kommen, bereits (so etwas wie) Sprachvergleiche anstellen. Die Sprachähnlichkeit könnte sie dazu bringen, den Details Aufmerksamkeit zu schenken („noticing“) und so Einsichten über den Aufbau von Sprache(n) zu erlangen.

        Von der Offenheit des Kindes im interkulturellen Kontakt

        Elzbieta Chromiec

        Mit wachsender Differenzierung der heutigen Gesellschaften, d.h. auch mit zunehmender Multikulturalität, wächst auch die Aufgabe der interkulturellen Erziehung.

        Eine gute Gelegenheit, um die Offenheit gegenüber der kulturellen Fremdheit zu entwickeln, bietet den Kindern der schulische Fremdsprachenunterricht.

        Die Autorin entwickelte ein eigenes Programm für Schulanfänger, das in zwei 1. Klassen einer Olsztyner Grundschule durchgeführt wurde.
        Es entstand "Der propädeutische Unterrichtsplan in Deutsch als Fremdsprache auf der Primarstufe – Kulturmodell" (Chromiec, 2000b). Er ist dreigeteilt: Sprache, Kommunikation und Kultur. Das Material beinhaltet die im deutschen Sprachraum bekanntesten Lieder, Verse, Reime, Fingerspiele und Tänze. Die jungen Schüler versuchen die für den anderen Kulturkreis spezifischen Feste zu feiern und Sitten und Bräuche kennen zu lernen.

        Das Bild des fremden Landes in Aufsätzen von irischen und deutschen Grundschülern

        Anna Brym

        Welche Assoziationen verbinden Grundschüler mit dem Land, dessen Sprache sie lernen? Welche Bilder des Anderen haben sie? Und wie äußern sie diese Vorstellungen erzählerisch bei einer imaginierten Begegnung?
        Um Aussagen der Kinder zu gewinnen, wurde ein projektives Verfahren gewählt, „Der Fliegende Teppich“. Es wurde, wie auch das starke Erlebnis, bei der wissenschaftlichen Begleitung des Modellprojekts Frühes Intensiviertes Fremdsprachenlernen des Sächsischen Kultusministeriums angewandt (vgl. FFS-Projekt 2003) und anschließend bei weiteren Lernergruppen eingesetzt. Der vorliegende Beitrag berichtet über ein work in progress, da die Daten erst teilweise ausgewertet sind. In Heft 1/2004 von „Frühes Deutsch“ ist ein kurzer Hinweis auf das Projekt.

        Verfahren zur Sprachstandserfassung für Kindergartenkinder und Schulanfänger – eine (zu) wenig genutzte professionelle Ressource?!

        Lilian Fried

        Professionelles elementarpädagogisches Handeln setzt voraus, dass man sich ein Bild davon macht, welche Voraussetzungen, Bedürfnisse usw. auf Seiten eines Kindes bestehen. Erst wenn das klar zutage liegt, kann man angemessen einschätzen, welche pädagogischen Mittel am ehesten gewährleisten, dass ein Kind seine Fähigkeiten umfassend entwickelt.

        Sprachlerndispositionen – eine Alternative zu Sprachtests im Vorschulalter?

        Ernst Apeltauer

        Der Beitrag setzt sich mit der Frage auseinander, wie sprachliche Leistungen im Vorschulalter und am Schulanfang bei Kindern mit Migrationshintergrund (Deutsch als Zweitsprache oder mehrsprachiges Aufwachsen) angemessen erfasst werden können. Hier sind wir von einem soliden Grundlagenwissen weit entfernt, weil sich die Zweitspracherwerbsforschung in der Regel mit älteren Lernern befasst hat. Zweifel an den zur Zeit in Deutschland verwendeten Tests und den verordneten „Standards“ sind daher angebracht.

        Hans Hase auf Umweltreise

        Goethe-Institut
        Ein neues Mitmachprojekt für Grundschulen. Die Handpuppe Hans Hase geht auf Umweltreise.

        Sachgeschichten – Was Kinder wissen wollen

        Arbeitsblätter für Lehrer und Lehrerinnen, die in der Vor- und Grundschule Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache unterrichten.