Sarah Wiener: Mein Lieblingsbuch
Elke Heidenreich und Bernd Schroeder
Ich habe viele Lieblingsbücher. Das Liebste ist mir immer das zuletzt gelesene, wenn es mich
berührt hat. Bei „Alte Liebe“ von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder ging es mir so.
Ich habe es gern gelesen, mit großer Spannung die Banalitäten einer "alten Liebe" verfolgt. So
kann es also sein. Ja, so muss – auch darf – es sein, wenn man über lange Zeit einander liebt
und kennt. Ich hatte noch nie eine „alte Liebe“.
Die Sprache ist klar und einfach und doch melodiös. Das Buch ist sehr spannend, sodass man
es nicht aus der Hand legen möchte. Ich mag den Aufbau, die Monologe, die immer in Dialogen
enden. Ich mag die große Glaubwürdigkeit der Figuren. Ich mag den liebevollen Blick auf das
Unvollkommene.
Es gibt viele Bücher, die man mit Vergnügen liest und kaum hat man sie verschlungen, sind sie
vergessen. Dann gibt es Bücher, denen man nachhängt, die einen beschäftigen, die man aus
den unterschiedlichsten Gründen liebt. Wegen der Geschichte, des Satzklanges, der Figuren,
der Phantasie oder des Witzes und der Originalität. Manchmal liest man ein Buch – und liebt es
und geht mit ihm schlafen und steht mit ihm auf. Man will nicht, dass es aufhört und die letzte
Seite kann richtig Trauer hinterlassen. Dann blättert man es noch einmal kurz durch, liest den
einen Absatz nochmal und stellt es beiseite. Der Umschlag ist bei meinen Büchern oft etwas
mitgenommen; ich lese in der Bahn, im Kaffeehaus, auf der Wiese und besonders gern im Bett.
Jeder Fleck ein Kuss. Für lange Zeit kann ich mir dann nicht vorstellen, es herzugeben.
Sarah Wiener, Fernsehköchin und Unternehmerin, Hamburg







