Mein Lieblingsbuch

1. Platz: Monica Adina Lorelay Mitea: Mein Lieblingbuch

Briefe an einen jungen Dichter
Rainer Maria Rilke

Als ich die Provokation dieses Wettbewerbs annahm, wurde mein Kopf auf einmal voll von Namen, Worten, Zitaten der berühmten Autoren, die mich auf meinem Lebensweg begleitet haben.

Ich lernte Deutsch seit ein paar Jahren und das Ziel war mir vom Anfang an klar: um deutsche Bücher im Original lesen zu können. Als ich zu lernen begann, lebte ich in einem kommunistischen Land, hinter „dem eisernen Vorhang” – wie man sagte. Gelegenheiten, mit Deutschsprachigen zu reden, waren in diesem geschlossenen Raum fast null. Mir blieben aber die Bücher, ein treuer und fassender Gesprächspartner.

Ein ganzes Panorama der deutschen Literatur, von „Parzifal” mit seiner Mitleidsfrage, mit einer Station bei Goethe mit seinem Werther, bis zu den jüngsten Schriftstellern der heutigen Tage – Wladimir Kaminer oder Herta Müller – lief mir vor die Augen. Natürlich fiel mir schwer eins zu wählen und die anderen wegzulassen.
Das Problem ist aber nicht neu. Ich habe an „Fahrenheit 451” gedacht und an die Tatsache, dass ich mir mehrmals die Frage gestellt habe, welches Buch ich auswendig lernen würde, welches Buch ich sein möchte. Auch in den Lehrbüchern gibt es eine Übung: welches Buch würdest du mitnehmen, wenn du allein auf einer Insel leben würdest?

Die Beziehung zu den Büchern meiner Kindheit, meiner Jugend war immer fast persönlich. Ich habe sie oft gestreichelt oder gerochen, die Duft der neuen oder der alten Seiten, die Duft der Druckerschwärze fühle ich auch jetzt, wenn ich an ein bestimmtes Buch denke, obwohl ich es vor zehn Jahren oder mehr gelesen habe. „Wir sind unvermeidlich auch das, was wir lesen.” – sagt ein rumänischer Philosoph.

„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?”, „Und die Welt fängt an zu singen/Triffst du nur das Zauberwort”, „Wer jetzt kein Haus hat, der baut sich keines mehr”, „Wozu Dichter in dürftiger Zeit?”, „Was wirst Du tun, Gott, wenn ich sterbe?” – all diese verdrängten sich jetzt in meinem Kopf. Ich liebte sie sehr, ich konnte fast keine Unterschiede machen. Ich lauerte aber, ich wartete darauf, dass eins hervorspringt, und alle anderen als Hintergrund lässt.
Und schließlich ist es passiert. Es gibt ein Buch, das mich mehr als 20 Jahre begleitet hat. Es wurde mir von meinem Philosophielehrer empfohlen, und ich nahm es zum ersten Mal in die Hand, als ich im letzten Jahrgang im Lyzeum war. Es handelt sich um „Briefe an einen jungen Dichter” von Rainer Maria Rilke, die Bibel meiner „poetischen” Existenz. Von ihm habe ich gelernt, dass der Dichter die Schönheit der Welt zu sich ruft und dann auch die anderen auf die Dinge der Umgebung aufmerksam macht. „Denn für den Schaffenden gibt es keine Armut und keinen armen, gleichgültigen Ort.” Dadurch habe ich die Magie der Welt entdeckt. Alle wichtigen Fragen der Existenz bekommen in diesem Buch eine Antwort: die Liebe, das Schaffen, die Einsamkeit, die Beziehung „Ich” – „Der Andere”...

Während sich die meisten heutzutage nach außen drehen, ist bei Rilke das Bild des poetischen Ich wie eine Insel: „Gehen Sie in sich. [...] Dieses vor allem: fragen Sie sich in der stillsten Stunde Ihrer Nacht: muss ich schreiben? [...] Und wenn diese zustimmend lauten sollte, dann bauen Sie Ihr Leben nach dieser Notwendigkeit.”

Keine Eile, kein Stempel des Willens; man muss nicht rechnen und zählen, sondern „reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos still und weit. Ich lerne es täglich, lerne es unter Schmerzen, denen ich dankbar bin: Geduld ist alles!” Im klaren Gegensatz zu der Geschwindigkeit und dem Rauschen unserer Zeit. Wenn ich es immer wieder lese, fühle ich mich in der Nähe Gottes, spüre ich Seine Gnade und Seinen Heiligen Geist.

Monica Adina Lorelay Mitea