Khartum: Tanz der Objekte
In Khartum tanzen nicht die Puppen, sondern Gegenstände: Lampen, Tische, Stifte oder Teebeutel bewegen sich an Fäden geführt durch den Raum. „Pulling Strings“ entsteht unter Leitung von Eva Meyer-Keller mit sudanesischen Künstlern. Aufgeführt wird die ortspezifische Performance auf den deutsch-sudanesischen Theatertagen in Khartum, einer Plattform, die das Goethe-Institut Sudan gemeinsam mit der unabhängigen Szene 2013 zum ersten Mal veranstaltet.
Khartum, Sudan3. bis 6. November 2013
„Pulling Strings“ ist Performance, Schauspiel und Installation. Die Wahl des Ortes für die Performance lädt „Pulling Strings“ mit Inhalt auf. Das können Büroräume, Garagen, Terrassen oder Dächer sein. Die Akteure sind Objekte, die in diesem Raum bereits vorhanden sind. An diese werden Fäden geknüpft, welche wiederum gezogen werden – so fangen die Objekte an, durch den Raum zu tanzen. Die Choreografin Eva Meyer-Keller leitet in Khartum einen Workshop, auf dem sie mit sudanesischen Performern, Choreografen und Theatermachern die ortspezifische Performance „Pulling Strings“ erarbeitet. Diese wird auf den deutsch-sudanesischen unabhängigen Theatertagen vom 3. bis 6. November in Khartum aufgeführt. Die Dokumentarfilmerin Andrea Keiz begleitet Workshop und Aufführung mit der Kamera und schafft daraus eine eigenständige Videoarbeit.
Ortspezifische Performance
In „Pulling Strings“ nimmt Eva Meyer-Keller den Aufführungsort genau unter die Lupe: Sie öffnet Schränke, schaut in Ecken und unter Möbel. So beginnt die Performance mit einer Bestandsaufnahme des Raumes durch die Choreografen. Auch die Zuschauer sind eingeladen, sich den Ort mit seinen dazugehörigen Objekten genau anzuschauen: Was steht wo, ist nah, fern, oben, unten, auf, zu. Die Choreografie setzt große Dinge wie Lampen, Tische und Pflanzen und kleine Sachen wie Stifte, Gläser und Teebeutel in Szene. Darüber hinaus wird auf die Bewegungen von immateriellen Dingen aufmerksam gemacht: Geräusche, Gerüche, sich verflüchtigendes Material wie Rauch. Mit dem Ziehen an den Fäden der Objekte verändert sich die Sicht auf den Raum und die Wahrnehmung der Zuschauer wird sensibilisiert.
Deutsch-sudanesische Theatertage
Performative Elemente gehören im Sudan zum Lebensalltag. Mangels kultureller Infrastruktur kommen neuere Produktionen aber fast nie auf die Bühne. Das Goethe-Institut engagiert sich daher seit vielen Jahren für das unabhängige Theater und Performance und experimentiert nun mit dem Tanz der Objekte. Die „Deutsch-sudanesischen Theatertage“ werden in diesem Jahr zum ersten Mal veranstaltet. Neben dem im Workshop neu erarbeiteten „Pulling Strings“ präsentiert Eva Meyer-Keller ihre aus Performance und Video bestehende Arbeit „Death is Certain“. Hier werden rote Früchte zu Mittelpunkten verschiedener Tötungsszenarien. Daneben werden auf den Theatertagen kleinere Produktionen der unabhängigen Szene Sudans präsentiert.
„Pulling Strings“ war zum ersten Mal 2012 als „work in progress“ im HAU zu sehen. Anschließend entwickelte Eva Meyer-Keller ihr Stück in verschiedenen Theatern weiter, darunter Pact Zollverein, MDT in Stockholm und KunstenfestivaldesArts in Brüssel. Mit der Weiterentwicklung für Khartum bewegt sich das Stück zum ersten Mal über europäische Grenzen hinaus.




