Israel: Berlin Dayz und Deutsch-Israelische Literaturtage
Mehr als 15.000 Israelis sind in den letzten Jahren nach Berlin gezogen. Vor allem in Tel Aviv schaut man auf die deutsche Hauptstadt: Sie wird als Labor wahrgenommen für künstlerische und soziale Ideen. Die Berlin Dayz beleuchten vom 3. Oktober bis 8. November die Beziehungen zwischen der deutschen Hauptstadt und israelischen Städten in Literatur, Tanz, Fotografie und Architektur.
Tel Aviv, Jerusalem
3. Oktober bis 8. November 2013
Was bedeuten heute Begriffe wie Heimat, Familie und Zugehörigkeit? Welche Vorstellungen von Leben sind an diese Konzepte geknüpft? Und wie steht es um die hebräische-deutsche und deutsch-hebräische Literaturübersetzung? Die Deutsch-Israelischen Literaturtage 2013 in Tel Aviv und Jerusalem gehen diesen Fragen nach. Unter dem Motto „HeimatSchreiben – Lichtiv al HaBait“ lädt das Goethe-Institut gemeinsam mit der Heinrich Böll Stiftung zum 5. Mal Autoren, Übersetzer und Literaturkritiker nach Israel ein. Mit dabei: Eva Menasse, Dea Loher, Jan Wagner, Assaf Gavron, Gisela Dachs, David Polonsky, Ina Hartwig und Aviad Kleinberg.
Fotografien von den Stadträndern
Die Städte Berlin und Tel Aviv verfügen beide über starke subkulturelle und alternative Strömungen, die sich nicht nur politisch, sondern auch in Mode, Musik und der Art des Zusammenlebens manifestieren. Der Fotograf Max Norz aus Berlin hat 2010 für das Goethe-Institut eine Serie über die alternativen Szenen Berlins erstellt, die er nun im Rahmen einer Residenz um Bilder aus Tel Aviv ergänzt hat. Seine Ausstellung „Schaustelle Berlin-Tel Aviv“ zeigt, wie sehr sich das Leben von Menschen am Rand der Gesellschaft ähnelt, ob sie nun in Berlin oder in Tel Aviv leben. Die „Berlin Dayz“ beleuchten auch Fragen sexueller Identität: Die Ausstellung „And That’s the Real Truth” zeigt Arbeiten israelischer und internationaler Künstler, die den sich stetig verändernden Geschlechterrollen nachgehen.
Architektur weltweit
Zur Eröffnung der Berlin Dayz illuminiert der Lichtkünstler Felix Offermann mit seinen „Lichtpiraten“ das Habima Nationaltheater am Platz der Kultur, einem der schönsten und zentralsten Plätze der Stadt. Das Theater stammt von dem Berliner Architekten Oskar Kaufmann, der unter anderem auch die Berliner Volksbühne verwirklichte. An zwei Abenden wird die Projektion zum verbindenden Element zwischen den Städten Berlin und Tel Aviv und zwischen Deutschland und Israel. Mit der Architektur beider Länder beschäftigen sich weitere Ausstellungen: „Leben im UNESCO Welterbe“ ist Bruno Taut gewidmet, der als einer der wichtigsten Vertreter des Neuen Bauens gilt und in der Zeit des Nationalsozialismus als „Kulturbolschewist“ verfemt wurde. Seine Hufeisensiedlung in Berlin gehört seit 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Ausstellung dokumentiert Tauts Bauphilosophie und den Umgang mit seinem baulichen Erbe. In „Erich Mendelsohn: BERLIN - JERUSALEM“ dokumentiert der Berliner Fotograf Carsten Krohn Bauten des deutschjüdischen Architekten Erich Mendelsohn – von Stuttgart und Chemnitz nach Berlin, von Jerusalem, Rehovot und Tel Aviv nach San Francisco. Die Ausstellung ist im Goethe-Institut in Jerusalem zu sehen.
Nachhaltiges Bauen und Stadtentwicklung
Im zweiten „Städtegipfel Tel Aviv“ diskutieren Städteplaner, Politiker und Experten aus aller Welt über Innovation und Kreativität in Bezug auf Städteplanung, Technologie und Tourismus. In diesem Jahr sind aus Deutschland Mitglieder der Berliner Holzmarkt-Genossenschaft dabei, um ihr nachhaltiges Konzept für eine Baufläche am Spreeufer vorzustellen, auf der eine Insel aus Natur und Kultur im ehemaligen Industriegebiet im Osten Berlins entstehen soll.
Daneben reflektieren Filmreihen, Konzerte, Diskussionsveranstaltungen sowie Gastspiele und Theateradaptionen die Beziehungen zwischen Berlin und Tel Aviv und Deutschland und Israel. Die Berliner Philharmoniker werden per Live-Stream zu sehen und zu hören sein und der in Israel geborene Berliner Tänzer und Choreograf Nir de Volff zeigt seine neueste Produktion „Diary of a Lost Decade“. In dieser stellt er die tragisch endende Dekade der „wilden“ Zwanzigerjahre den „Nuller-“ und „Zehnerjahren“ des neuen Jahrhunderts gegenüber.




