Deutschlandpromenade: deutsch-chinesische Kulturbegegnungen in Nanjing
Nanjing
19. bis 27. Oktober 2007
Das deutsch-chinesische Popfestival
Hauptprogrammpunkt der Deutschlandpromenade ist das deutsch-chinesische Popfestival, das an allen neun Tagen mit Konzerten aufwartet. Über zweihundert Musikerinnen und Musiker aus der deutschen und chinesischen Popszene stellen populäre Gegenwartsmusik aus beiden Ländern vor. Präsentiert werden in der Region noch unbekannte deutsche Exportschlager wie Juli, 2raumwohnung oder der Begründer der Berliner Love Parade DJ Motte, aber auch chinesische Stars wie Wang Yong und Dadawa. Darüber hinaus sind Kooperationen geplant: Die Gebrüder Teichmann stellen einen elektronischen Remix der Musik der chinesischen Sängerin Dadawa vor, und die DJs Matthias Tanzmann und Zhang Youdai legen zusammen in Nanjinger Clubs auf.
Zeitgenössischer Tanz
Nachdem die Deutschlandwochen in Nanjing mit einer Aufführung von John Crankos „Romeo und Julia“ – einem der bekanntesten klassischen Ballette – eröffnet wurden, ist während der Deutschlandpromenade vor allem der zeitgenössische Tanz vertreten. Am 9. und 10. Oktober wird im Nanjing-Theater die deutsch-chinesische Gemeinschaftsproduktion „Outlanders“ gezeigt. In der Tanzperformance erkunden die deutsche Tänzerin und Choreografin Antje Pfundtner und das Living Dance Studio Peking unter der Leitung von Wen Hui das Feld des Verständigens, Interpretierens und Missverstehens bei der Ankunft an neuen Orten. Dokumentarisches Material wie auch die eigenen Biografien bilden die Grundlage für die Erforschung kulturell geprägter Begriffe wie Heimat, Zugehörigkeit und Fremdheit. Ausgehend von den unterschiedlichen choreografischen Ansätzen und kulturellen Hintergründen wird auch die Bedeutung der kulturellen Differenz in Sprache, Verhalten und Bewegungsvokabular untersucht.
Mit Lutz Förster ist ein langjähriges Mitglied des Wuppertaler Tanztheaters von Pina Bausch zu Gast in Nanjing. Der Professor für zeitgenössischen Tanz an der Folkwang Hochschule Essen gibt in der Theaterschule von Jiangsu eine Einführung in die Jooss-Leeder-Methode. Entwickelt aus den Theorien von Rudolf von Laban prägt diese Methode der sinnlichen Erfahrung von Raum, Zeit und Kraft bis heute den modernen Tanz in Deutschland und ist fester Ausbildungsbestandteil der Folkwang Hochschule. Der Workshop findet vom 25. Oktober bis 2. November 2007 statt und richtet sich an Tänzer und Choreografen.
Bildende Kunst
Mit dem Einfluss deutscher Künstler auf die chinesische Kunstszene beschäftigt sich am 14. Oktober das Seminar „Deutsche Gegenwartskunst und chinesische Malerei“ an der Hochschule der Künste Nanjing. Als einen der drei „Väter“ der chinesischen Gegenwartskunst hat der einflussreiche Kunstkritiker Li Xianting einmal Joseph Beuys bezeichnet. Dem Einfluss von Beuys und anderen Künstlern wie Anselm Kiefer, Gerhard Richter oder Jörg Immendorf auf die Entwicklung der chinesischen Kunst nach der Kulturrevolution ist mit dem Seminar erstmals eine systematische Untersuchung gewidmet. Von deutscher Seite nimmt Matthias Winzen, Professor an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, an der Expertenrunde teil.
Um künstlerischen Austausch und gegenseitige Einflussnahme geht es auch in der Ausstellung „Far West“, die in Kooperation mit der Kulturbehörde Hamburg vom 13. Oktober bis 11. November im Nanjing Singleart Center zu sehen ist. Die Ausstellung zeigt Werke der chinesischen Künstler Xu Jiang, Shan Fan, Wu Shanzhuan und ihres ehemaligen Hamburger Hochschullehrers KP Brehmer. Sie dokumentiert Stationen einer deutsch-chinesischen Künstlerfreundschaft, die bis zum Beginn der Achtzigerjahre zurückreicht. Daneben ist die Ausstellung auch ein Zeugnis der fruchtbaren Wirkungsgeschichte des deutsch-chinesischen Austauschprogramms zwischen der Hochschule für bildende Künste Hamburg und der traditionsreichen China Academy of Art Hangzhou.
Hölderlin-Projekt „Ein Zeichen sind wir“
Mit der musikalischen Hommage „Ein Zeichen sind wir“ wird am Eröffnungsabend der Deutschlandpromenade am 19. Oktober eine besondere deutsch-chinesische Koproduktion zu sehen sein. Künstler aus Baden-Württemberg und von der Universität Nanjing bringen die Lyrik des deutschen Dichters Friedrich Hölderlin auf die Bühne. Eine Woche vor Beginn der Deutschlandpromenade reisen die Sängerin Jeschi Paul, der Saxophonist Martin Keller und die musikalische Leiterin Susanne Hinkelbein mit ihrer Projektleiterin Ingrid Dolde aus der Hölderlin-Stadt Nürtingen nach Nanjing. Bereits seit August proben Chor und Orchester der Universität Nanjing unter der musikalischen Leitung des Dirigenten Lü Xiaoyi Hölderlin-Vertonungen von Johannes Brahms, Hanns Eisler und Susanne Hinkelbein. Ob als Chorsatz oder mit Jazz- und Blueselementen, im Vordergrund des Konzerts steht die musikalische Zwiesprache mit der Poesie, aber auch die zwischen der deutschen und der chinesischen Sprache. Begleitet werden die Nürtinger Künstler von dem Hölderlin-Experten und -Übersetzer Zhengxiang Gu. Der chinesische Germanist überträgt seit zehn Jahren Texte des Dichters ins Chinesische. Für die Hölderlin-Hommage hat Gu auch einige Gedichte neu übersetzt, die in Nanjing erstmalig vorgetragen werden. Auch der gebürtige Nürtinger und renommierte GEO-Fotograf Thomas Stephan reist mit nach Nanjing. Seine Fotografien sind eine visuelle Hommage an die Landschaft Hölderlins. Auf eine Großleinwand projiziert, werden sie zum Bühnenbild.
Einen zweiten Auftritt am 20. Oktober gestaltet das deutsch-chinesische Ensemble in Zusammenarbeit mit der germanistischen Abteilung der Universität Nanjing: Germanistikstudierende werden die musikalische Hommage um theatralische und rezitative Elemente bereichern und an der Universität Nanjing zur Aufführung bringen.
Das Goethe-Institut auf der Promenade
Bei der Deutschlandpromenade vom 19. bis 27. Oktober präsentiert sich das Goethe-Institut mit einem eigenen Kulturpavillon auf dem Daxinggong-Platz. Schwerpunkt ist die deutsche Sprache. So können die Besucher beispielsweise „Deutsch in dreißig Minuten“ lernen. Am 20. Oktober rezitieren im Rahmen eines Poetry Slams chinesische Dichter eigene und deutsche Lyrik, am 21. Oktober findet eine Lyrikimprovisation des bekannten chinesischen Künstlers Zhao Qin statt. Am 23. und 24. Oktober wird der chinesische Autor Su Tong, der auf Einladung des Goethe-Instituts im Sommer 2007 als „Writer in Residence“ in Leipzig zu Gast war, aus seinem Blog „90 Tage in Leipzig“ vortragen.
„Gerede über Ost und West“ heißt eine Gesprächsrunde am 23. Oktober, an der neben Su Tong unter anderen auch der Leiter des Goethe-Instituts Peking Michael Kahn-Ackermann teilnehmen wird. In einer weiteren Runde am 26. Oktober beschäftigen sich chinesische Experten, darunter der bekannte Philosoph Zhou Gouping, mit der Frage „Warum sollte man deutsche Philosophie lesen?“. Daneben wird ein Dokumentarfilm an mehreren Tagen die documenta in Kassel vorstellen. Am 25. Oktober berichten die Regisseure des Films über die Dreharbeiten.







