Welten zwischen Welten: Fokus Migration in der neuen Ausgabe von „Humboldt“
Der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani gibt Einblick in die Situation von Flüchtlingen an den Grenzen Europas. Kermani berichtet von seiner Reise an die marokkanische Grenze. Er kommt mit Menschen ins Gespräch, die, um nach Europa zu gelangen, gegen Grenzzäune anrennen oder mit klapprigen Booten in See stechen. Für Kermani muss sich die Europäische Union auch daran messen lassen, wie sie mit denen umgeht, die nicht zu Europa gehören.
„Und so haben wir dann den Zug genommen nach Montes Claros, in Minas Gerais, für weiter hat das Geld nicht gereicht!“ Im Alter von sechs Jahren bricht Dinalva Rosa de Jesus mit ihrer Familie zu einer Reise quer durch Brasilien auf, immer auf der Suche nach Arbeit. Teile ihrer unveröffentlichten Lebensgeschichte können jetzt in „Humboldt“ nachgelesen werden.
Im Gegensatz zum antiken Odysseus, dem Urvater aller Migranten, der große Gastfreundschaft in der Fremde erfuhr, sind illegale Einwanderer aus Afrika, der Ukraine oder Mexiko in der Regel unerwünscht. Elke Dauk beschäftigt sich in ihrem Artikel mit „Gastfreundschaft und Fremde in Zeiten von Terror und Migration“. Obwohl die Nationalstaaten in Europa von jeher auf Ausländer angewiesen sind, prägen – nicht zuletzt seit dem 11. September 2001 – immer auch Angst, Abgrenzung und Ausgrenzung den Umgang mit den Fremden. Die Autorin begibt sich auf die Suche nach den Ursachen und fordert eine neue Kultur der Gastfreundschaft.
Von Rhythmusgemeinschaften und Grenzgängern berichtet Inge Baxmann: Sie beschreibt eine neue kulturelle Kartografie, die durch den Kontakt von Kulturen, beispielsweise an der mexikanischen und der US-amerikanischen Grenze, entsteht. In den spezifischen Bewegungskulturen, in Musik, Tanz, Alltagsritualen, werden neue Lebensentwürfe sichtbar, drückt sich die Mischung nationaler und transnationaler Identitäten aus.
„Humboldt“ ist die Kulturzeitschrift des Goethe-Instituts, die den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Lateinamerika sowie Spanien und Portugal fördert und mitgestaltet. Autoren aus dem iberischen und deutschen Sprachraum kommen neben anderen internationalen Stimmen zu Wort. „Humboldt“ greift aktuelle Diskussionen zu Themen des geistigen und kulturellen Lebens dies- und jenseits des Atlantiks auf. Die Printversion von „Humboldt“ erscheint in zwei Sprachversionen: Spanisch und brasilianisches Portugiesisch. Außerdem gibt es eine Internet-Ausgabe, die auch auf Deutsch gelesen werden kann. „Humboldt Online“ bietet sowohl Artikel aus der Zeitschrift als auch weiterführende Artikel zum Download an. Das Magazin erscheint bereits seit über fünfzig Jahren. Aktuell hat es eine jährliche Auflage von 20 000 Exemplaren. „Humboldt“ richtet sich insbesondere an Kulturinstitutionen, Mittlerorganisationen, Universitäten und Bibliotheken sowie an Personen, die im kulturellen oder journalistischen Bereich aktiv sind.






