April 2008

Zuckerhut und Silberpfeil

„Zucker für die Welt“ lautet die Doktrin des brasilianischen Staatspräsidenten Lula. Schon heute ist Brasilien der weltweit größte Exporteur von Rohrzucker. In einem einjährigen Schwerpunkt greift das Goethe-Institut Salvador-Bahia den Diskurs über Gegenwart und Zukunft des Zuckers auf, reflektiert aber auch die sozialen Verhältnisse, die er seit jeher hervorbringt.

Salvador-Bahia
ab 10. April 2008

Kein Agrarprodukt hat das Gesicht Brasiliens so geprägt wie der Rohrzucker. Kein Exportgut setzte die Entwicklung von Südamerika, Afrika und Europa so effektiv, aber auch so tragisch miteinander in Beziehung. Auf die steigende Nachfrage aus Europa antwortete die brasilianische Wirtschaft in der Kolonialzeit mit der Versklavung afrikanischer Arbeitskräfte und unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Heute, rund 450 Jahre später, sind 80 Prozent der Bevölkerung von Salvador afrikanischer Abstammung.

Die Projektreihe „Zuckerhut und Silberpfeil: Zuckerrohr, Kultur und Gesellschaft” wirft nicht nur historische und ökologisch-ökonomische Fragen auf. Auch in den Künsten inspiriert die Ambivalenz des Zuckers. Die Ergebnisse eines Fotowettbewerbs werden ab 10. April ausgestellt, begleitet von Filmen und einer musikalischen Uraufführung: Die bahianischen Sängerinnen Mariella Santiago, Márcia Castro und Manuela Rodrigues interpretieren Chico Buarques Lieder über den Zucker. Am 14. und 16. April beleuchtet das Symposium „Bahia und der Zucker – Arbeitskraft aus Afrika und Konsum in Europa” mit Experten aus Brasilien, Deutschland, Spanien, Kuba und den USA das Verhältnis zwischen brasilianischer Produktion und europäischer Nachfrage. Zur Sprache kommt auch die Frage, inwiefern sich koloniale Strukturen bis in die heutige Gesellschaft Brasiliens fortschreiben.

Ein zweites Symposium im September stellt einen Bezug zwischen Biokraftstoffen und Grundernährung her. Geplant sind außerdem eine Inszenierung von Christoph Nussbaumeders „Mit dem Gurkenflieger in die Südsee“, eine Choreografie unter Felix Ruckert mit Tänzern des Staatstheaters Castro Alves und eine Installation von Jonathan Meese.

In Kooperation mit den Universitäten Bahia und Recôncavo, Stiftung Pedro Calmon, Instituto Cervantes, Suhrkamp, Museum für Moderne Kunst Salvador u.a.

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