„48 °C – Public. Art. Ecology“: Interview mit der Kuratorin des Festivals, Pooja Sood
Pooja Sood hat für das Goethe-Institut im Oktober das erste Festival für Kunst im öffentlichen Raum in Neu-Delhi kuratiert. Die unabhängige Kuratorin setzt sich seit vielen Jahren zwischen Künstlern aus aller Welt ein. Sie arbeitet unter anderem für die Künstlervereinigung „KHOJ International Artists’ Association“ und ist Koordinatorin des regionalen Künstlernetzwerks des britischen „Triangle Arts Trust“.
Das Festival „48 °C – Public. Art. Ecology“ ist ein Kunstprojekt, das den Klimawandel in den Mittelpunkt stellt. Wen wollen Sie mit diesem Thema ansprechen?
Im Grunde stehen bei diesem Projekt mehrere Themen im Mittelpunkt: der Klimawandel, Kunst im öffentlichen Raum, das Verständnis davon, was öffentliche Räume sind, die Möglichkeiten zeitgenössischer Kunst und vieles mehr. Wenn es aber derzeit ein Thema gibt, das unabhängig von Rasse, Geschlecht und Wirtschaft Bedeutung hat, dann ist es der Klimawandel – der uns alle auf ganz menschlicher Ebene betreffen kann und wird.
Es ist das erste Festival zu Kunst im öffentlichen Raum, das in Indien stattfindet. Warum war es so wichtig, den öffentlichen Raum einzubeziehen?
Da es in Indien an öffentlichen Galerien und Räumen für Projekte mangelt, wird zeitgenössische Kunst in Indien meist in kommerziellen oder privaten Galerien gezeigt. Daher ist es wichtig, Kunst im öffentlichen Raum zu zeigen.
Nach welchen Kriterien wurden die Orte ausgewählt, an denen die Arbeiten ausgestellt werden?
Delhi ist eine Stadt, die sich immer weiter ausbreitet. Die Erreichbarkeit vieler Orte ist sehr problematisch. Wir haben uns für die Metro – die neue Ikone Delhis – und deren Haltestellen als Ausgangspunkt entschieden: Alle Standorte lassen sich von einer Metrostation aus in fünf Minuten zu Fuß oder in 15 Minuten mit der Fahrradrikscha erreichen. Das ist auch ein Aufruf zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Außerdem spiegeln die Standorte die Vielschichtigkeit der Stadt Delhi wider – von der historischen Vergangenheit (Mogul-Ära) über die Kolonialzeit hin bis zur Gegenwart.
Und nach welchen Kriterien wurden die Künstler ausgewählt?
Wichtig war, die Vielfalt der Ansätze der Künstler im Umgang mit öffentlichem Raum zu zeigen – von spektakulären über interaktive bis hin zu eher prozessualen gemeindeorientierten Kunstprojekten. Indische Künstler hatten bisher zwar nicht die Gelegenheit im öffentlichen Raum zu arbeiten, da es sehr schwierig ist, dafür eine Genehmigung zu bekommen, doch mehrere haben bereits auf privater Ebene in diese Richtung gearbeitet.
In Indien boomt derzeit der Markt für zeitgenössische Kunst. Welche Rolle spielt ein solches Festival in diesem Zusammenhang?
Projekte wie dieses werden immer bedeutsamer, da der Kunstmarkt scheinbar Vorrang vor allem anderen einnimmt und nur wenig oder gar keinen Raum für sozial engagierte Kunst lässt.
Ist bei einem solchen Projekt nicht die Gefahr groß, dass die künstlerischen Arbeiten vom Betrachter eher nach ihrer thematischen Dimension und weniger nach ästhetischen Gesichtspunkten bewertet werden?
Jedes Projekt ist mit einem Risiko behaftet. In einem Land wie Indien, wo zeitgenössische Kunst gleichbedeutend mit Malerei ist, hätte auch eine ganz andere Reaktion eintreten können: dass die Betrachter sich durch große Installationen im öffentlichen Raum, die ihnen nichts sagen, vor den Kopf gestoßen fühlen. Da es das erste Experiment dieser Art ist, ist es wahrscheinlich gut, dass ein „Thema“ damit verbunden ist – sowohl als Anregung für Gespräche darüber als auch über Kunst im Allgemeinen! Auf jeden Fall bin ich davon überzeugt, dass gute Künstler gute Kunst schaffen – unabhängig davon, ob eine offene soziale Botschaft vermittelt wird oder nicht.
Oktober 2008
Das Festival „48 °C – Public. Art. Ecology“ ist ein Projekt des Goethe-Instituts und der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit.







