April 2009

Goethe-Institut und Leo Baeck Institute würdigen Leben und Werk deutscher Verleger im Exil

© Gerd Altmann (geralt) / PIXELIOMit der Ausstellung „Publishing in Exile“ zeichnen das Goethe-Institut und das Leo Baeck Institute die Schicksale deutscher Autoren und Verleger nach, die in den 1930er und 1940er Jahren in die USA fliehen mussten. Manuskripte, persönliche Papiere, Fotografien, Bücher und Briefe erzählen vom Leben der Exilanten und von deren Versuchen, weitab von den Repressionen und Restriktionen des national-
sozialistischen Regimes ein deutschsprachiges literarisches Leben in den USA zu etablieren.

New York
23. April bis 28. Juni 2009

© Gerd Altmann (geralt) / PIXELIO„Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten/Das heißt doch Auswanderer/Aber wir wanderten doch nicht aus, nach freiem Entschluss/Wählend ein anderes Land/Wanderten wir doch auch nicht/Ein in ein Land, dort zu bleiben, womöglich für immer/Sondern wir flohen. Vertriebene sind wir, Verbannte/Und kein Heim, ein Exil soll das Land sein, das uns da aufnahm,“ schrieb Bertolt Brecht in der ersten Strophe seines Gedichts „Über die Bezeichnung Emigranten“ (1937). Brecht war einer der zahlreichen Literaten und Künstlern, die das Deutschland der Nazizeit verlassen haben – alleine 1933 waren es 2000.

Die unsichtbare Kraft des deutschen intellektuellen Lebens in den USA

Die Ausstellung „Publishing in Exile“, die das Goethe-Institut gemeinsam mit dem Leo Baeck Institute realisiert hat, zeigt ab dem 23. April 2009 Leben und Werk bekannter deutscher Verleger und Autoren des 20. Jahrhunderts, die in den 1930er und 1940er Jahren in die USA ins Exil gingen. Anhand von Manuskripten, persönlichen Papieren, Fotografien, Geschäftskarten, Büchern und Briefen rekonstruiert die Ausstellung das Schicksal des Aurora Verlags, der Johannespresse, der Pazifischen Presse und des L.B. Fischer Verlags. Sie zeigt die Erfolge und Kämpfe von Autoren wie Thomas Mann, Bertolt Brecht, Hermann Hesse, Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger und anderen, die den Verlust von persönlicher Freiheit zunächst in Deutschland, dann in Österreich und anschließend im übrigen Europa erleben mussten. Briefe, die zum Teil zum ersten Mal überhaupt der Öffentlichkeit präsentiert werden, vermitteln die Intensität der Beziehungen zwischen Verlegern und Autoren in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkriegs. Diskussionen über Honorare, Projekte, Vorschüsse und Schulden geben Zeugnis von den Erfahrungen der Emigranten in ihrem Überlebenskampf und ihrem Lebensweg.

Paul North von der New York University, Kurator der Ausstellung, betont die Verdienste der deutschen Verleger im Zufluchtsland USA. Stellvertretend für viele waren sie die unsichtbaren Kräfte, die das deutsche intellektuelle Leben und eine nationale Identität fern von Deutschland aufrecht erhielten. Sie waren als Fürsprecher und Vertreter der Autoren tätig, bildeten den Kern einer intellektuellen Gemeinschaft, waren Vermittler einer öffentlichen Debatte, unterstützten eine Leserschaft in Zeiten der Unruhe und Auflösung – und gaben eine Serie von deutschen Klassikern für 400 000 deutsche Kriegsgefangene in den USA heraus.

Ausstellung „Publishing in Exile“
23. April bis 28. Juni 2009
Leo Baeck Institute New York

Anlässlich der Ausstellungseröffnung findet am 23. April im Leo Baeck Institute ein Symposium zum Thema „Rettung der Öffentlich-
keit durch Veröffentlichung“ statt. Es sprechen: John Spalek, State University of New York/Albany, Wulf Koepke, Texas A&M, Hildegard Bachert, Galerie St. Etienne, Mark Anderson, Columbia, Paul North, New York University, Ernst Fischer, Universität Mainz. Moderator ist Frank Mecklenburg, Leo Baeck Institut New York.

Die Ausstellung ist eine Zusammenarbeit des Goethe-Instituts New York mit dem Leo Baeck Institute.

Foto © Gerd Altmann / PIXELIO

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