Januar 2009

1989/2009: Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer

© Studio KrimmDas ganze Jahr 2009 über gelten zahlreiche Veranstaltungen an den Goethe-Instituten in aller Welt den Auswirkungen des Mauerfalls auf Deutschland und Europa. Regelmäßig wird eine Auswahl in unserem Newsletter „Medieninfo“ vorgestellt.

Zeitverschiebungen: Stefan Koppelkamms Fotos dokumentieren die Wende

Neapel
Februar bis März 2009

© Studio KrimmIn den frühen 1990er Jahren, kurz nach dem Mauerfall, zog der Berliner Künstler Stefan Koppelkamm durch den Osten Deutschlands und hielt mit seiner Kamera fest, was er sah: Gebäude und ganze Straßenzüge, oft im Verfall begriffen, die noch von den Spuren einer lange zurückliegenden Vergangenheit geprägt waren. Über ein Jahrzehnt später kehrte er an dieselben Schauplätze zurück und fotografierte erneut die alten Motive in Ostberlin, Dresden oder Zittau aus der gleichen Perspektive. Koppelkamms Projekt „Ortszeit / Local Time“ dokumentiert in schwarzweißen Fotografien die Zeitverschiebungen zwischen Ost- und Westdeutschland und den beschleunigten Wandel nach dem Mauerfall. Manchmal ganz subtil und kaum wahrnehmbar, an anderer Stelle unerwartet krass offenbaren sich die Veränderungen im direkten Vergleich von Fassaden und Straßenraum. Mitte Februar 2009 werden die 100 Fotografien im Goethe-Institut Neapel ausgestellt, danach zieht „Ortszeit / Local Time“ durch weitere Goethe-Institute in Europa.

„After the Fall“ - Aufführungen in Budapest und Manchester

Budapest
30. Januar 2009
Hull
4. Februar 2009

Für „After the Fall“, ein europaweites Theaterprojekt des Goethe-Instituts, setzen sich 19 Dramatiker aus 15 europäischen Ländern mit den gesellschaftspolitischen Entwicklungen in ihrer Heimat seit dem Mauerfall auseinander.

In Ungarn hat die Dramaturgin und Übersetzerin Anna Lengyel gemeinsam mit Autor László Márton einen Workshop für Nachwuchsautoren konzipiert, der zwischen dem 20. und 30. Januar 2009 in die dritte und letzte Runde geht. Während der dreimonatigen Arbeit schrieben 14 ausgewählte Kandidaten Texte für „After the Fall“. Den Abschluss bildet am 30. Januar eine szenische Lesung: Auf der Gobbi-Hilda-Bühne im Nationaltheater in Budapest wird entweder das beste Stück oder eine Auswahl aus der Gesamtproduktion des Workshops zu sehen und zu hören sein. Workshopleiter László Márton hat in den letzten 25 Jahren mehr als 25 Bücher publiziert und zahlreiche Preise erhalten. In Ungarn hat er sich auch als Übersetzer deutscher Literatur einen Namen gemacht: Er hat Werke von Goethe, Kleist, Gryphius oder Novalis ins Ungarische übertragen.

„Not Yet“ ist der Titel des Stücks, das die Engländerin Sarah-Jane Dickenson für „After the Fall“ geschrieben hat . Dickenson ist Dramatikerin und stellvertretende Leiterin der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften an der University of Hull. In ihrem Stück begegnen Außenseiter – „Problemkinder“ – einander, während in einer Schulklasse der Mauerfall zum Thema wird. Historische Grenzüberschreitungen werden so in sozialen Begegnungen, im Überwinden gesellschaftlicher Grenzen des heutigen Großbritannien reflektiert. Nach der Uraufführung am 4. Februar 2009 im Donald Roy Theatre der University of Hull wird „Not Yet“ an unterschiedlichen Spielorten in Yorkshire und Lincolnshire gezeigt.

„After the Fall“ ist ein europaweites Theaterprojekt des Goethe-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Staatsschauspiel Dresden, dem Theaterbüro Mülheim an der Ruhr und der Bundeszentrale für politische Bildung. Mit freundlicher Unterstützung des Auswärtigen Amts.

Literarische Topographien nach 1989

Kopenhagen
16. Februar 2009

Die intellektuelle Debatte in Dänemark ist von der Wahrnehmung der Veränderungen in Deutschland geprägt. Ein zunehmendes nationales und kulturelles Selbstbewusstsein wird registriert ebenso wie die wachsende Gewissheit einer gemeinsamen europäischen Verantwortung. Diese Veränderungen reflektiert auch die deutsche Literatur nach der Wiedervereinigung. Mit Hans Magnus Enzensberger, Juli Zeh, Siegfried Lenz und Günter Grass werden von Februar bis Mai 2009 drei Altstars und eine prominente jüngere Autorin in der Königlichen Nationalbibliothek in Kopenhagen die literarische Verortung des Wandels diskutieren. Die Autoren sind jeder auf eigene Art Teil der Geschichte der deutschen Teilung von 1949 und dem Fall der Mauer 1989. Kraft ihrer literarischen Werke und ihres gesellschaftspolitischen Engagements haben sie zu einer Diskussion über Kunst, Kultur und Politik beigetragen, die weit über die Grenzen Deutschlands hinausreicht.

Den Auftakt macht Hans Magnus Enzensberger, der am 16. Februar 2009 aus seinem aktuellen Buch „Hammerstein“ lesen wird, das auch ins Dänische übersetzt wurde. Das deutsche Feuilleton reagierte sehr gespalten auf Enzensbergers Buch über Kurt von Hammerstein, dem Chef der Reichswehr und Gegner des Nationalsozialismus. Im Anschluss an die Lesung ist der Autor im Gespräch mit dem Germanisten Per Øhrgaard, Professor an der Copenhagen Business School. Die Veranstaltungsreihe „Literarische Topographien nach 1989“ wird im Rahmen des regionalen Schwerpunktthemas „Wendepunkte – 1949/89“ vom Goethe-Institut Dänemark gemeinsam mit der Königlichen Nationalbibliothek veranstaltet und von der Deutschen Botschaft in Kopenhagen und dem dänischen Verlag Gyldendal unterstützt.

Links zum Thema

Immer aktuell informiert

Pressemitteilungen des Goethe-Instituts
Monatlicher Newsletter „Medieninfo“

Goethe-Jahrbuch 2012/13

Das Jahrbuch gibt einen Überblick über unsere weltweiten Aktivitäten