Juni 2009

Nairobi: “Piga Picha!” – „Knips ein Foto!“

© Goethe-InstitutVerliebte, Ehepaare, Familien und Freunde: in Kenia gehörte es zum Alltagsleben aller Gemeinschaften, sich fotografieren zu lassen – bis Handy-Fotos in Mode kamen. Das Foto war eine Bühne, die eigenen Wünsche, Träume und Selbstbilder in Szene zu setzen. Das Goethe-Institut Nairobi, die Universität Bayreuth und das Nationalmuseum von Kenia zeigen jetzt in einer gemeinsamen Ausstellung Porträtfotos aus einem Jahrhundert und geben damit zum ersten Mal einen umfassenden Überblick über diese wichtige urbane Kultur in Kenia.

24. Juli 2009 bis 31. Juli 2010

© Goethe-InstitutDer in Europa so beliebte Schnappschuss verfolgt eine völlig andere Absicht als das afrikanische Porträtfoto. In Afrika wird das Abbild inszeniert. Es zeigt die Porträtierten so, wie sie selbst gesehen werden wollen, erzählt Geschichten, kommuniziert soziale Einbettung und Status, verwandelt mit Witz und Humor alltägliche Situationen, testet verschiedene Identitäten aus – bis hin zu fiktiven Leben. Fotostudios wie Studio One, Ramogi und Maridadi, aber auch die Straßenfotografen im Uhuru Park oder vor den Sehenswürdigkeiten Nairobis bieten ihren Kunden Bühnen für solche Selbstinszenierungen an: mit Fotomontagen, Handkolorierung, Perspektivtricks, ausstaffierten Bühnenszenen oder vor gemalten Hintergründen, die die Porträtierten in ein Strandhotel am Indischen Ozean, aufs kenianische Hochland oder in die Schweizer Alpen versetzen.

Nach zwei Jahren Recherche in Studios und Archiven eröffnen das Goethe-Institut Nairobi, die Universität Bayreuth und das Nationalmuseum von Kenia im Juli die Ausstellung „Piga Picha! 100 Jahre Porträtfotografie in Nairobi“. Zum ersten Mal gibt die Ausstellung einen umfassenden Überblick über diese wichtige urbane Kultur in Kenia und stellt bedeutende Beiträge zur Fotografie aus Afrika vor. In der Geschichte der Fotografieausstellungen ist sie eine der ersten, die Fotografie an einem Ort umfassend dokumentiert. Ausgestellt werden 300 Bilder, von Meisterwerken der künstlerischen Fotografie bis zum Trash-Take, von der inszenierten Aufnahme mit sorgsam platzierten Symbolen bis zu den schnell geschossenen Bildern der Straßenfotografen vor Monumenten in Nairobi.

Weil das Fotostudio eine Selbstinszenierungsmaschine ist, dokumentieren die Aufnahmen über die Jahrzehnte hinweg den gesellschaftlichen Wandel Kenias während der letzten 100 Jahre. Die Ausstellung ist in 10 Sektionen gegliedert und widmet sich Themen wie „Alter und Würde“ oder „Tradition und Moderne“. Sie zeigt sowohl Bilder der Unterdrückung in den erstarrten Posen der Kolonialzeit als auch Dokumente des nachkolonialien Selbstbewusstseins der 60er und 70er Jahre. Texte kenianischer Schriftsteller und Geistes-
wissenschaftler wie Rashna Wara, George Gona, Mbugua wa-Mungai, Yvonne Owuozoro der Wambui Mwangi leiten den Rundgang ein. Damit gibt die Ausstellung wichtige Einblicke in die Mentalitäts- und Gesellschaftsgeschichte des ostafrikanischen Staates und berichtet von dem geschichtlichen Hintergrund, vor dem nach den Wahlen im Dezember 2007 in Kenia tiefe gesellschaftliche Probleme aufbrachen, die zum Teil schon seit der Kolonialzeit bestehen. Sie ließen eine traumatisierte Gesellschaft zurück, die nun versucht, sich selbst zu verstehen.

Die Ausstellung wird ab 24. Juli 2009 ein Jahr lang im National-
museum Nairobi gezeigt und reist anschließend in das Iwalewa-Haus in Bayreuth. Sie wurde konzipiert von Johannes Hossfeld, Leiter des Goethe-Instituts Nairobi, und Dr. Ulf Vierke, Leiter DEVA und stellvertretender Leiter des Iwalewa-Haus der Universität Bayreuth.Kuratorin ist Katharina Greven, Programmmitarbeiterin am Goethe-Institut Nairobi.

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