Juni 2009

Kiel: Gefrorene Zeit – Kunst reflektiert die Antarktis

© VG Bild-Kunst, Bonn 2009Weltweit thematisieren die Goethe-Institute in diesem und im kommenden Jahr die kulturellen Dimensionen des Klimawandels. Einer der Höhepunkte ist die Ausstellung „Gefrorene Zeit“, die im Sommer aus Rio de Janeiro in die Stadtgalerie Kiel reist. Sie zeigt Arbeiten bildender Künstler, die in den letzten Jahren in der Antarktis recherchiert haben.

Kiel
13. Juni bis 30. August

© VG Bild-Kunst, Bonn 2009Als einziger Erdteil kennt die Antarktis keine militärischen Waffen, keine wirtschaftliche Nutzung und kein Eigentum an Grund und Boden; ja nicht einmal die reichlich vorhandenen Bodenschätze dürfen ausgebeutet werden: utopische Zustände also. Zugleich gilt die Antarktis als Gradmesser für den Klimawandel. Ihr fragiles Ökosystem reagiert empfindlich auf Umweltschäden, die in anderen Weltgegenden verursacht wurden. Dennoch befindet sich der Südkontinent weitgehend im Zustand der Unschuld. Es ist das Land vor dem Sündenfall und vielleicht das letzte große Versprechen an die Menschheit, nachdem die Tropen ihre paradiesische Anmut eingebüßt haben. Der Eispanzer dieses mythischen Raums gleicht einem riesigen Archiv, in dem die Klimageschichte der Erde gespeichert ist. Die Antarktis ist gefrorene Zeit.

Die Antarktis als künstlerische Projektionsfläche

Dieser Nullpunkt der Kultur eignet sich besonders für ein intellek-
tuelles und künstlerisches Nachdenken über die Welt: Leere, Stille, Abgeschiedenheit, aber auch Reinheit, Klarheit, Frieden sind einige der existenziellen Kategorien, die sich anhand der Antarktis reflektieren lassen.

Von 13. Juni bis 30. August 2009 präsentiert die Stadtgalerie Kiel als einzige Station in Europa in Kooperation mit dem Goethe-Institut die Ausstellung „Gefrorene Zeit“, die bereits in Rio de Janeiro und Argentinien zu sehen war. In Kiel werden Videoarbeiten bildender Künstler im Mittelpunkt stehen, die in den letzten Jahren auf Forschungsstationen in der Antarktis recherchiert haben. Die Künstler setzen dort an, wo die Messungen der Wissenschaftler ihre Grenze erreichen, und erlauben somit eine neue Lesart dieses neuralgischen Punktes der Erde.

Jorge und Lucy Orta errichten aus 50 Zelten, die aus den Flaggen der Nationen der Welt genäht sind, ein “Antarctic Village” und betonen somit den internationalen Anspruch des Kontinents. Im Widerspruch zum Antarktisvertrag, der keinerlei Besitzansprüche zulässt, halten sieben Nationen weiterhin an ihren territorialen Forderungen fest. In der deutschen Forschungsstation Neumayer hat der Kölner Künstler Lutz Fritsch eine Bibliothek eingerichtet: Ein Orientierungspunkt in der unendlichen Weite der Antarktis. Das Dach des Spezialcontainers ist Rot lackiert und schon von weitem im Eis zu sehen; die Seitenwände sind Grün lackiert, Grün: die Sehnsuchtsfarbe in der Antarktis. Ein wohnlicher Raum im Inneren ausgestattet mit einem Ledersofa und individuellem Leselicht ist für die Wissenschaftler, die 15 Monate im ewigen Eis überwintern eine Brücke zur Zivilisation.

Künstler: Erika Blumenfeld (USA), Phil Dadson (Neuseeland), Simon Faithfull (Großbritannien), Lutz Fritsch (Deutschland), Frank Halbig (Deutschland), Andrea Juan (Argentinien), Mireya und Mercedes Masó (Spanien), Thomas Mulcaire (Brasilien), Nunatak (Großbritannien), Jorge und Lucy Orta (Argentinien), Tina Velho (Brasilien) sowie Adriana Groisman/Stefan Oliva (Argentinien / USA), Peter Hertling (Deutschland), Frank Hurley (Großbritannien)

Kuratoren: Alfons Hug (Leiter des Goethe-Institut Rio de Janeiro), Alberto Saraiva (Kurator am Centro Cultural Oi Futuro, Rio de Janeiro)

Das Projekt „Unwetter“:
Die Ausstellung „Gefrorene Zeit“ ist Teil des mehrteiligen Ausstel-
lungsprojekts „Unwetter“ der Goethe-Institute in Südamerika, das auch eine Veranstaltungsreihe einschließt. Die Schau „Unwetter“ präsentiert Arbeiten von 31 Videokünstlern aus 20 Ländern, die sich mit den Folgen der Erderwärmung ästhetisch auseinandersetzen. Sie startete im Januar in Rio de Janeiro und ist derzeit auf der „Biennale am Ende der Welt“ in Ushuaia, Feuerland, zu sehen. Weitere Stationen sind Chile und die Antarktis.

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