Juli/August 2010

Athen: Rimini-Protokoll inszeniert Prometheus-Mythos

Prometheus – das ist der unbelehrbare Rebell, der sich von der Vormundschaft der Götter löst und den Menschen die Kultur bringt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in Griechenland inszeniert das Theaterkollektiv Rimini-Protokoll den Heldenmythos als Metapher des Kampfes für Unabhängigkeit und Freiheit. Am 15. Juli feiert die Produktion, die vom Goethe-Institut unterstützt wird, im Athener Herodes Atticus-Theater Premiere.

Athen
15. Juli 2010

© Yolanda MarkopoulouPrometheus stahl den Göttern das Feuer und brachte es zu den Menschen. Damit stiftete er die menschliche Kultur. Doch das brachte ihm nicht nur Beifall ein: Zur Strafe für den Verrat ketteten ihn die Götter an den Kaukasus, wo ihm jeden Tag zwei Adler die stets nachwachsende Leber aus dem Leib rissen, bis der Held Herakles kam und ihn befreite.

Mit „Prometheus in Athen“ zeigt das Theaterkollektiv Rimini-Protokoll eine Produktion, die die antike griechische Tragödie neu interpretiert und an die aktuellen Ereignisse in Griechenland anknüpft. Wie bei allen Projekten von Rimini-Protokoll verschwimmen auch diesmal die Grenzen von Realität und Fiktion: Der Prometheus-Stoff wird von 105 Laiendarstellern aus Athen gespielt, die individuell Authentisches in die Handlung einbringen. Analog der attischen Volksversammlung repräsentieren 100 der Darsteller die Bewohner Athens: Rimini-Protokoll hat sie nach statistischen Gesichtspunkten ausgewählt. Sozialer Status der Darsteller, Alter, Beruf und Nationalität entsprechen dem Durchschnitt der Athener Bevölkerung. Vier weitere Darsteller repräsentieren die sogenannten „Unsichtbaren“ der Stadt,  Migranten, die in Athen leben und nicht registriert sind. Eine Statistin vertritt die Gewerkschaftsführerin Christina Kouneva, die wegen eines Säureattentats, das auf sie verübt wurde, nicht selbst auftreten kann.

Derzeit laufen die Proben im Goethe-Institut Athen. Am 15. Juli feiert „Prometheus in Athen“ vor der Kulisse des Herodes Atticus-Theaters am Fuß der Athener Akropolis seine Premiere. 
     
Das Theaterkollektiv Rimini-Protokoll mit den Theaterwissenschaftlern Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel entwickelt seit 2000 auf der Bühne und im Stadtraum ihre Inszenierungen, die Experten des Alltags ins Zentrum stellen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Weiterentwicklung der Mittel des Theaters, um ungewöhnliche Sichtweisen auf unsere Wirklichkeit zu ermöglichen. Den Proben zu den Stücken gehen umfangreiche Recherche-, Casting- und Konzeptionsprozesse voraus, die ca. ein Drittel des Arbeitsprozesses ausmachen.


„Prometheus in Athen“ ist eine Produktion des Athens & Epidaurus Festivals in Kooperation mit der Kulturhauptstadt Istanbul 2010 und der Stiftung Zollverein, mit Unterstützung des Goethe-Instituts.
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