Alexandria: „Nassim el Raqs – eine Prise Tanz“
Das Goethe-Institut Alexandria bringt zeitgenössischen Tanz in die Straßen der Stadt. Die Choreographen Frédéric Gies, Mohammed Fouad, Mohamed Shafik und Shaymaa Shoukri haben für das Projekt „Nassim el Raqs – eine Prise Tanz“ mit internationalen Gruppen Performances erarbeitet, die an zentralen Plätzen der Stadt gezeigt werden. Am 12. und 13. Mai führen sie die Zuschauer von der Anfushi Werft zur Plaza der Bibliotheca Alexandria. Am 11. Mai diskutieren die Choreographen mit Experten über die Auswirkungen der arabischen Revolutionen auf die Kunst im öffentlichen Raum.
Alexandria
10. bis 13. Mai
In der arabischen Welt spielt sich ein Großteil des täglichen Lebens auf der Straße ab. Für Kunstprojekte, die auf die spezifische Örtlichkeit antworten, und andere künstlerische Formate waren die Plätze und Cafés aufgrund strikter Kontrollen bislang jedoch nicht zugänglich. Seit Anbruch des Ägyptischen Frühlings wird der Begriff Öffentlichkeit von der Bevölkerung allerdings neu wahrgenommen. Für das Goethe-Institut Alexandria und seine ägyptischen Partner ein Anlass, mit dem Projekt „Nassim el Raqs – eine Prise Tanz“ die Zugänglichkeit des urbanen Raums zu hinterfragen – und zugleich Impulse für den zeitgenössischen Tanz in Ägypten zu geben, der stark von der Folklore geprägt ist.
Am 12. und 13. Mai lassen vier Choreographen zentrale Orte in Alexandria mit international besetzten Tanzgruppen bespielen. Mohammed Fouad, der erste ägyptische Tänzer und Choreograph, der das Stipendium des Wiener „Danceweb Impulstanzfestivals“ erhielt, thematisiert in „Falling Bodies“ die Frage, was auf die politisch-gesellschaftlichen Umbrüche folgt. Mohamed Shafik, der in seiner Arbeit die Wende von der Tradition zum Modern Dance vollzogen hat, reflektiert in „Restoration under Construction“ symbolgeladen über den Schiffsbau – und lässt Fischer und Arbeiter aus der Region neben professionellen Tänzern auftreten.
Das Stück „Borders“ der jungen, aus Kairo stammenden Tänzerin und Choreographin Shaymaa Shoukri untersucht in einer Multimedia-Performance die Momentaufnahmen und Ausschnitte, aus denen sich unsere Wahrnehmung der Stadt zusammensetzt. Und der französische, in Berlin lebende Choreograph Frédéric Gies erzeugt in „Seven thirty in tights“ das Bild eines lebendigen Organismus, in dem jeder seiner zehn Tänzer eine Zelle darstellt. Ein Stück Körperpolitik, das er mit ägyptischen Tänzern vor Ort neu erarbeitet.
Am 11. Mai bereitet ein Symposium im Institut Français Alexandria das Tanzevent vor. Anne le Batard, in Beirut arbeitende Expertin für Tanz im öffentlichen Raum, Selma Ouissi, Mitveranstalterin des Open-Air-Festivals „Dream City“ in Tunesien sowie der ägyptische Tänzer und Festivalkurator Adham Hafez diskutieren gemeinsam mit den Choreographen, welche Chancen und Perspektiven Kunst im öffentlichen Raum vor dem Hintergrund der Revolutionen in Ägypten und Tunesien hat.







