2008

26.03.2008: Goethe-Medaille 2008 verliehen 

München, den 26. März 2008 - Am 26. März hat die Präsidentin des Goethe-Instituts Jutta Limbach in Weimar die diesjährigen Goethe-Medaillen an den afghanischen Germanistik-Professor Gholam Dastgir Behbud, den französischen Theaterregisseur Bernard Sobel und den amerikanischen Übersetzer John E. Woods verliehen. Mit der Goethe-Medaille, offizieller Orden der Bundesrepublik Deutschland, ehrt das Goethe-Institut Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um den internationalen Kulturaustausch verdient gemacht haben.

Jutta Limbach betonte in ihrer Begrüßungsrede, dass die auswärtige Kulturarbeit des Goethe-Instituts nicht als einseitige Präsentation der deutschen Sprache und Kultur im Ausland, sondern als zweiseitiges Schaffen zu begreifen sei: „Zuerst haben wir übereinander gelernt, dann haben wir voneinander gelernt und nun ist es Zeit, miteinander zu lernen.“ Daher zeichne die Goethe-Medaille in diesem Jahr „Grenzgänger“ aus, die „das kulturelle Miteinander inspiriert haben“.

In der anschließenden Festrede sprach die Direktorin des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin und Vorstandsvorsitzende der Geisteswissenschaftlichen Zentren Berlin Sigrid Weigel von der Wichtigkeit des kulturellen Austausches in der heutigen Zeit, in der „in der deutschen Kultur zahlreiche Stimmen anderer kultureller Herkunft immer deutlicher und prononcierter vernehmbar werden“. Die Stadt Weimar als Ort für die Verleihung der Goethe-Medaille sei in diesem Zusammenhang symbolträchtig, da Weimar gleichzeitig ein herausragender Ort der kulturellen Überlieferung Deutschlands und eine Kulturhauptstadt Europas sei und so die „Versöhnung von nationaler und europäischer Kultur – zumindest symbolisch – antizipiert“.

Gholam Dastgir Behbud wurde mit der Goethe-Medaille für sein Engagement für die Germanistik in Afghanistan und den Wiederaufbau der Universität Kabul geehrt. Als Leiter des Instituts für Germanistik gab Behbud der Lehre in Afghanistan neue Impulse. Zugleich hat er als Übersetzer, Journalist und Verantwortlicher im afghanischen Hochschulministerium die deutsch-afghanischen Beziehungen gestärkt. Er vernetzte die Universität mit den Provinzen und lokalen Schulen und schuf die Basis für die Ausbildung qualifizierter Deutschlehrerinnen und -lehrer, Dolmetscher und Übersetzer. Sein „unermüdliches und wunderbares Wirken mit und durch die deutsche Sprache“, so die Laudatorin Susanne Koelbl, langjährige „Spiegel“-Auslandskorrespondentin in Afghanistan, habe ein einmaliges Netzwerk mit der deutschen Sprache als tragendem Bindeglied geschaffen und die Brücke zwischen den Völkern über die Jahrzehnte aufrechterhalten. An der Universität Kabul, dem „Herzstück geistiger Auseinandersetzung in Afghanistan“, habe Behbud den intellektuellen Diskurs wieder aufleben lassen. Er vermittle seinen Studenten Wissen als „Instrumentarium von unschätzbarem Wert“ und bringe ihnen die deutsche Sprache als Raum für Diskussion und Weg in die internationale Gemeinschaft näher. So sorge Behbud dafür, „dass die Erwartungen und Träume dieser jungen Menschen, die zur Zukunft entschlossen sind, nicht ins Leere laufen.“

Der französische Theaterregisseur Bernard Sobel erhielt die Goethe-Medaille für seine Pionierarbeit im Bereich des deutschsprachigen Theaters in Frankreich. 1963 gründete Sobel das Theâtre de Gennevilliers nahe Paris, das in den folgenden vierzig Jahren Ur- und Erstaufführungen von Brecht, Lessing, Heiner Müller, Christian Dietrich Grabbe und vielen anderen verzeichnete. In ihrer Laudatio hob Nele Hertling, langjährige Direktorin des Berliner Hebbeltheaters und Vizepräsidentin der Akademie der Künste, Sobels Verbundenheit mit dem deutschsprachigen Theater hervor. Ihm sei es zu danken, so Hertling, dass deutsche Autoren und deutsches Theater in die Spielpläne der großen Häuser und Festivals in Frankreich Eingang gefunden hätten – und das bereits in der Nachkriegszeit. Offen für alles Neue, sei Sobel doch nie den Moden gefolgt. In seiner „leidenschaftlichen Unbeirrbarkeit“ sei es ihm gelungen, „eine Allianz zu schaffen zwischen Begeisterung und Reflexion“ und „über das Spektakuläre hinaus zum Denken herauszufordern.“ So nehme Bernard Sobel einen festen Platz in der deutsch-französischen Geschichte ein und stehe mit seinem Werk beispielhaft für den regen künstlerischen und intellektuellen Austausch zwischen Deutschland und Frankreich.

Der Übersetzer John E. Woods wurde für seine langjährige Vermittlung zwischen der deutschen und amerikanischen Sprache und Literatur ausgezeichnet. Die Bandbreite seiner Übersetzungen zeigt eine umfassende Kenntnis der deutschen Literatur. Woods übersetzte Thomas Mann und Arno Schmidt, aber auch Döblin, Raabe, Dürrenmatt, Grass, Ransmayr, Dörrie und Treichel. Schmidts „Abend mit Goldrand“ etwa sei nicht nur grandios übersetzt und, wie der Gründer und Vorstand der Arno Schmidt Stiftung Jan Philipp Reemtsma in seiner Laudatio betonte, als erstaunende Leistung zu würdigen – „zumal, man glaubt es kaum, für einen Erstling“. Es sei auch ein Werk, für das Woods nicht genug zu danken sei, weil erst mit seiner Übersetzung Arno Schmidt in den Blick der angelsächsischen literarischen Öffentlichkeit geraten konnte. Nach diesem furiosen Start, so Reemtsma weiter, sei Woods verdient zu einem der führenden, „vielleicht dem führenden Übersetzer deutscher Literatur ins Englische“ geworden.

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Kontakt:

Christine Regus
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Viola Noll
Goethe-Institut
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