Katina Klänhardt über Almaty: „Dieser schreckliche Borat“

Blick aus der Stadt in die Berge (Foto: Katina Klänhardt)
4. Januar 2013
Katina Klänhardt wusste nicht viel über Almaty, als sie für das Goethe-Institut dorthin ging. Im Interview erzählt sie, was sie in der kasachischen Metropole erwartete. Nicht nur ein beeindruckendes Bergpanorama, sondern auch: Opern, Jazz und Äpfel.
Stimmt es eigentlich, dass Almaty „die Stadt der Äpfel“ bedeutet?
Klänhardt: Das stimmt nur fast, Almaty bedeutet eigentlich „Großvater der Äpfel“. Der Apfel ist ein Wahrzeichen der Stadt, denn hier gibt es den sehr berühmten und köstlichen Aport-Apfel. Er ist sehr aromatisch und hat ungefähr die dreifache Größe eines normalen Apfels. In der Sowjet-Ära musste ein Großteil der Apfelplantagen hier leider Immobilien weichen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion kam dann der Öl-Boom, der Almaty für die Wirtschaft interessant machte. Dafür wurden erneut viele Plantagen platt gemacht. Nun droht der Apfel sogar auszusterben, denn es gibt nicht mehr viele Bäume und er ist nur schwer nachzuzüchten.
Was hat Sie am meisten überrascht, als Sie nach Almaty kamen?
Dass die Überraschung ausblieb. Ich habe vorher überhaupt nichts mit der Region zutun gehabt und war auf einen gewissen Kulturschock vorbereitet, doch für Deutsche ist es hier sehr normal. Die Leute sind wahnsinnig nett und freundlich. Ich fühlte mich hier vom ersten Tag an wohl.
Was ist Ihr persönlicher Lieblingsort in Almaty?
Der Panfilov-Park, ein wunderschöner Park in der Stadt, mit einer tollen orthodoxen Kirche. Der Park ist nie komplett leer. Dort steht auch eine kleine Holzhütte, in der sich nachmittags die älteren Herren zum Schachspielen treffen.

Goethe-Mitarbeiterin Klänhardt: „Kasachstan ist sehr spannend und die Menschen hier sind extrem offen.“ (Foto: privat)
Eigentlich für alles – außer für diesen schrecklichen Borat-Film, für den ist Kasachstan zu Unrecht berühmt. Ich wohne beispielsweise ganz nah an den Bergen, die sind hier allgegenwärtig. Diese Landschaft rund um Almaty ist unglaublich beeindruckend. Dafür ist die Stadt definitiv zu Unrecht nicht berühmt.
Welches Gericht sollte man sich in Kasachstan auf keinen Fall entgehen lassen?
Plov. Auch wenn es kein urkasachisches Gericht ist, denn die zentralasiatischen Länder streiten sich untereinander darüber, wo es genau herkommt. Es ist sehr beliebt in Kasachstan und ein typisches Festtagsessen. Es handelt sich dabei um ein Reisgericht mit Hammelfleisch, das sehr lange gekocht wird. Es schmeckt großartig. Ein anderes und für Kasachstan sehr typisches Gericht, das ich nicht so toll finde, ist Beschbarmak. Das bedeutet Fünffinger-Gericht, denn man isst es mit der Hand. Mit großen Nudelfladen greift man in einen Teller mit Pferdefleisch. Fleisch und Fladen stopft man sich dann zusammen in den Mund.
Wer kommt zu Ihnen ins Goethe-Institut?
Hauptsächlich junge Leute, die bereits studieren oder für das Studium nach Deutschland gehen wollen. Einige Eltern planen die Karrieren ihrer Kinder von klein auf, so dass viele von ihnen schon früh anfangen, Deutsch zu lernen, damit sie später ihr Studium in Deutschland absolvieren können. Studieren ist in Deutschland günstiger als in Kasachstan, denn die Studiengebühren sind hier sehr hoch. Außerdem gab es in Kasachstan mal eine große deutsche Minderheit. Die Nachkommen können heute teilweise kein Deutsch mehr und wollen es dann neu erlernen.
Die orthodoxe Kirche im Panfilov-Park (Foto: Katina Klänhardt)
Was machen Ihre Kasachischkenntnisse?
Ich spreche kein Kasachisch, habe aber angefangen, Russisch zu lernen. Mit Russisch kommt man hier noch immer ganz gut durch. Selbst mit Händen und Füßen kann man sich sehr gut verständigen. Die Kasachen sind sehr kommunikativ und haben keine Scheu vor Sprachbarrieren.
Was machen kulturell interessierte Almatyer in ihrer Freizeit am liebsten?
Theater und Musik werden hier groß gefeiert. Die Oper ist ständig ausverkauft und wird generationsübergreifend sehr gut besucht. Dort sieht man dreijährige Jungs im Anzug, die brav neben ihren Großmüttern sitzen. Jazz-Musik ist hier übrigens auch sehr beliebt. Es gibt hier viele Jazz-Konzerte und einmal im Jahr ein großes Festival. Das kulturelle Angebot ist allerdings eher klassisch ausgerichtet. Jungen Künstlern fehlen oft neue und innovative Impulse.
Was haben Sie heute nach Feierabend geplant?
Ich werde mit ein paar Freunden eine Fahrt mit dem Tram Café Almaty machen. Das ist eine kleine altmodische Bahn, die in ein Café umgebaut wurde und abends für ein paar Stunden durch die Stadt fährt. Während der Fahrt kann man Snacks zu sich nehmen und ein Bier trinken.
Die Fragen stellte Vera Schilf
Geboren wurde Katina Klänhardt, 28, in Eckernförde. Als Kind wollte sie eigentlich Konditorin werden. Stattdessen studierte sie Germanistik und Politikwissenschaft in Eichstätt. Sie war bereits in Jakarta und München. In Almaty ist sie Volontärin am Goethe-Institut und arbeitet mit in der Programmabteilung, in der Sprachabteilung und in diversen Projekten. Ihr Traum: Einmal mit dem Motorrad durch Zentralasien zu fahren. Übrigens: In ihrer Freizeit lernt sie, wie man das Zupfinstrument Dombra spielt.










