Neun Fragen an ...

Lukas Schultheiß über Paris: „Die Menschen sind hier alle so gestresst“

Lukas Schultheiß Foto: Lukas Schultheiß
Zum Entspannen geht Lukas Schultheiß am liebsten an die Seine (Foto: Lukas Schultheiß)

8. Mai 2013

Was Lukas Schultheiß an Paris besonders gern mag, sind die Seine, die Architektur und dass die Stadt teilweise wie ein kleines Dorf wirkt. Im Interview spricht der 19-Jährige, der am Goethe-Institut seinen Freiwilligendienst leistet, über Pariser Mentalität, Métro und Mieten.

Stimmt es eigentlich, dass Gebäude in Paris per Gesetz nicht höher als sechs Stockwerke sein dürfen, „pour que tout le monde ait du soleil“ (damit jeder Sonne habe)?

Schultheiß: Ja, das stimmt. Das geht zurück auf die Epoche von Georges-Eugène Haussmann, 19. Jahrhundert. Da wurde diese Regel festgelegt. Es gibt sogar für die Zimmerhöhe eine Vorgabe. In den Vorstädten stehen schon Hochhäuser. Die Architektur dort ist ganz anders als in der Innenstadt, wo die Häuser tatsächlich meistens gleich groß sind. Die Pariser Architektur beeindruckt mich sehr, mit ihrer Symmetrie und den großen, schönen Boulevards.

Was sehen Sie, wenn Sie aus Ihrem Bürofenster schauen?

Ich sehe den Eiffelturm! Ich muss mich zwar ein bisschen verrenken, aber ich sehe ihn. Das Pariser Goethe-Institut ist wirklich sehr schön gelegen. Wir sind in der Nähe vom Trocadéro – zu Fuß ist man in fünf Minuten da. Auch der Eiffelturm und die Seine sind in Laufnähe. Trotzdem trifft man hier im 16. Arrondissement kaum Touristen. Hier ist eher eine Wohngegend – dazu eine sehr schicke.

Foto: Loredana La Rocca
Das Goethe-Institut in der Avenue d'Iéna (Foto: Loredana La Rocca)

Was machen Ihre Französischkenntnisse?

Da ich Französisch im Abitur hatte, waren meine Französischkentnisse schon vorher ganz okay. Mein Abi habe ich letzten Sommer gemacht, und im September bin ich schon nach Paris gekommen. Ich habe so Auf und Abs mit der Sprache. Mal habe ich das Gefühl, ich mache große Fortschritte, und dann kommt wieder eine Phase, in der denke, ich kann überhaupt kein Französisch. Hier im Institut sprechen wir beide Sprachen. Ich habe mittlerweile einen recht großen Wortschatz – das sagen mir zumindest die Franzosen. Aber als ich dann in der Bank stand und ein Konto eröffnen wollte, haben mir doch ein paar Vokabeln gefehlt.

Foto: Lukas Schultheiß
Goethe-Mitarbeiter Lukas Schultheiß: „Dank des Elysée-Jubiläums zahle ich unverhältnismäßig wenig Miete“ (Foto: privat)
Können Sie uns einen landestypischen Witz erzählen?

Vielleicht nicht unbedingt landestypisch, aber lustig: C’est l’histoire d’un schtroumph qui tombe par terre et qui se fait un bleu. (Das ist die Geschichte eines Schlumpfes, der auf den Boden fällt und sich einen blauen Fleck holt.)

Eine Frage des Anstands: Was sollte man in Paris auf gar keinen Fall tun?

Wenn die Métro voll ist, sollte man auf gar keinen Fall diese Klappsitze herunterklappen und sich darauf setzen. Dann erntet man sehr viele böse Blicke. Sowieso ist das Thema Métro in Paris so eine Geschichte für sich. Alle Métro-Passagiere sind schlecht gelaunt. Aber irgendwie verständlich: Wenn man morgens in eine total überfüllte Bahn steigt und 25 Minuten lang steht, ist das wirklich kein guter Start in den Tag.

Foto: Loredana La Rocca
Eingang zur Métro (Foto: Loredana La Rocca)

Woran verzweifeln Sie in Paris?

Was mich manchmal etwas nervt, ist die Pariser Mentalität. Die Pariser sind sehr von sich überzeugt und halten viel von sich. Leider kommt man als Zugezogener auch selten mit Parisern in Kontakt. Meine französischen Freunde sind alle Zugezogene, ein Freund kommt beispielsweise aus Strasbourg. Ich finde man merkt den Unterschied. Die Pariser sind irgendwie alle so gestresst und das steckt an – ich werde dann selber auch ganz ungeduldig.

Und was richtet Sie dann wieder auf?

Ich versuche einfach ein bisschen zu entspannen. Man kann die Pariser Attitüde ja selbstverständlich auch nicht pauschalisieren. Ich lebe bei einem sehr netten älteren Franzosen, Philippe. Als ich nach Paris kam, habe ich einen Aushang im Goethe-Institut gemacht. Daraufhin hat mich Philippe kontaktiert. Er wohnt in einer Riesenwohnung in Quartier République – normalerweise teures Pflaster, aber ich zahle bloß 450 Euro Miete. Wegen des diesjährigen Elysée-Jubiläums wollte mein deutsch-interessierter Mitbewohner etwas für die deutsch-französische Freundschaft tun. Mein Glück: Das ist eine superschöne Gegend und ich habe die Pariser Party-Straße direkt vor der Haustür.

Foto: Lukas Schultheiß
Blick vom Arc de Triomphe (Foto: Lukas Schultheiß)

Wenn Sie nur noch einen einzigen Tag in Paris sein dürften, wie würden Sie ihn verbringen?

Was ich am schönsten finde in Paris, ist die Seine. Ich würde daher an der Seine mit meinen Freunden grillen, Bier trinken und entspannen. Gestern war ich zum ersten Mal dieses Jahr dort und habe mir sofort einen Sonnenbrand geholt.

Wie hat Paris Ihr Leben verändert?

Bevor ich nach Paris kam, habe ich noch bei meinen Eltern gewohnt. Jetzt lebe ich zum ersten Mal ganz alleine, und das in einer so großen Stadt, in einem fremden Land, mit einer fremden Sprache. Ich komme gut klar hier, also kann ich mich sicherlich in jeder großen Stadt zurechtfinden – obwohl Paris an manchen Stellen sympathischerweise wie ein kleines Dorf wirkt. Ich habe sehr viel gelernt und werde noch sehr viel lernen – bis August bin ich ja noch hier.

Die Fragen stellte Elisa Stahmleder

Geboren wurde Lukas Schultheiß in Stuttgart. Als Kind dachte er daran, Fußballspieler zu werden. Dann wurde ihm jedoch klar, dass daraus realistisch gesehen nichts wird. Deshalb entschied er sich, nach dem Abi erst einmal ins Ausland zu gehen. Am Goethe-Institut Paris ist er seit September 2012, wo er mit dem Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) vom Deutschen Roten Kreuz ein Jahr verbringt. Sein Traum: irgendwann einmal am Meer leben und nach der Arbeit surfen gehen – am besten an einem ruhigen Surfspot wo er die Wellen ganz für sich alleine hat. Übrigens: Lukas Schultheiß ist jedes Jahr in Frankreich am Meer.

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