Petra Behlke-Campos über Lima: „Den Moment im Hier und Jetzt auskosten“

Der Cerro San Cristóbal in Lima (Foto: Martin Garcia)
4. Februar 2011
Die Stadt der Könige hat einiges zu bieten: koloniale Architektur, Museen und breite Strände. Petra Behlke-Campos, Institutsleiterin am Goethe-Institut Lima, über den lässigen Umgang der Peruaner mit der Zeit, kulinarische Höhepunkte und ihre Liebe zum Meer.
Was bewegt die Peruaner derzeit am meisten?
Thema Nummer eins ist die Präsidentschaftswahl im April. Das erregt die Gemüter momentan am meisten und ist auch Thema in allen Zeitungen. Es gibt viele Kandidaten, darunter auch ein Ex-Präsident, der sich nochmals zur Wahl stellt. Das ist in Peru nichts Ungewöhnliches.
Welche Frage über Deutschland hören Sie besonders oft?
Die meisten Fragen haben mit den Studienmöglichkeiten in Deutschland zu tun. Aber natürlich werde ich auch gefragt, wie das Leben in Deutschland ist. Die Peruaner, die bei uns Deutsch lernen, sind zu 75 Prozent Studenten, die sich durch das Erlernen dieser Fremdsprache bessere Berufsmöglichkeiten erhoffen.
Fotostrecke: Die Stadt der Könige
Wo ist Lima am schönsten?
Am Meer. Ich habe mich nach Lima beworben, weil diese Stadt am Meer liegt. Ich liebe das Meer und ich liebe das Wasser. Und ich wohne auch direkt am Meer. Das ist für mich ein ganz besonderes Stückchen Erde. Viele lassen sich von Lima abschrecken, weil es sehr oft neblig, grau und trübe ist. Das ist tatsächlich ungefähr die Hälfte des Jahres der Fall. Aber jetzt im Sommer ist es wunderschön. Das historische Zentrum Limas ist auch ein sehr schöner Ort, wo ich mich oft aufhalte. Lima wurde 1535 von Francisco Pizarro „die Stadt der Könige“ genannt. Es ist heute eine Metropole mit fast 10 Millionen Einwohnern, und es gibt herrliche koloniale Bauten und Klöster. Und dann habe ich noch einen Geheimtipp: einen Friedhof. Er ist einer der größten Friedhöfe der Welt und sehr beeindruckend. Dort herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Ein Bekannter von mir, der schon seit 20 Jahren in Lima lebt, hat ihn mir bei einer alternativen Stadtführung gezeigt.
Welches kulturelle Highlight sollten Lima-Besucher keinesfalls verpassen?
Die Museen, das wunderschöne Gold-Museum zum Beispiel. Es gab einmal eine „noche en blanco“ in Lima, für die sich die europäischen Kulturinstitute zusammengeschlossen haben und gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine ganze Nacht Theater, Musik und Tanz angeboten haben. Und zwar in einem der schönsten Viertel Limas, dem Touristenviertel am Meer, Miraflores. Über 80.000 Personen haben daran teilgenommen, das war ein absolutes Highlight. Es wurde noch monatelang darüber gesprochen. Leider hat das bisher nur einmal stattgefunden und konnte in den folgenden Jahren aus Mangel an Geld nicht mehr veranstaltet werden.
Wer kommt zu Ihnen ins Goethe-Institut?
Zum größten Teil Studenten, junge Berufstätige, die auch in Deutschland studieren oder einen Master machen wollen. Aber auch Menschen, die hier an deutschen Firmen arbeiten möchten und für die die deutsche Sprache dann ein berufliches Plus ist.
Was kann man von den Peruanern lernen?
Eine Menge! Das erste, was ich bemerkt habe, als ich nach Peru gekommen bin, ist diese ungeheure Offenheit gegenüber Fremden. Sie kommen sofort ins Gespräch mit uns und laden sehr schnell zu sich nach Hause ein. So etwas habe ich in der Art nur selten erlebt. Und das zweite ist dieser lässige Umgang mit der Zeit. Das, was uns Deutsche auszeichnet, unsere Pünktlichkeit, ist hier überhaupt nicht der Fall. Die Peruaner sind grundsätzlich unpünktlich. Aber dadurch lassen sie sich auch ganz selten unter Druck setzen und genießen die Gegenwart. Sie denken nicht immer schon an die Zukunft und versuchen den Moment im Hier und Jetzt auszukosten. Und das, finde ich, ist schon eine schöne Sache.
Was wäre Ihr Traumprojekt am Goethe-Institut?
Eine „noche en blanco“ wäre ein Projekt, das ich unbedingt noch einmal machen möchte.
Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie nach Deutschland kommen?
Auf meine Familie. Meine Tochter studiert in Passau Kulturwirtschaft im ersten Semester. Und mein Mann ist derzeit auch in Deutschland. Dann freue ich mich auf weniger Verkehr als in Lima und darauf, einfach wieder Zeit zu haben und zu entspannen. Und ich freue mich auch auf den Schnee.
Und worauf, wenn Sie wieder in Lima sind?
Auf das Essen! Lima hat sich in den letzten Jahren zur kulinarischen Hauptstadt Lateinamerikas entwickelt. Es zeichnet sich durch eine Vielfalt an kulinarischen Spezialitäten aus: Fisch, Meeresfrüchte, aber auch verschiedene Gemüsesorten. Es ist aber nicht nur das Essen, sondern auch die Einstellung der Menschen dazu. Man isst hier nicht, um zu leben, man isst und genießt. Und wo auch immer Sie hingehen, ob in billige oder in teure Restaurants, Sie essen gut.
Die Fragen stellte Anne-Kathrin Lange
Petra Behlke-Campos, 55, studierte Romanistik, Anglistik und Germanistik. Anschließend arbeitete sie in Pinneberg bei Hamburg als Gymnasiallehrerin. Weil aber ihr Ziel schon immer die Erwachsenenbildung war, kam sie zum Goethe-Institut und feiert 2011 bereits ihr 25-jähriges Dienstjubiläum.










