Neun Fragen an ...

Edem Attiogbé über Lomé: „Deutschland ist hier auch heute noch sehr präsent“

privatCopyright: Goethe-Institut Lomé
Ehemaliger Gouverneurspalast aus der deutschen Kolonialzeit in Lomé (Foto: Martin Devrient)

7. April 2011

Lomé, die Hauptstadt Togos, ist der Geburtsort von Edem Attiogbé. Seit 2010 ist er der erste afrikanische Institutsleiter eines Goethe-Instituts. Im Interview spricht er über die Spuren der deutschen Kolonialzeit, kleine Fortschritte in seinem Land und die Lebensfreude der Afrikaner.

Was bewegt die Togoer derzeit am meisten?

Die politische Lage ist derzeit relativ stabil, und 2007 hat auch die Europäische Union die Zusammenarbeit mit Togo wieder aufgenommen. Davor gab es keine Hilfe von außen, nun hoffen die Menschen in Togo auf eine schnelle Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. Seit einigen Monaten werden bereits viele Straßen in Lomé, die in den letzten Jahren kaputtgegangen sind, saniert. Die Menschen freuen sich darüber und hoffen als nächstes darauf, dass nach Jahren endlich auch die Gehälter wieder erhöht werden.

Was kann man von den Menschen in Togo lernen?

Togoer und vielleicht die meisten Afrikaner haben die Gabe, trotz ihrer Armut hoffnungsvoll und lebensfroh zu bleiben. Egal, was passiert, sie sind immer froh und hoffen auf eine bessere Zukunft.

Copyright: Elisabeth Eydieux, Martin Devrient
Fotostrecke: Die Stadt am Wasser


Warum lernen die Togoer Deutsch?

Die meisten Togoer, die Deutsch lernen, möchten gerne in Deutschland weiterstudieren. Wir haben über tausend Studenten an der Universität Lomé, die Germanistik studieren. In den Schulen in ganz Togo haben wir circa 20.000 Schüler, die Deutsch lernen, und im Goethe-Institut hatten wir letztes Jahr über 1.200 Einschreibungen. Ansonsten gibt es inzwischen auch viele, die im Rahmen der Familienzusammenführung Deutsch lernen müssen oder sollen.

Wo haben Sie selbst Deutsch gelernt?

Ich habe meinen ersten Deutschkurs in der ersten Klasse gehabt. Während meiner Schulzeit habe ich nebenbei auch Kurse des Goethe-Instituts besucht. Und da ich Stipendiat des Pädagogischen Austauschdiensts war, durfte ich dann vier Wochen in Deutschland verbringen. Das war mein erster Aufenthalt in Deutschland überhaupt. Dann habe ich vier Jahre lang an der Universität Lomé Deutsch studiert.

Wo ist Lomé am schönsten?

Am Meer! Da fühle ich mich am wohlsten. Das Goethe-Institut liegt auch nicht weit weg vom Meer – vielleicht einen Kilometer – manchmal fahre ich in der Mittagspause zum Strand, um ein bisschen Stress abzubauen. Die Menschen hier lieben den Strand. Es ist einer der wichtigsten Orte in Lomé, da wir keinen Park oder ähnliches in der Stadt haben. Am frühen Sonntagmorgen joggen viele Einwohner Lomés zum Strand und bleiben bis zum späten Abend dort.

Welche Erfahrung werden Sie nie vergessen?

Institutsleiter Attiogbé: „Am Meer fühle ich mich am wohlsten“ (Foto: privat)


Ein Erlebnis, das gleichzeitig unangenehm und positiv war: als im Jahr 2005 das Institut in Brand gesteckt wurde. Es war wirklich ein Schock und sehr traurig. Aber so haben wir auch die Gelegenheit gehabt festzustellen, wie sehr die Togoer ihr Goethe-Institut lieben. Wir haben damals Solidarität und Unterstützung von allen Seiten bekommen. Für mich war das in den neun Jahren, die ich am Goethe-Institut Lomé verbracht habe, eine der unvergesslichsten Erfahrungen.

Was wäre Ihr Traumprojekt am Goethe-Institut?

Ein Webprojekt mit dem Titel Auf deutschen Spuren in Togo, da mir das Thema persönlich besonders am Herzen liegt. Togo war von 1884-1914 deutsche Kolonie. Aus dieser Zeit sind heute noch Spuren erkennbar – nicht nur in der Architektur, auch in der Sprache und den Gewohnheiten. Ebenfalls ein wichtiges Thema in diesem Jahr ist unsere Jubiläumsfeier, die wir momentan vorbereiten. Das Goethe-Institut Lomé wird 50 Jahre alt. Es wurde am 21. Oktober 1961 offiziell eröffnet.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie nach Deutschland kommen?

Auf das Klima. Ich finde es sehr angenehm, ein bisschen von der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit wegzukommen. In Lomé ist es immer sehr heiß, manchmal gibt es 38 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Und worauf, wenn Sie wieder in Lomé sind?

Auf die Familie, die Kollegen – und die Arbeit. Denn sie macht sehr großen Spaß. Es ist jedoch nicht nur eine große Ehre, sondern auch eine große Verantwortung und Herausforderung, hier Institutsleiter zu sein.

Die Fragen stellte Caroline Meurer

Edem Attiogbé, 34, ist in Lomé geboren und studierte Germanistik an der Universität Lomé. 2002 kam er als Leiter der Bibliothek zum Goethe-Institut Lomé und ist dort seit September 2010 der erste Afrikaner, der ein Goethe-Institut leitet.
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