Neun Fragen an ...

Eva Schulz über Melbourne: „Hier gibt es Kultur nonstop“

Eva SchulzCopyright: Carey Ciuro
Die Melbourne Foot Bridge am Fluss Yarra (Foto: Carey Ciuro)

8. Oktober 2011

Melbourne ist die Kulturmetropole am anderen Ende der Welt. Das zumindest findet Eva Schulz vom dortigen Goethe-Institut. Sie schwärmt von einer Stadt mit lebendigen Szenevierteln, in der die Kultur niemals schläft.

Was können wir von den Australiern lernen?

Man sollte das Leben etwas leichter nehmen: das schöne Wetter genießen, alles nicht so ernst nehmen, entspannt durch das Leben gehen und es sich einfach gut gehen lassen. So machen es die Australier.

Was war Ihr größter Kulturschock?

1961 bin ich nach Australien gekommen und hatte mir den Kontinent so ähnlich wie den Wilden Westen vorgestellt. Ich war dann sehr überrascht, wie europäisch das Land anmutete. Ich hatte sogar Bedenken, dass das Leben nicht so anders sein wird, wie ich es gern gehabt hätte. Das Leben war dann auch ganz anders als im Wilden Westen, aber doch sehr gut.

Wo ist Australien am schönsten?

Es ist wunderschön, in Australien auf dem Land zu sein, entweder in den Bergen oder am Meer. Man hat viel Platz, keine überfüllten Strände und absolute Ruhe. Und dazu liegt in der Luft der Duft der Eukalyptusbäume. Das ist das, was in Australien am schönsten ist.

Welches kulturelle Highlight sollten Melbourne-Besucher auf keinen Fall verpassen?

Melbourne ist aufgeteilt in ein Sportviertel, ein Szeneviertel und ein kulturelles Viertel. Das kulturelle Viertel hat eine sehr schöne Nationalgalerie, eine zeitgenössische Galerie, eine Konzerthalle, die gerade umgebaut wird, und ein Staatstheater. Das kulturelle Highlight in Melbourne – abgesehen davon, dass es hier Kultur nonstop gibt –, ist das Melbourne International Art Festival, das im Oktober stattfindet. Hier treffen sich Künstler aus aller Welt. Ansonsten gibt es das ganze Jahr über viele Festivals aller Nationen. Das reicht von Mainstream, Kultur und Oper über Ballett, Theater bis hin zu Konzerten. Es gibt das Melbourne Fringe Festival, das Theaterfestival, es gibt Comedy-Festivals und vieles mehr. Es ist immer etwas los.

Warum lernen Australier Deutsch?

Auswanderin Schulz: „Man sollte das Leben etwas leichter nehmen" (Foto: privat)
Weil sie an Deutschland interessiert sind, weil sie reisen möchten, zum Teil auch weil es sehr viele Partnerschaften und Ehen mit Deutschen gibt.

Welchem kulturellen Hochgenuss frönen Menschen in Melbourne besonders?

Das ist schwer zu sagen. Also ich denke, die Filmfestivals sind sehr beliebt. Auch unseres wächst ständig. Die Nationalgalerie ist eine Ikone, hier wird jeden Winter das Melbourne Winter Master Series veranstaltet, letztes Jahr mit dem Städel, dieses Jahr mit dem Motto: Vienna: Art & Design - Klimt, Schiele, Hoffmann, Loos – also riesengroße Ausstellungen, die sehr beliebt sind und nur in Melbourne gezeigt werden. Genau so wie klassische Konzerte, Oper und Ballett, wird auch das Zeitgenössische deutlich wahrgenommen.

Was wäre Ihr Traumprojekt?

Ich bin hauptsächlich im Sprachbereich tätig und versuche meine Traumprojekte immer zu verwirklichen. Mein nächstes Traumprojekt ist es, eine enge Partnerschaft zwischen Schulen, Wirtschaft und Akademikern herzustellen. Dies soll Schülern durch Kontakt mit deutschen Geschäftsleuten und Akademikern die Möglichkeiten aufzeigen, die sich ihnen eröffnen, wenn sie Deutsch lernen.

Wer kommt zu Ihnen ins Goethe-Institut?

Zu uns kommen natürlich unsere Kursteilnehmer und Lehrer, die unsere Fortbildungen besuchen. Wir machen Programme für Schüler und bringen sie in Zusammenhang mit Ausstellungen. Wir haben ein kleines Inhouse-Kulturprogramm mit Vorträgen. Es kommen natürlich auch deutsche Einwanderer und Touristen zu diesen Veranstaltungen. Aber zum größten Teil kommen Australier.

Über welches Thema wird in der Melbourner Presse zurzeit am heftigsten gestritten?

Über unsere Premierministerin Julia Gillard. Sie möchte die Asylsuchenden nicht im Land haben, obwohl ihre Partei ursprünglich versprochen hatte, die Lager grundsätzlich aufzulösen. Das ist sehr heftig umstritten. Es geht um die sogenannten Boatpeople, die – von Indonesien kommend – vor Christmas Island aufgegriffen werden. Dieser Menschenschmuggel soll verhindert werden, indem man die Flüchtlinge einfach nicht aufs Festland lässt, sondern nach Malaysia weiterschickt oder in Lagern festhält.

Die Fragen stellte Patrizia Barba

Eva Schulz, 63, ist 1975 nach Australien ausgewandert. Zunächst arbeitete sie dort in der Autoindustrie. 1979 kam sie dann zum Goethe-Institut, um wieder Bezug zur deutschen Sprache zu bekommen. Sie arbeitete zunächst in der Bildungskooperation und als eine der ersten regionalen Werbebeauftragten. Seit 2008 ist sie stellvertretende Institutsleiterin im Goethe-Institut Melbourne.
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