Josefin Fürst über Stockholm: „Literatur spielt eine große Rolle“

Panorama auf die Strandvagen Promenade von Stockholm (Foto: iStock/fotoVogager)
5. September 2012
Wer an Stockholm denkt, dem fallen meist zuerst die Altstadt Gamla Stan und die Schärenküste ein. Doch die schwedische Hauptstadt hat viel mehr zu bieten. Josefin Fürst vom Goethe-Institut erzählt uns, was Schweden in ihrer Freizeit gerne machen und warum sie gerne nach Deutschland reist.
Stimmt es eigentlich, dass Schweden weltweit auf dem ersten Platz liegt, was den Zuckerkonsum angeht?
Fürst: Stimmt genau! In Schweden gibt es überall Süßigkeiten zu kaufen und ständig sieht man Menschen, die Süßigkeiten essen. Auch die Eiskultur in Schweden ist sehr ausgeprägt. Das ist eigentlich kaum zu glauben, aber es ist so. Der Zuckerkonsum in Schweden ist genauso hoch wie der Kaffeekonsum, da stehen die Schweden nach den Finnen weltweit auf dem zweiten Platz. Auch das hätte wahrscheinlich keiner gedacht. Aber Kaffee ist ein wichtiger Teil des Alltags.
Worin unterscheiden sich die Schweden am meisten von den Deutschen?
An den Deutschen schätze ich besonders, dass sie sagen, was sie denken. In Schweden spricht man eher durch die Blume. Diesen kulturellen Unterschied erleben wir natürlich auch hier im Institut. Vor kurzem haben wir zum Beispiel einen Schriftsteller zu einer Lesung eingeladen. Er hat abgesagt mit der Begründung, dass er keine Zeit hätte. Also haben wir ihn direkt für das darauffolgende Jahr angefragt. Doch auch diese Anfrage hat er mit derselben Begründung abgesagt. Er hatte einfach keine Lust, wollte das aber nicht direkt sagen.

Josefin Fürst: „Ich reise gerne nach Deutschland“ (Foto: Sonja Leister)
Da ich lieber hinter der Kamera als auf der Bühne stehe, würde ich sehr gerne mit dem schwedischen Regisseur Tomas Alfredson tauschen. Sein letzter Film war die John-le-Carrè-Verfilmung Tinker, Tailor, Soldier, Spy. Er ist sehr erfolgreich und einen Tag lang sein Leben zu leben, würde mir sehr gefallen.
Was wäre Ihr Traumprojekt?
Das Thema Stadtplanung ist für die Schweden und besonders für die Stockholmer sehr wichtig. Urbanisierung ist hier ein aktuelles Thema. Wir hatten im Goethe-Institut schon mehrere Projekte, die in diese Richtung gingen. Ich fände es spannend, mehr zu diesem Thema zu machen, Workshops anzubieten, Architekten und Stadtplaner aus Deutschland einzuladen, Ideen zu entwickeln und die gemeinsamen Energien zu nutzen.
Die Ausstellung Motorshow in der Galleri Bryggargatan (Foto: Ingo Vetter)
Was bewegt die Menschen in Stockholm derzeit am meisten?
Ein großes Thema ist der Wohnungsmangel, weil jetzt bald das Semester wieder losgeht. Für angehende Studenten ist es unglaublich schwer, eine Wohnung zu finden. Manche zelten sogar außerhalb von Stockholm. Einige Austauschstudenten finden keine Bleibe und gehen wieder zurück in ihr Heimatland.
Was sollte man in Stockholm besser sein lassen?
Der Alkoholkonsum ist sehr restriktiv. Wir haben hier ein Alkoholmonopol, das so genannte Systembolaget. Nur dort gibt es Alkohol zu kaufen. Ihn in der Öffentlichkeit zu trinken, ist verboten. Wenn man dann vielleicht doch mal im Park sitzt und etwas trinkt, kann es sehr schnell passieren, dass ein Polizist kommt und einem den Alkohol abnimmt. Außerdem sollte man in Stockholm immer darauf achten, dass man auf den Rolltreppen rechts steht und links geht. Das wird hier sehr ernst genommen.
Was machen kulturell interessierte Schweden in ihrer Freizeit am liebsten?
Literatur spielt in Schweden eine große Rolle. Es gibt in Stockholm, aber auch überall sonst in Schweden, viele Bibliotheken, in denen die Schweden viel Zeit verbringen. Die Stockholmer gehen auch gerne auf Festivals. Sehr beliebt ist zum Beispiel das Musikfestival Way out West in Göteborg.
Das Festival „Way out West“ in Göteborg (Foto: Rodrigo Rivas Ruiz/imagebank.sweden.se)
Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie nach Deutschland kommen?
Ich reise gerne nach Deutschland. In Deutschland funktioniert alles und es herrscht eine angenehme Grundstimmung. Ich freue mich auf die Biergärten, einen Teller Käsespätzle und auf ein Stück Donauwelle.
Und worauf, wenn Sie wieder zurück nach Schweden kommen?
Auf die angenehme Art mit Menschen in Kontakt zu treten. In Schweden duzt man sich direkt. Das finde ich sehr schön und entspannend und das wird mir immer bewusst, wenn ich wieder zurück nach Schweden komme.
Die Fragen stellte Patrizia Barba.
Geboren wurde Josefin Fürst 1982 in Stockholm. Als Kind wollte sie eigentlich Erfinderin werden. Stattdessen studierte sie Politologie und arbeitete als Projektleiterin und Pressesprecherin am Dachverband der Stockholmer Studentenwerke. Am Goethe-Institut ist sie seit 2010 und arbeitet in Stockholm als Programmkoordinatorin. Übrigens: Ihre Freizeit verbringt sie hauptsächlich in Kinos und in Seminaren zu Architektur und zur Stadtplanung.










